Zum Abschluss der Fine Food Days Cologne erlebten 250 Gäste in der Flora eine festliche Gala mit zum Teil emotionalen Preisverleihungen.
Tränen, Humor und GenussKölns Gastronomie feiert ihre Besten

Mirko Gaul wurde erneut zum Koch des Jahres gewählt, nominiert waren auch Julia Komp und Denis Steindörfer (von links).
Copyright: Luis Rüsing
Als der Name fällt, wird es still im Saal der Flora. Dann steht das Publikum auf. Nicole Stern nimmt den Award für das Lebenswerk entgegen, begleitet von ihren Kindern Johannes und Elisabeth – für ihren Mann Michael Stern. Der Gastronom, der im Mai dieses Jahres nach schwerer Krankheit verstorben ist, gilt mit Rudolf von Borries als Gründer der Fine Food Days Cologne. „Michael Stern war ein Gastronom mit Weitsicht“, sagt Vereinsvorstand Franz Gruber. Er habe „ein besonderes Sensorium für die Umstände, Trends und Kundenwünsche“ gehabt, die die gastronomische Wirtschaft herausforderten – und mit der Vereinsgründung dafür gesorgt, dass Köln „auch in gastronomischer Sicht den Vergleich mit Top-Metropolen nicht scheuen muss“.
Fine Food Days Cologne: Gala in der Flora
Dieser Moment war der emotionale Höhepunkt des Finales der siebten Ausgabe des Genießer-Festivals, das am Ende von mehr als 250 Gästen in der Flora besucht wurde. Fingerfood und ein Sechs-Gang-Menü kochten mit Julia Komp, Marlon Rademacher, Maximilian Lorenz und Mirko Gaul gleich vier Sterneköchinnen und -köche. Moderiert wurde der Abend von TV-Moderatorin Bettina Böttinger.
Zur Begrüßung zog Franz Gruber Bilanz: In den vergangenen 14 Tagen hätten die 19 Vereinsmitglieder mehr als 30 Veranstaltungen organisiert, „viele davon ausverkauft“. Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) lobte in seiner Ansprache „die lebendige, vielfältige Gastroszene auf hohem Niveau“ und wandelte die Zeile des Kasalla-Songs „Stadt mit K“ kurzerhand ab: „Stadt mit G: Köln steht für Genuss, Geselligkeit – die Gastronomie ist ein Standortfaktor.“ Auf die Frage, was Politiker von Köchinnen und Köchen lernen könnten, hatte er eine pointierte Antwort: „Manche in der Politik verwechseln bürokratische Antworten mit wirkungsvollen Antworten. Aber um im Beispiel zu bleiben: Ein Rezept ist ja auch noch kein Gericht. Den Fokus auf das Ergebnis – den können wir uns bei Ihnen abschauen.“

Für mehr als 250 Gäste wurde kunstvoll gekocht und dekoriert.
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Gegessen wurde entsprechend viel: Neben Koch- und Gastro-Größen wie Hans Stefan Steinheuer oder Vincent Moissonnier ließen es sich auch prominente Vertreter der Stadtgesellschaft wie Bestseller-Autor Frank Schätzung und lit.Cologne-Chef Rainer Osnowski schmecken. Zum Einstieg reichten die Köchinnen und Köche Fingerfood wie „Kartoffelnest, Topfen, Minze“ von Denis Steindorfer (Gruber's Restaurant), „Bergisches Vitello Forello“ von Markus Schnitzler (Zoo-Gastronomie) und gedämpften Kabeljau mit Safran-Emulsion von Luis Dias. Das Sechs-Gang-Menü begann mit einer Tartelette von der Gelbflossenmakrele (La Cuisine Rademacher), es folgten unter anderem marinierte Sylter Meeräsche mit Hagebutte (Sönke Höltgen, KölnSky) und Blumenkohl mit Beluga-Amur-Kaviar von Joschua Tepner (The Dutch). Das Dessert – Honigtomate mit Mandel und Ivoire-Schokolade – kam von Julia Komp (Sahila).
Awards für den Nachwuchs
Zwischen den Gängen wurden die Fine-Food-Days-Awards vergeben, ermittelt von einer Jury um den ehemaligen Drei-Sterne-Koch Dieter Müller, Foodbloggerin Laura Herrmann, Julia Hövelkamp von KölnTourismus und Gastrokritiker Carsten Henn. Auf einen „Newcomer des Jahres“ verzichtete der Verein in diesem Jahr bewusst – Nelson Müller, neues Mitglied mit seinem Restaurant Schote/Müller's in der Mühle, ist als bekannter Fernseh- und Sternekoch für diese Kategorie kaum noch zu vermitteln, auch wenn seine Diepeschrather Mühle erst vor knapp anderthalb Jahren eröffnet hat.

In festlichem Ambiente fand der Abschluss der Fine Food Days statt.
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Als „Auszubildende des Jahres“ wurden ausgezeichnet: Henrik Oliver Jessen (Restaurant „Zur Post“, Odenthal, Koch), Julius Richmann (Gut Lärchenhof, Pulheim, Restaurantfach) und Anna Bonita Untch (Excelsior Hotel Ernst, Hotelfach). Laudator Jürgen Blank, Vorstandsmitglied des Vereins, betonte die Bedeutung der Ausbildung: „Ohne qualifizierten Nachwuchs kann kein Betrieb überleben.“
Beim „Event des Jahres“ endete die Jury-Abstimmung mit einem Patt – Konsequenz: zwei Preisträger. Marlon Rademacher (La Cuisine Rademacher) hatte gemeinsam mit Dieter Müller und Ernst Vleer, Vorsitzendem des Colonia Kochkunstvereins, einen Aperitif mit Austern im Vierungsturm des Kölner Doms serviert, bevor es zum Essen in die Dombauhütte ging. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Kirberg Catering: Jutta Kirberg und Culinary Director Volker Beuchert hatten ihre Gäste in die Hallen des Lebensmittelgroßhändlers Möller's geladen, zu einem Menü im „Bauch von Köln“. Laudatorin Laura Herrmann lobte an beiden Veranstaltungen die „magische Anziehungskraft“ ungewöhnlicher Orte.
Über den „Koch/Köchin des Jahres“ entscheiden traditionell Gäste der Eröffnungsveranstaltung gemeinsam mit der Jury. In diesem Jahr blieb der Titel, wo er war: Mirko Gaul vom Restaurant Taku im Excelsior Hotel Ernst setzte sich knapp durch – und zeigte sich überrascht: „Damit habe ich nicht gerechnet.“
