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Wut in Köln-BocklemündStadt lässt mehr Bäume fällen als vereinbart

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Zwei Schülerinnen, ein Lehrer und eine Lehrerin stehen vor dem offenen Schultor der Gesamtschule in Bocklemünd.

Entschlossen (v.l.): Line Moppert und Greta Adam von der Schülervertretung werden mit ihren Lehrern Falk Lopper und Ines Bartenstein auch nach den Sommerferien für den Erhalt des Schulwäldchens kämpfen.

Lehrer und Schüler der Max-Ernst-Gesamtschule fühlen sich getäuscht. Die Stadt hat, anders als vorher kommuniziert, doch mehr Bäume im Schulwald fällen lassen.

Der offene Brief an die Verwaltung, den Schulausschuss und die Bezirksvertretung Ehrenfeld (BV) sollte die Alarmglocken schrillen lassen: „Wir fühlen uns betrogen und über den Tisch gezogen“, schreibt die Schülervertretung der Max-Ernst-Gesamtschule (MEG). Eine „ehrliche Kommunikation und ein Ernstnehmen unserer Positionen“ hätten sie erwartet, so die Schüler, stattdessen seien sie „hingehalten und getäuscht“ worden, mit „irgendwelchen Zahlen“, die die Stadt „in den Raum gestellt“ habe. Dabei konnte Bezirksbürgermeister Volker Spelthann noch im vergangenen September von einer ganz anderen Stimmung an der MEG ausgehen, als er die Schüler auf einer BV-Sitzung für ihr Engagement lobte: „Sie haben ja erkannt, dass es sich lohnt, wenn man sich einbringt und Politik und Verwaltung auf die Füße tritt.“

Statt 50 Bäumen sollten an der Gesamtschule nur 21 gefällt werden

Damals hatten die Schüler, unterstützt von Eltern und Lehrern, mit ihren Protesten erreicht, dass für den Mensa-Neubau statt der ursprünglich geplanten 50 Bäume ihres „Schulwäldchens“ nur 21 gefällt werden müssen. Die Verwaltung hatte noch mal neu überlegt, wollte die Lage des „Grünen Klassenzimmers“ verändern und alte Leitungen in der Erde belassen. Ein akzeptabler „Kompromiss“, wie es schien – bis nach den Herbstferien Bautrupps anrückten und einfach mal 35 Bäume auf den beiden Schulhöfen abholzten. Bäume, die erst vor einigen Jahren angepflanzt worden waren.

Ein Insektenhotel steht unter einem Baum.

Auch der Schulgarten mit Insektenhotel soll den Baumaßnahmen zum Opfer fallen.

Danach versuchte die Schulleitung, Genaueres zu erfahren. Unter der Hand erfuhr man, dass im Zuge der Errichtung des angrenzenden neuen Grundschulgebäudes und des Erweiterungsbaus für die MEG noch eine wesentlich größere Anzahl von Bäumen niedergelegt werden muss: „Bisher wurden auf dem Grundstück 90 Bäume gefällt. In Summe werden nach vorliegenden Fällgenehmigungen 261 Bäume gefällt, so dass noch 171 Bäume zu fällen sind. Diese Fällarbeiten sollen in den Herbstferien stattfinden“, bestätigte eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage dieser Redaktion.

Lehrer werfen der Stadt Köln intransparentes Verhalten vor

Diese Zahlen lösten am MEG Schock und Wut aus. Ralf Emmermann erzählt, dass selbst er als Schulleiter auf Nachfrage bei der Gebäudewirtschaft keine Informationen über die Zahl der Fällungen erhalten habe. Die seien nur den Medien genannt worden. „Ich bin stolz darauf, dass die Schulgemeinschaft nicht tatenlos geblieben ist, sondern sich für den Erhalt der Bäume eingesetzt hat“, so Emmermann. „An der Schule wird Demokratie gelebt, aber das setzt voraus, dass man fair miteinander umgeht.“ Vielleicht sei es ja „naiv“ gewesen, angesichts der nun entstehenden Neubauten nicht von einer größeren Zahl von Baumfällungen auszugehen. Andererseits seien diese Zahlen in Gesprächen mit der Verwaltung nie genannt worden, das sei „intransparent“. Ines Bartenstein, Lehrerin am MEG, nennt das Vorgehen der Stadt sogar „zynisch“. Sie hätte sich gewünscht, dass die Zahlen gleich zu Beginn der Planungen offengelegt worden wären: „Besser man erfährt die Wahrheit gleich, das muss eine Stadt aushalten können.“ Sorgen mache sie sich um die Schüler, deren „Erstbegegnung mit der Demokratie“ jetzt in einem Fiasko endet.

Schüler stehen vor Bäumen und halten ein Plakat hoch: „Rage against the chainsaw“ - Wut gegen die Kettensäge.

Im vergangenen Jahr hatten die Schüler aus Protest gegen die geplanten Fällungen einen Flashmob organisiert.

Greta Adam, Mitglied der Schülervertretung, bestätigt diesen Eindruck: „Petition, Flashmob, Proteste am Historischen Rathaus: Wir haben viel Engagement entwickelt, aber es hat nichts gebracht.“ Auch die Politik fühle sich offensichtlich nicht verantwortlich, noch Ende Juni hatte sich die BV die Zahl der Fällungen von der Verwaltung vorlegen lassen – und dann kein weiteres Wort darüber verloren. Greta Adam fragt sich auch, wie die Schüler ohne die schützenden Schatten des Wäldchens künftig die immer heißeren Sommer ertragen sollen. Oder weshalb die Interims-Container, die kürzlich für die Unterstufenschüler aufgestellt wurden, ausgerechnet schwarz sein müssen.

MEG-Lehrer Falk Lopper, weist darauf hin, dass die geplante Erweiterung der Schule von Fünf- auf Sechszügigkeit überflüssig sei, weil es mittlerweile genug Gesamtschulen im Bezirk gebe: „Schon jetzt können wir die Plätze hier nur mit Mühe füllen.“ Das sieht man bei der Schulverwaltung anders: Das Angebot an Gesamtschulplätzen in Chorweiler sei „nicht auskömmlich“, mit der Erweiterung des MEG reagiere man auf diesen Bedarf, so die Sprecherin der Stadt. Sie versichert auch, dass die Neubauten „Gründächer mit Photovoltaikanlagen“ haben werden, auch an Nistkästen und Fledermausquartiere sei gedacht und 84 Bäume würden neu angepflanzt. Alle Ersatzpflanzungen, für die kein Platz auf dem Schulgelände sei, sollen „ortsnah realisiert“ werden.

Doch Greta Adam und ihre Mitschüler wollen noch nicht aufgeben: „Nach den Sommerferien machen wir weiter, wir haben schon Prominente angesprochen, vom BUND zum Beispiel. Auch Jürgen Domian ist vielleicht dabei.“