Abo

Vom Wunsch zur WirklichkeitIm Dialog entwickeln Kölner Nachbarn Ideen

3 min
Eine Frau mit kurzem schwarzen Haar und ein Mann mit kurzem schwarzem Haar, Bart und Brille stehen nebeneinander vor einer Beamer-Präsentation, die hinter ihnen zu sehen ist.

Maike Lübbers und Frédéric Bravo Paredes organisieren den Veedelsdialog im Bios-Inn in Bickendorf.

Bei einer Bürgerkonferenz konnten Bickendorfer und Ossendorfer ihre Wünsche für Verbesserungen vor Ort loswerden. Diese werden an die Stadt weitergeleitet. 

Im Foyer des Bios-Inn, dem Gemeindezentrum der Kirchengemeinde St. Rochus in Bickendorf, sind Häppchen aufgebaut. Hühnchen mit Limette, Brötchen mit vegetarischem Dip und Mozzarella-Spieße. Dazu viele, viele Wasserflaschen, denn es ist warm im Gebäude, das bei Temperaturen jenseits der 30 Grad mit seinen Fenstern keine optimale Klimatisierung erlaubt.

Allmählich strömen Menschen jeden Alters herbei, die sich am Tisch im Foyer registrieren. Es sind Menschen, die zufällig ausgewählt wurden und im Vorfeld der Veranstaltung einen Fragebogen zur Zufriedenheit im Viertel ausgefüllt haben. Auf Basis der Ergebnisse wird heute an verschiedenen Themen-Tischen weiterdiskutiert und nach Lösungen gefahndet.

Eingeladen hat die Stadt Köln, die diese Veranstaltungen unter dem Titel Veedelsdialoge in 15 Sozialräumen im Stadtgebiet durchführt. Die Ergebnisse werden im November in eine große Sozialraumkonferenz einfließen und dann an die Politik übergeben. „Die Bürger sollen so aktiv ihre Lebensverhältnisse im Viertel verbessern“, sagt Frederic Bravo Paredes, Sozialraumkoordinator für Bickendorf und Ossendorf, der das Event in Bickendorf moderiert.

Bravo Paredes arbeitet für die Awo, einer der Träger, die im Auftrag der Stadt diese besondere Art einer Verbesserungsoffensive von unten steuert. An diesem Tag sind etwa 60 Menschen der Einladung zum Veedelsdialog nachgekommen. Sie verteilen sich an Themen-Tische, die von unterschiedlichen Moderatoren betreut werden. Die Moderatoren sind angestellt bei den unterschiedlichsten Akteuren im Viertel, wie der Kirchengemeinde oder sozialen Einrichtungen wie dem Café Bickolo. Therese Ziegler ist beim Kinderschutzbund in Kalk, der die dortige Bürgerkonferenz organisiert. Sie wurde  ins Linksrheinische ausgeliehen. und moderiert den Themen-Tisch „Vor der Haustür“.

An einem Tisch sitzen vier Personen, eine Frau steht vor einer Aufstellwand und zeigt auf eine Tabelle.

Therese Ziegler moderiert den Themen-Tisch „Vor der Haustür“.

Marion, die in der Teichstraße lebt, nervt die „Auto-Dominanz“ im Veedel und die mangelnde Sauberkeit. Mike, Vater von drei Kindern, der in den Ossendorfer Gartenhöfen lebt, hat beobachtet, dass die alteingesessenen Ossendorfer mit den Neuzugezogenen fremdeln. Tatsächlich beobachten einige Teilnehmer auch eine Trennung zwischen Arm und Reich, die es in beiden Veedeln Bickendorf und Ossendorf gibt.

Zunächst werden Themen gesammelt, in einer zweiten Runde sind die Teilnehmer aufgefordert, Lösungsansätze vorzuschlagen. Marion, die die Autos nicht mag und sich mehr Grün wünscht, wie einige andere, würde sich über Fahrradnadeln freuen. „Denn selbst für Fahrräder gibt es keine Stellplätze.“ Um den Kreisverkehr Margaretastraße wünscht sich Karin, die dort am Schnüsse-Tring-Brunnen wohnt, mehr Grün und eine Wasserquelle für den Rochuspark auf der Seite der Sportplätze des DJK Roland West.

Ziegler und die anderen Moderatoren sammeln die Wünsche, die sie auf Karten notieren und an die Stellwände pinnen. Am Ende werden alle Themen vorgestellt. Ein Kreis hat sich gebildet, der direkt selbst aktiv werden möchte. Steffi aus Bickendorf würde gerne mehr Trinkwasserstellen im Veedel haben. „Damit gerade Senioren im Sommer Anlaufstellen haben, wo sie umsonst Wasserflaschen nachfüllen können.“ Solange die Stadt mit weiteren Trinkwasserbrunnen nicht nachkommt, könnten dafür auch Ladenbesitzer gewonnen werden, die Schilder in ihre Schaufenster hängen und so signalisieren, dass es bei ihnen Leitungswasser gibt.

Das Büfett hat sich innerhalb der zweieinhalbstündigen Veranstaltung geleert. Viele Gespräche wurden am Rande des Veedelsdialogs geführt, Handynummern und E-Mail-Adressen getauscht. Genau das ist ein gewollter Nebeneffekt: Nachbarn sollen ihre Nachbarn kennenlernen und gemeinsam Verbesserungen in ihrem Veedel angehen.