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DreikönigswallfahrtZwei Frauen predigen im Kölner Dom

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COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 13: Die Renaissance-Kanzel aus Eichenholz aufgenommen am Freitag (13.02.2015) am Vierungsaltar des Koelner Doms (Hohe Domkirche St. Petrus) in Koeln. Die Kanzel wurde im Jahr 1544 im Dom aufgestellt.  (Photo by Matthias Heinekamp) K e y s: Koelner Dom, Kirche, Kathedrale, Gottesdienst, Altar

Die Kanzel im Kölner Dom

Die katholische Kölner Stadtdirektorin Dörte Diemert und die evangelische Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, ehemalige Vizepräsidentin des Bundestags, treten am 25. September als Predigerinnen im Kölner Dom in einen Dialog.

Frau Diemert, Frau Göring-Eckardt, zwei Frauen predigen im Kölner Dom. Haben Sie ein bisschen das Gefühl von „historisch“?

Katrin Göring-Eckardt: Ich glaube, es ist gut für so ein katholisches Haus, dass auch Frauen dort mal hervorgehoben in Erscheinung treten. Alle Bündnisgrünen aus Köln, mit denen ich darüber sprach, haben große Augen bekommen und gesagt: „Das durfte von uns noch nie jemand.“ Insofern: Historisch vielleicht, ich habe aber vor allem großen Respekt.

Dörte Diemert: Für mich ist das eine Premiere, und ich freue mich tatsächlich sehr, dass wir als zwei Frauen im Dom prominent auftreten dürfen.

ARCHIV - 20.12.2024, Berlin: Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), stellvertretende Bundestagspräsidentin, spricht im Plenum des Deutschen Bundestages. Auf der Tagesordnung der 208. Sitzung stehen unter anderem Abstimmungen über die Finanzierung des Deutschlandtickets und über eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes sowie Debatten zur Einführung von Tierhaltungslogos im Restaurant und zu den Arbeitsbedingungen in der Paketbranche. (zu dpa: «Göring-Eckardt: Wurde mit einem spitzen Gegenstand bedroht») Foto: Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Grünen-Bundestagsabgeordente Katrin Göring-Eckardt war von 2005 bis 2013 und von 2021 bis 2025 Vizepräsidentin des Bundestags.

Was macht für Sie den Reiz aus?

Göring-Eckardt: Das Reden in einer Kirche hat für mich etwas besonders Erhabenes. Das ist etwas ganz anderes, als am Redepult im Bundestag zu stehen. Auch wenn es in einem sakralen Raum natürlich genauso um alles geht, was das Leben ausmacht. Das ist mehr als nur „Frömmigkeit“. Es betrifft etwas, was über uns hinausreicht und das wir nicht sofort greifen und verstehen können. Als Protestantin gibt Kirche für mich auch Raum für Zweifel. Der Kölner Dom ist nicht nur für die Menschen aus der Stadt etwas Besonderes. Für mich ist er ein Inbegriff des Römisch-katholischen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen freue ich mich auf Freitag.

Diemert: Dom und Katholisch – klar, das sind auch für mich Synonyme. Ich glaube aber, dass der Dom im Herzen aller Kölnerinnen und Kölner, egal welcher Konfession, seinen Platz hat. Man sieht ihn von fast überall. Er gibt Orientierung. Der Dom ist gefühlt das Zentrum dieser Stadt. Auch deswegen ist es für mich sehr besonders, im Dom zu sprechen.

02.09.2026, Köln: Rede Kämmerin Dörte Diemert - Bei der zehnten Ratssitzung der laufenden Ratsperiode legt die Stadtverwaltung dem Stadtrat ihren Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2027/2028, ein sogenannter Doppelhaushalt, vor. Foto: Arton Krasniqi

Professorin Dörte Diemert, Stadtdirektorin und Kämmerin von Köln, spricht im Rat.

Wie halten Sie es als Katholikin mit dem von Frau Göring-Eckardt erwähnten Zweifel?

Diemert: Wer wirklich glaubt, der zweifelt auch. Davon bin ich überzeugt. Ich kenne eigentlich keinen Menschen, der komplett ohne Zweifel durchs Leben geht. Das gilt erst recht in Glaubensfragen und in so herausfordernden Zeiten, wie wir sie heute haben. Das Miteinander in einem ökumenischen Gottesdienst zeigt auch, dass wir gemeinsam Suchende sind.

Kommt es Ihnen nicht seltsam vor, dass sie als Politikerinnen predigen sollen?

Göring-Eckardt: Überhaupt nicht. Das mag daran liegen, dass ich ja auch mal Theologie studiert habe. Man muss als Politikerin oder Politiker nur aufpassen, dass man von der Kanzel nicht einfach eine politische Rede hält. Verkündigung ist etwas anderes als politische Überzeugungsarbeit.

