Die Schüler der Max-Ernst-Gesamtschule demonstrierten vor dem Rathaus für den Erhalt ihres Schulwalds. Mehr Bäume als geplant sollen den Neubauten zum Opfer fallen.
Protest gegen StadtSchüler aus Bocklemünd tragen ihre Wut vor das Rathaus

Sie wurden laut: 600 Schüler und Lehrer versammelten sich auf dem Alter Markt.
Copyright: Hans-Willi Hermans
Die älteste Rednerin zitierte ein junges Vorbild. „How dare you?“ – „Was fällt euch ein?“ – hatte eine grimmige Greta Thunberg den Regierungen der Welt angesichts ihrer Untätigkeit auf dem UN-Klimagipfel 2019 entgegengeschleudert. Diese Frage stellte Christiane Balzer von den Grannies for Future nun auf dem Alter Markt den Kölner Politikern und der Verwaltung. Sie unterstützte damit das Anliegen der rund 600 versammelten Schüler und Lehrer der Bocklemünder Max-Ernst-Gesamtschule (MEG), nämlich die Rettung ihres Schulwalds: Schon in den Herbstferien sollen weitere 171 Bäume gefällt werden. Zusammen mit den schon erfolgten Fällungen wären es dann 261.
Stadt winkt trotz Klimanotstand Baumfällungen in Bocklemünd durch
„Jedes Kind weiß doch, was Bäume für das Klima bedeuten“, fuhr Balzer fort. Nicola Quartz vom Bundesvorstand des BUND äußerte ihr Unverständnis darüber, wie eine Stadt, die 2019 den Klimanotstand ausgerufen hat und bis 2035 klimaneutral sein möchte, nach dem Hitzesommer noch auf die Idee verfallen kann, einen der wenigen Schulwälder abzuholzen: „Jeder Baum zählt.“

Schon im Juni 2025 protestierten die Schüler gegen die Fällung der Bäume an der Max-Ernst-Gesamtschule.
Copyright: Hans-Willi Hermans
Die Schüler und Schülerinnen hatten nicht nur Transparente mitgebracht, auf denen „Wir sind laut, weil Bäume keine Stimme haben“, „Versiegelt nicht unsere Zukunft“ oder „Kein Kölsch für Baummörder“ stand. Einige griffen vor dem Markt-Brunnen auch selbst zum Mikro. Die 13-jährige Mia etwa wünschte den Schulanfängern, dass sie noch die Gelegenheit hätten, im Schulwald „Verstecken“ zu spielen, das sei toll. Jano Weber, 18, fragte sich, weshalb die Verwaltung ihre Pläne zur Erweiterung des MEG nicht einfach ändern kann: „Andere Stadtteile brauchen Gesamtschulplätze viel dringender“, meinte er.
Fünfzügigkeit soll erhalten bleiben
Denn in Bocklemünd hat man jetzt schon Probleme, die fünf Züge des ersten Jahrgangs zu füllen, die Erweiterung auf sechs Züge erscheint vielen Schülern und Lehrern auch unter dem Eindruck zurückgehender Schülerzahlen als sinnlos. Die anwesenden Lehrer waren sich zwar einig, dass die Containerklassen der sogenannten Villa Hügel vergammelt sind und durch ein festes Gebäude ersetzt werden sollten. Dem müssten sicher einige Bäume weichen. Behielte man die Fünfzügigkeit aber bei, ließe sich die Zahl der Fällungen begrenzen und auch der geplante Mensa-Neubau wäre überflüssig.
Letzterer hatte in den vergangenen Jahren für Furore gesorgt, als bekannt wurde, dass dafür 51 Bäume niedergelegt werden sollten. Schüler, Lehrer und Eltern hatten sich mit Demos, Flashmobs und offenen Briefen für eine Änderung der Pläne eingesetzt und einen Teilerfolg erzielt. Die Verwaltung nahm geringfügige Änderungen an den Planungen vor, sodass nun 29 dieser Bäume stehen bleiben können. Auch die Bezirksvertretung Ehrenfeld feierte dies im September 2025 als Erfolg und lobte den Einsatz der Schüler.
Auf einmal sollen 261 Bäume sollen gefällt werden, viel mehr als bekannt
Doch schon nach den Herbstferien 2025 begannen Rodungen. Es wurde bekannt, dass auf dem gesamten Schulgelände nicht weniger als 261 Bäume den Neubauten weichen sollen. Eine Zahl, die in den Plänen nicht aufgetaucht war. Bei der Schulleitung, die stolz auf das Engagement ihrer Schüler ist, beklagt man jetzt die mangelhafte Kommunikation des Amts für Gebäudewirtschaft. Unter den Schülern herrschen Wut und ein Gefühl der Ohnmacht.
In einer Anfrage zur jüngsten Sitzung des Schulausschusses am vergangenen Montag, betont Oliver Seeck, Stadtverordneter für Bocklemünd/Mengenich und schulpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, „den ökologischen und pädagogischen Wert eines gewachsenen Waldes“ – die versprochenen 97 neuen Bäume für das Schulgelände bräuchten Jahrzehnte, um einen Ersatz zu schaffen. „Ich erwarte, dass das zuständige Planungs- und Baudezernat Alternativen zu den Baumfällungen vorschlagen kann“, so Seeck weiter. Vor allem der Mensa-Neubau sollte noch einmal „in den Blick genommen werden.“
Der SPD-Politiker bemängelt auch, dass in der Stadt zwar „endlose Diskussionen über den ökologischen Wert von Wiesen“ geführt werden - aber nur, wenn es um andere Stadtteile gehe, nicht um Bocklemünd mit seinen sozialen Problemen. Hier könne man einen ganzen Wald roden, trotzdem bleibe es „vergleichsweise still“. Auf der Sitzung des Schulausschusses erhielt er keine Antwort. Vier Stunden lang harrten auch MEG-Lehrer aus, bis klar wurde, dass kein Verwaltungsexperte zugegen war, der die Anfrage hätte beantworten können. Dies soll dann auch einer Sondersitzung am 29. September erfolgen. Bis dahin können die Schüler hoffen, dass der Wunsch auf einem der Transparente in Erfüllung geht: „Herr Burmester, zeigen Sie, dass es anders geht.“
