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Rikscha-Tour durch KölnRochuschor ehrt seinen Leiter mit musikalischer Stadtführung

3 min
Ein Mann mit schwarzem Shirt und schwarzen Haaren steht neben einer geschmückten Rikscha vor dem Dom.

Am Samstag war sein „Geht-nur-um-mich-Tag“: Wilfried Kaets, Leiter des Rochuschors, genoss eine Stadtrundfahrt mit musikalischen Stopps. Seine Sänger hatten ihn überrascht, Anlass war sein baldiger Eintritt in den Ruhestand. 

Knapp 80 Sängerinnen und Sänger luden ihren Chorleiter Wilfried Kaets zu einer musikalischen Stadttour durch Köln ein. Höhepunkt war ein 30-minütiger Auftritt im Dom.

Mit Tränen in den Augen stand Wilfried Kaets vor der Bühne, aber dieses Mal ausnahmsweise  nicht oben, sondern unten. Die im Seitenschiff des Kölner Doms gelegene Auftrittsplattform hatte sein Chor eigens für einen 30-minütigen Auftritt „gebucht“. Den Organisten Andi Ruster brachten die Sänger nebst Co-Chorleiter Thomas Roß gleich selbst mit. Der Rochuschor hat auch im Dom schon Auftritte absolviert, genau wie in vielen anderen Städten, von Dresden bis Rom, wo man sogar im Petersdom sang.

Doch einen besseren Zeitpunkt für den Kurzauftritt im Dom hätten die Sängerinnen und Sänger sich nicht aussuchen können: Während der Performance schien die Spätsommersonne noch einmal mit allem, was sie hat, über die Köpfe der Chormitglieder hinweg auf den scheidenden Chorleiter. Nach den einleitenden Worten einer Sängerin ließ es sich Kaets dann aber doch nicht nehmen, auf die Bühne zu steigen. 

Chor wartete vor St. Gereon, später ging es weiter zum Dom

„Ihr habt wirklich keine Kosten und Mühen gescheut“, dankte er seinen Sängerinnen und Sängern, die dirigiert von Co-Chorleiter Thomas Roß drei Stücke zum Besten gaben. Der Stopp im Dom war schon der zweite auf einer musikalischen Stadtführung, zu der Kaets und seine Frau Raphaela am vergangenen Samstag um 10.30 Uhr per Rikscha zu Hause abgeholt wurden. „Ich wusste wirklich nicht, was geplant war. Als ich dann den Chor vor St. Gereon sah, kamen mir schon die Tränen. Das war ein wirklich besonderer Moment.“ St. Gereon war der erste Stopp von fünfen, drinnen und draußen, die sich das Orgateam des knapp 100-Mitglieder-starken Chors ausgedacht hatte. 

Wilfried Kaets, der den Rochuschor, gemeinsam mit Thomas Roß, seit 36 Jahren leitet, wird Anfang nächsten Jahres in den Ruhestand verabschiedet. „In seinem Terminkalender fand sich kein anderer freier Samstag vor diesem Termin, daher musste das Ganze schon an diesem Samstag stattfinden“, erzählt Carola Lipps, eine der Mitorganisatorinnen, die seit 1997 im Chor singt.

Viele Leute stehen vor einem Turm, im Hintergrund sind der Dom und das Museum Ludwig.

Der Rochuschor nimmt Aufstellung am Denkmal Ma'alot in unmittelbarer Nähe zur Philharmonie, dabei ist auch der jüdische Tenor Aron Proujanski (ganz rechts).

Geschadet hat es der musikalischen Stadttour nicht, waren doch einige Draußen-Stopps eingeplant. So empfing der Chor Wilfried Kaets bereits mit Gesang auf dem Platz vor St. Gereon, bevor drinnen fortgesetzt wurde. Nach dem Auftritt im Dom, der von zahlreichen asiatischen Touristen mitgefilmt wurde, ging es per Rikscha weiter zum nächsten Draußen-Stopp. Am knapp elf Meter hohen Ma’alot-Turm des israelischen Bildhauers Dani Kanavan am Heinrich-Böll-Platz, packte der Chor seine mitgebrachten Instrumente aus. Thomas Roß platzierte sein Keyboard direkt dahinter am Rande der Serpentinen hinunter zum Rheinufer.

Der jüdische Tenor Aron Proujanski und der irakische Musiker Bassem Hawar waren schon im Dom zum  Rochuschor gestoßen. Beide haben an vielen gemeinsamen Konzertprojekten mitgewirkt. Jetzt ist ihr Einsatz gefragt. Beim symbolträchtigen Stopp werden Lieder in hebräischer und aramäischer Sprache gesungen, Proujanski übernimmt viele Solopassagen, Hawar begleitet auf dem orientalischen Saiteninstrument Djoze. Das Cello spielt Jona Kaets, der alle Stücke heimlich geübt hat, um den Vater zu überraschen.

Das spontane Platzkonzert zog erneut zahlreiche Besucher in seinen Bann. Wegen eines zeitgleich stattfindenden Philharmonie-Konzerts bildete sich ein Nadelöhr rund um den Ma'Alot-Turm. Doch bevor die Sicherheitsmitarbeiter endgültig die Nerven verloren, weil sie Mühe hatten, die Passanten vom Betreten des Platzes abzuhalten, wurde wieder zusammengepackt.

Viele Menschen stehen im Halbkreis. Unter einem alten Baum musizieren Musiker mit Keyboard, Cello und einem orientalischen Instrument.

Auf dem Ostermannplatz wurden kölsche Lieder gesungen. Bassem Hawar an der Djoze (l.), Thomas Roß am Keyboard und Jona Kaets am Cello.

Nächstes Ziel ist der Ostermannbrunnen, wo kölsches Liedgut auf dem Programm steht. Danach ging es noch nach St. Andreas, wo der Jugendchor sich mit seinem Beitrag hinzugesellte, bevor Bernhard Schorn Rikscha samt Chorleiter und Gattin in den Heimathafen BiOsInn in Bickendorf steuerte. „Dort gibt’s dann noch eine große Sause zum Ausklang“, verrät Carola Lipps, während sie sich aufs Fahrrad schwingt und Richtung Altstadt weiterradelt, den Chor-Tross hinter sich.