Manche Politiker galten mit ihrer Rhetorik ja eher als Prediger. Bei „Bruder“ Johannes Rau von der SPD war es fast sprichwörtlich.

Göring-Eckardt: Ich erinnere mich gut, dass Johannes Rau selbst im Zwiegespräch den Predigtton anschlagen konnte. Das ist meines eher nicht.

Unsere Predigt soll keine Einbahnstraßen-Kommunikation sein.
Dörte Diem,ert

Diemert: Vielleicht rührt der Vorbehalt vom Wort Predigt her. Im Alltagsdeutsch verbindet man damit sehr häufig etwas Belehrendes – den Kanzelton, von oben herab. Ich bin überzeugt, so eine Haltung steht niemandem zu. Auch keinem Menschen mit Entscheidungsverantwortung. Ich persönlich finde es sehr schön, dass eine „Laiin“ wie ich die Möglichkeit hat, im Gottesdienst zu sprechen und das nicht nur den ausgebildeten „Experten“ überlassen zu müssen. Das ist etwas, was Nähe schaffen kann. Das Charmante an unserer Predigt ist, dass es keine Einbahnstraßen-Kommunikation sein soll, sondern dass wir danach in einen Austausch mit den Gottesdienstbesuchenden gehen. Ich hoffe, dass wir dann Resonanz auf unsere Worte im Dom bekommen.

Sie werden über das Prophetenwort „Suchet der Stadt Bestes“ predigen. Was ist zurzeit „das Beste“ – für die Stadt Köln, für das Gemeinwesen in Deutschland?

Diemert: Wir haben die Weisheit doch nicht gepachtet! Mich spricht vor allem die Suche an – als Auftrag, um Lösungen zu ringen, nicht im Gegeneinander und nicht mit einer Aufteilung zwischen solchen, die politisch handeln, und solchen, die quasi als Konsumenten der Politik an der Seitenlinie stehen. In der Demokratie sind alle gefragt. Nach den jüngsten Wahlen gibt es ein verbreitetes Gefühl, die Politik komme mit ihrer andauernden Suche an kein Ende. Die Menschen sehnen sich nach Lösungen.

Das Suchen ist weder Selbstzweck noch Fischen im Trüben.
Katrin Göring-Eckardt

Göring-Eckardt: Das Suchen ist weder Selbstzweck noch Fischen im Trüben. Vielmehr geht es darum „gemeinsam etwas voranzubringen“, um nicht den oft zu Unrecht verteufelten Begriff „Kompromiss“ zu bemühen.

Diemert: Dietrich Bonhoeffer formuliert für Christen einen doppelten Auftrag: das Beten und das Tun des Gerechten. Da ist also das Handeln mit drin. Und ich betone: das Handeln aller. Ich erlebe im politischen Diskurs sehr viel Empörung, sehr viel Eskalation. In Teilen bricht sich ein Ohnmachtsgefühl Bahn. Ich glaube, es ist für uns in unserer Demokratie und erst recht für Christinnen und Christen sehr wichtig, von der bloßen Kritik in die Aktion, ins Tun zu kommen – und mit unseren Werken die Positionen zu vertreten, für die wir stehen.

Enthält Ihre Predigt im Dom eigentlich auch eine Botschaft an die Hausherren?

Göring-Eckardt: Überraschung! Ich sage nur so viel: Es wird was kommen.

Diemert: Diesen Spannungsbogen werde ich jetzt natürlich nicht kaputt machen. Also: Warten Sie’s ab!


Gottesdienst & Dialog

Der ökumenische Gottesdienst im Kölner Dom mit Dialogpredigt von Dörte Diemert und Katrin Göring-Eckardt findet im Rahmen der „Dreikönigswallfahrt“ am Freitag um 16.45 Uhr statt. Musikalische Begleitung: Kölner Jugendchor St. Stephan. Um 18.30 ist Gelegenheit zum Austausch mit den Predigerinnen bei einer Soirée im Domforum. Weitere Mitwirkende: Serap Güler (CDU), Staatsministerin im Auswärtigen Amt und Rolly Brings, kölscher Poet und Liedermacher. Moderation: Carolin Hostert-Hack (Katholisches Bildungswerk Köln) und Norbert Bauer (Karl-Rahner-Akademie).

Für die viertägige Dauer der Dreikönigswallfahrt (24. bis 27. September) ist der gesamte Dom kostenlos zugänglich. Besichtigungen sind zwischen 10 und 17.45 Uhr (letzter Einlass: 17.30 Uhr) möglich, die Gottesdienstzeiten sind davon ausgenommen.

Unter dem Motto „Deutschland, lass uns reden!“ spricht Katrin Göring-Eckardt am Montag, 28. September, mit Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden und Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde Köln, über Zustand und Zukunft unserer Demokratie. 18 bis 20 Uhr, Haus der evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9-11. Eintritt frei. (jf)