Köln – Die neue Wunderwaffe in der Corona-Teststrategie heißt PoC-Nat („Point of Care – Nucleic Acid Testing“) – ein Verfahren, fast so sicher wie laborausgewertete PCR-Tests, dessen Ergebnisse aber so schnell vorliegen wie bei Antigen-Tests. Sie könnten die Situation in den überlasteten Laboren entschärfen, wegen der die Bundesregierung die Anwendung von PCR-Tests in bestimmten Situationen heruntergefahren hat. Jedoch: Die PoC-Nat Analysegeräte sind teuer und für Gruppen-Testungen wie etwa bei Schulklassen meist nicht geeignet.
„Die Ergebnisse reichen fast an die Zuverlässigkeit von PCR-Tests heran und liegen in 15 Minuten vor“, sagt Thomas Preis, Vorsitzender der Apothekerverbände Köln und Nordrhein. Auf längere Sicht könne das PoC-Nat-Verfahren eine wichtige Stütze in der Teststrategie sein. „Für die aktuelle Omikron-Welle kommt es aber sicherlich zu spät“, urteilt Preis. Denn zunächst müssten Apotheken und ärztliche Praxen, in denen die Tests durchgeführt werden sollen, die Analyse-Geräte erst einmal anschaffen.
Hohe Anschaffungskosten
Um 5000 Euro kostet ein solcher Apparat, je nach Ausstattung, weiß Preis. Zudem könne es zu Lieferengpässen bei den Geräten, aber auch bei den passenden Testkartuschen kommen, wenn nun reihenweise Medizinerinnen und Pharmazeuten bei den Herstellern orderten, fürchtet er. Zumal es bei den Anschaffungskosten nicht bleibt, denn auch das Test-Personal muss speziell ausgebildet werden. Deshalb decke auch die Vergütung des Bunds für einen durchgeführten PoC-Nat-Test, die derzeit 30 Euro beträgt, nicht die Kosten. Auch müsse die Anschaffung der Geräte subventioniert werden, wie es etwa in Baden-Württemberg der Fall sei, in NRW jedoch nicht, fordert Preis.
Weil die Geräte also flächendeckend erst in geraumer Zeit zur Verfügung stünden, seien sie auch kein Faktor für die anstehenden Karnevalstage, wenn sich tausende Jecke vor dem Feiern testen lassen werden, sagt Preis. Für die Testungen in Schulen oder Kindertagesstätten seien die Geräte ebenfalls nicht geeignet, da sie in der Regel nur einen einzelnen Abstrich auswerten können.
„Die Zukunft sollte schon bei PoC-Nat-Tests liegen“, urteilt Preis, weil sie bei Einzeltests eine flächendeckende zuverlässige Versorgungsstruktur bieten können. „Langfristig, etwa wenn im Herbst neue Virus-Varianten da sind, sind die Test sinnvoll“, sagt Preis. In der aktuellen Welle mit sehr hohen Infektionszahlen könnte sie indes keine Rolle mehr spielen.
Die Stadtverwaltung hat sich offenbar noch nicht tiefer mit PoC-Nat-Tests befasst. „Die Stadt Köln hat diese Art der Tests bislang nicht angewendet und dementsprechend auch keine Erfahrungen damit. Geplant ist ihr Einsatz bislang auch nicht“, heißt es auf Anfrage. Auf die Frage, ob das Verfahren etwa in Kölner Schulen sinnvoll wäre, „hat sich das Gesundheitsamt bislang keine Meinung gebildet“. Wie viele PoC-Test-Möglichkeiten es momentan in der Stadt gibt, ist unklar. „Ob und wo diese Tests in Köln durchgeführt werden, ist dem Gesundheitsamt nicht bekannt“, teilt die Verwaltung mit.
Das Bundesgesundheitsministerium sieht gute Anwendungsmöglichkeiten der Methode bei Testungen in Notaufnahmen oder Pflegeeinrichtungen, wo schnell zuverlässige Ergebnisse erforderlich sind. Sie böte zudem im Vergleich zu Antigen-Tests eine höhere Sicherheit im Reiseverkehr. Und PoC-Nat sei geeignet, nach einem positiven Antigen-Abstrich eine „vorsorgliche mehrtägige Quarantäne bis zum Eintreffen des Labor-PCR-Befundes“ zu vermeiden.