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Kinder protestieren gegen Eltern-Taxis

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Kinder mit Plakaten und Transparenten stehen auf einer Straße.

Für einen sicheren Schulweg demonstrierten die Kinder gemeinsam mit Eltern, Politikern und Vertretern von Kidical Mass.

Nachdem schon zwei Grundschulen im Bezirk Schulstraßen durchgesetzt haben, wollen auch Eltern und Schüler der Peter-Lustig-Grundschule dieses Ziel erreichen. 

Im Wendehammer der Wilhelm-Schreiber-Straße, nicht weit vom Eingang zur Peter-Lustig-Grundschule haben sich etwa 60 Kinder und Eltern getroffen. Der Wendehammer ist heute für den Verkehr gesperrt, die Kinder spielen mit Bällen, fahren in Go-Carts über die Platzfläche, malen oder stanzen Buttons. An Tischen und Stühlen lehnen noch selbstgebastelte Schilder mit Aufschriften wie „Autos, nein danke“, „Die Straße gehört uns“ oder „Sicher zur Schule“.

Jetzt aber wird erst mal gespielt, denn die Kinder haben eine anstrengende Woche hinter sich. Fünf Tage lang haben sie mit Unterstützung zahlreicher Mitschüler und Eltern die Straße morgens von 7.45 bis 8.15 Uhr sowie von 14.45 bis 15.15 Uhr gesperrt und damit zur „Schulstraße“ gemacht. Bei der Aktionswoche unter der Überschrift „Selbst und sicher zur Schule“ ging es um das verbreitete Problem der Elterntaxis, den Hol- und Bringverkehr für Schüler also. An der Peter-Lustig-Grundschule hat es allerdings einen speziellen Akzent. Denn der Wendehammer ist ganz offiziell als Kiss & Ride-Zone ausgewiesen, anders als an den meisten anderen betroffenen Schulen gibt es also einen Bereich nahe am Haupteingang, den die Eltern zu Schulbeginn und -schluss anfahren dürfen.

Chaos auf dem Wendehammer der Peter-Lustig-Schule in Köln-Ossendorf durch manövrierende Elterntaxis

Das bedeutet allerdings nicht, dass die „Elterntaxis“ hier keine Gefahr für die Schüler darstellen, wie Jochen ten Hoevel, einer der demonstrierenden Väter, erklärt. Am östlichen Rand des Wendehammers gibt es nämlich keinen Gehweg, den zu Fuß kommende Kinder nutzen könnten: „Die müssen quer über den Wendehammer gehen, wo die Elterntaxis zurücksetzen und manövrieren. Das ist ein einziges Chaos, da kann schnell was passieren.“ Es sei nicht möglich, dort einen Gehweg anzulegen, denn das würde den Durchmesser des Wendehammers zu sehr verkleinern, wie entsprechende Messungen schon vor Jahren ergeben hätten.

Außerdem sei die Wilhelm-Schreiber-Straße für den Hol- und Bring-Verkehr einfach nicht breit genug: „Es bilden sich häufig Rückstaus“, sagt ten Hoevel, der schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der mehr als 300 Schüler regelmäßig von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden. Das gefährde zu Fuß gehende Schüler auch ohne den unvollständigen Wendehammer. Nun müssen Schule und Eltern die Erkenntnisse aus der Aktionswoche auswerten: Könnte man einen Zebrastreifen aufbringen, damit den Kindern trotz der Elterntaxis ein sicherer Weg auf die andere Seite des Wendehammers – die mit dem Gehweg – zur Verfügung steht? Lassen sich möglicherweise Kiss & Ride-Zonen an der Frohnhofstraße oder an der Rochusstraße einrichten? Zusammen mit den Politikern der Bezirksvertretung möchte die Schulgemeinschaft nun nach einer passenden Lösung suchen.

Die Suche nach alternativen Standorten für den Kiss & Ride-Platz solle dabei möglichst nicht im Vordergrund stehen, meint Simone Kraus von Kidical Mass. Die Sprecherin der Initiative für eine Kinder- und fahrradfreundliche Stadt betonte, dass Kinder selbstständig und möglichst in Gemeinschaft mit anderen Kindern ihren Schulweg antreten sollen: „Dann ist der Unterricht auch gleich entspannter.“

Die temporäre Ossendorfer „Schulstraße“ war in die bundesweite Aktionswoche von Kidical Mass eingebettet, die in Köln noch einiges vorhat: 2024 wurden vier „Schulstraßen“ als Pilotprojekt eingerichtet, 2025 keine einzige, in diesem Jahr sollen es drei werden. Dabei haben 88 Kölner Schulen Bedarf angemeldet. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, müssen die sich auf eine lange Wartezeit einstellen, einige haben offensichtlich resigniert: Die Peter-Lustig-Schule nahm als einzige Kölner Schule an der Aktionswoche teil.