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Fridays for Future in Köln
4000 Teilnehmer demonstrieren für das Klima und gegen Krieg

Lesezeit 3 Minuten
FFF Köln Rheinpark

Zu der Demo kamen wohl mehrere tausend Menschen.

Köln – „Wir sitzen alle im selben sinkenden Boot“, sagte Peter Donatus, doch mit Blick auf Afrika wies er auf einen großen Unterschied hin: „Die Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, leiden am stärksten darunter.“ Am Freitag sprach der Menschenrechts- und Umweltaktivist, der nigerianische Wurzeln hat, im Rheinpark vor Tausenden Menschen, die zur Protestveranstaltung von Fridays for Future Köln gekommen waren. Sie war Teil des zehnten internationalen Großstreiks für Klimagerechtigkeit, der unter dem Motto „People Not Profit“ stand: Menschen statt Profit.

Nach der Auftaktkundgebung starteten rund 1000 Radfahrer zu einer Protesttour durch die Innenstadt und weitere Stadtteile wie Mülheim und Riehl. Die größere Menge, nach Angaben der Veranstalter etwa 3000 Personen, die sich Themenblöcken wie etwa „Klima“ „Antikapitalismus“ und „Antidiskriminierung“ zugeordnet hatten, bewegte sich nach Deutz und dann am Rheinufer zurück. Am Ende kamen die Demonstranten wieder im Rheinpark unweit der Zoobrücke zusammen.

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Der Klimawandel, verursacht vor allem von den Industrieländern, lasse riesige Gebiete Afrikas veröden, prangerte Donatus an. Die Sahelzone zum Beispiel sei „eine einzige Katastrophe geworden“. Es gelte, alles dafür zu tun, dass „die Menschen im globalen Süden ihr Recht auf Leben wahrnehmen können“. Afrika gönnerhaft „Klimahilfe“ zu leisten sei zu wenig. Dies gelte ebenso für die – immer noch fällige – Entschuldigung. Mit einem Wort: „Wir wollen eine ökologische Reparation.“ Außerdem müsse ein „Ökozid-Gesetz“ geschaffen werden, das die Zerstörung von Umwelt kriminalisiere, also unter Strafe stelle.

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Protest auch gegen Gas und Öl aus Russland

Die Demonstranten trugen Plakate, Transparente und Fahnen mit Aufschriften wie „Klimagerechtigkeit jetzt!“ oder „Mit der fossilen Vergangenheit ist keine Zukunft zu machen“; auch das klassische „Atomkraft? Nein Danke!“ fehlte nicht. Der Bundesregierung mangele es an den „nötigen Ambitionen“, kritisierte Fridays-for-Future-Sprecherin Pauline Brünger vor der Kundgebung. Indem Deutschland Gas und Erdöl aus Russland beziehe, befeuere es nicht nur die Klimakrise, sondern mit den Zahlungen auch den Krieg in der Ukraine. Falsch seien auch die Steuerentlastungen beim Sprit, denn de facto seien es „Subventionen“ für fossile Energieträger. Stattdessen müsse viel mehr in die Gewinnung erneuerbarer Energien investiert werden. Dies sei ein Beitrag sowohl zur Lösung des Klimaproblems als auch zum Frieden. Zum Motto des Protests sagte sie: „Unser System und die Wirtschaft stellen den Profit über unsere Lebensgrundlage und verursachen eine Krise, die schon heute Menschen umbringt und vertreibt.“

Der Ukraine-Krieg spielte vor allem in der Ansprache von Klimaaktivistin Sofia Fellinger, Kölner Direktkandidatin der Linken für die Landtagswahl, eine Rolle. Sie hat Familie in der Ukraine und erzählte unter anderem, was sie von ihrer Großmutter, die in Saporischja im Süden des Landes lebt, erfahren hat. Die Versorgungslage sei schlimm, die Großstadt übervoll von Geflüchteten aus Mariupol. „Die Ukraine, die ich kenne, werden ich, meine Familie und viele andere nicht mehr wiedersehen können.“

Fellinger sprach von Trauer, Angst und Wut auf das Putin-Regime. Im Prinzip begrüßte sie Sanktionen, doch sie müssten so ausfallen, dass sie der russischen Zivilbevölkerung möglichst wenig schaden. Den Plan, die Bundeswehr für 100 Milliarden Euro aufzurüsten, kritisierte sie als „Instrumentalisierung“ des Ukraine-Kriegs. Kritische Worte fand sie auch dafür, dass „viele Linke denken, sie können Antikriegsdemos ohne Ukrainer machen.“ Besser wäre es, in der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden und die ukrainischen und anderen Helfer zu entlasten

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