Die Aufregung über die Kürzungspläne der Stadt für den Kölner Karneval war groß am Donnerstag. Noch am Abend änderte die Verwaltung ihre Haltung.
Rolle rückwärtsStadt Köln zahlt doch volle Zuschüsse für Kölner Karneval

Ein Bild vom Rosenmontagszug
Copyright: Uwe Weiser
Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sah sich dem Vernehmen nach noch am Donnerstagabend gezwungen, Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn sowie Brauchtums-Chef Bernhard Conin anzurufen, um die Wogen zu glätten. Der Bericht im „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass die Verwaltung wegen der schlechten Haushaltslage beabsichtige, zugesagte Zuschüsse für den Rosenmontagszug sowie die Schull- un Veedelszöch zu kürzen, hatte bei den Veranstaltern für Empörung gesorgt.
Dabei handelte es sich offenbar um ein „verwaltungsinternes Missverständnis“, wie Stadtsprecher Alexander Vogel am Freitag einräumte.
Heißt: Die „Gemeinnützige Gesellschaft des Kölner Karnevals mbH“, die den Rosenmontagszug für das Festkomitee (FK) organisiert, erhält wie ursprünglich angekündigt 242.500 Euro Zuschuss aus städtischen Mitteln für 2025 und nicht nur 195.813 Euro. Die „Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e.V.“, die die Schull- un Veedelszöch ausrichten, bekommen, wie im Haushaltsplan angeben, 57.150 Euro und nicht nur 15.400 Euro. Dennoch bleiben einige Fragen.
Alles zum Thema Stadtrat Köln
- Neue Schutzplanken Auf der wichtigen Kölner Industriestraße soll Tempo 100 zurückkehren
- Kölner Stadtbibliothek Rentner sollen künftig doppelt so viel zahlen – „Das trifft die Falschen“
- Rolle rückwärts Stadt Köln zahlt doch volle Zuschüsse für Kölner Karneval
- Militärische Nutzung? Porzer SPD fordert Auskunft über Flächen in Westhoven
- Kölner Baby-Klappe Letzter Ausweg Moses-Fenster
- Es geht ums Geld Haushaltskrise erreicht den Kölner Karneval
Was ist die Vorgeschichte?
Im vergangenen Jahr hatten sowohl die Organisatoren des Rosenmontagszuges als auch der Schull- und Veedelszöch beklagt, dass ihnen die Kosten davon laufen. Bis dahin hatten die „Gemeinnützige Gesellschaft des Kölner Karnevals mbH“ jährlich 153.425 Euro und die Schull- und Veedelszöch 7700 Euro erhalten.
Das wollte das frühere Mehrheitsbündnis aus Grünen, CDU und Volt aber ändern und plante durch Umschichtungen für den Doppelhaushalt 2025 und 2026 mehr Geld ein. Das FK sollte demnach jeweils 100.000 Euro mehr pro Jahr erhalten und damit dieses Jahr 242.500 und nächstes Jahr 237.011 Euro. Die „Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e.V.“ sollten zunächst 50.000 Euro zusätzlich und nächstes Jahr 75.000 Euro mehr bekommen. Das entspricht 57.150 Euro in diesem Jahr und 81.880 Euro für 2026.
Aber was ist dann das Problem?
Das sind gleich mehrere. Erstens: Obwohl die Schull- und Veedelszöch am 2. März und der Rosenmontagszug am 3. März stattfanden, haben die Organisatoren bis heute das Geld nicht erhalten – fast neun Monate später.
Und zweitens: Die Verwaltung wollte nun die Zuschüsse auszahlen, die zwar höher als früher sein sollten, aber eben deutlich niedriger, als es im städtischen Haushalt durch Grüne, CDU und Volt vorgesehen war. Fix war die Streichung noch nicht, der Finanzausschuss des Rates sollte am 15. Dezember darüber entscheiden. Dazu kommt es nun nicht mehr.
Wie war es in der Verwaltung zu dem „Missverständnis“ gekommen?
Dazu äußerte Vogel sich nicht. Er sagte: „Natürlich steht die Stadt Köln zu ihren Zusagen für 2025. In diesem Fall muss es ein verwaltungsinternes Missverständnis gegeben haben, daher werden die Vorlagen zurückgezogen und korrigiert wieder neu eingebracht.“
Wenn die Stadt zu ihren Zusagen für 2025 steht, dann gilt das nach dieser Logik doch auch für 2026, oder? Es handelt sich ja um einen durch den Rat beschlossenen Doppelhaushalt für beide Jahre.
Nein. Vogel teilte mit: „Für 2026 werden wir vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltssituation den Dialog mit den Beteiligten suchen.“ Wie berichtet, hatte die Stadt aufgrund ihrer desolaten finanziellen Lage Anfang November eine Haushaltssperre bis Ende des Jahres verhängt. Für 2026 gilt laut Vogel: Wer schon eine formale Zusage der Stadt hat, bekommt das Geld. Für alle anderen gilt: Die Finanzlage entscheidet darüber. Bis Mitte Dezember beraten Burmester und Diemert, wie es weitergeht.
Die Züge sind neun Monate her. Warum sind die Zuschüsse nicht längst ausgezahlt?
Auch das blieb am Freitag offen. Die beiden Vorlagen für die Zuschüsse stammen aus dem Dezernat von Kulturdezernent Stefan Charles. Und das Geld war im städtischen Haushalt im Budget des Kölnischen Stadtmuseums unter Leitung von Matthias Hamann eingeplant. Am Donnerstag hatte die Stadt mitgeteilt, das Vorgehen sei mit der Kämmerei abgestimmt. Dort ist Kämmerin Dörte Diemert zuständig.
Der Zeitpunkt der Bewilligung könnte durchaus entscheidend sein. Seit November gilt die Haushaltssperre, die Verwaltung könnte seither sparsamer sein bei Zuschüssen als sie es beispielsweise direkt im März nach den Zügen gewesen wäre. Die Stadt bestätigte diese Theorie am Freitag nicht.
Droht anderen Trägern, die noch auf zugesagte Zuschüsse für 2025 warten, eine Kürzung?
Nein, sagt Vogel: „Grundsätzlich gilt mit der Haushaltssperre: Alles wird finanziert, wozu die Stadt vertraglich oder rechtlich verpflichtet ist.“ Für 2026 gilt laut Vogel: Wer eine formale Zusage der Stadt hat, bekommt das Geld. Für alle anderen gilt: Die Finanzlage entscheidet darüber. Bis Mitte Dezember beraten Burmester und Diemert, wie es weitergeht.
Wie reagieren Festkomitee und die Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums?
Im Haus des Kölner Karnevals am Maarweg zeigt man sich erleichtert, nachdem es – diplomatisch formuliert – am Vortag noch höchste Irritationen gegeben hatte. „Wir sind froh, dass sich das Missverständnis in den Haushaltsplanungen der Stadt schnell aufgeklärt hat und die Zuschüsse für den Rosenmontagszug 2025 in der Höhe gewährt werden, wie sie avisiert und von uns in das Budget eingeplant waren“, sagt Festkomitee-Kommunikationsvorstand Michael Kramp.
Auch Bernhard Conin äußert sich zufrieden: „Es ist gut, dass die Stadtspitze schnell für Klarheit gesorgt hat.“
Was kostet die Durchführung von Rosenmontagszug und Schull- un Veedelszöch?
Die „Gemeinnützige Gesellschaft des Kölner Karnevals mbH“, die für das Festkomitee den Rosenmontagszug organisiert, muss pro Jahr rund 3,5 Millionen Euro an Kosten tragen. Auf der Einnahmenseite stehen unter anderem TV-Gelder, Vermarktung und die Vermietung von Tribünen. Dennoch ist der Sessionshöhepunkt laut Festkomitee seit Jahren mit mehreren hunderttausend Euro defizitär. Allein für Sanitätsdienste habe das FK 2024 doppelt so viel bezahlt wie noch fünf Jahre zuvor: 204.000 Euro zu 109.000 Euro.
Aufgrund der gestiegenen Kosten wurden 2025 unter anderem die Gebühren für Zochteilnehmende erhöht. Die Kosten für die Ausrichtung der Schull- un Veedelszöch belaufen sich inzwischen auf rund 300.000 Euro – Tendenz steigend: „Wir wissen jetzt schon, dass die Sicherheitsdienste um acht Prozent teurer werden“, sagt Conin. Auch für Sanitätsdienste und Musikkapellen erwarten die Veranstalter einen Zuschlag. Zudem will man die Zuwendungen für die rund 50 teilnehmenden Schulen von 250 auf 500 Euro erhöhen. Conin: „Ohne unsere Unterstützung könnten viele Pänz nicht mitgehen. Das wäre schlimm und soll nicht sein.“
Von 1972 bis 2024 erhielten die Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums einen jährlichen städtischen Zuschuss in Höhe von 7.700 Euro. Nach dem Bekanntwerden der Finanznöte gab es zahlreiche Spenden für die Schull- un Veedelszöch, darunter ein Einzelbetrag in Höhe von 200.000 Euro. Kann man da nicht aufgrund der Haushaltsnöte der Stadt auf Hilfen verzichten?
Bernhard Conin sagt offen, dass aufgrund der ungeahnten Spendenbereitschaft die Zöch für das kommende Jahr und wahrscheinlich auch das darauffolgende gesichert seien. Aber: „Uns geht es darum, die Zöch langfristig zu sichern“, sagt Conin. Man habe mit 200.000 Euro auf zehn Jahre Rückstellungen gebildet. Dass die Stadt bei den Zuschüssen für 2026 aufgrund der leeren Haushaltskasse den Dialog mit den Veranstaltern suchen wolle, bewertet Conin erst einmal positiv: „Miteinander reden ist immer gut.“

