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2000 Bewerbungen geschriebenAgentur der Stadt hat erste Wohnungen an ehemals Obdachlose vermittelt

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Ralf Ebersoldt ist einer der ersten Kölner, die über die soziale Wohnraumagentur wieder eine eigene Wohnung bekommen haben. Diakonie-Standortentwicklerin Ina Winkler hat sie vermittelt.

Ralf Ebersoldt ist einer der ersten Kölner, die über die soziale Wohnraumagentur wieder eine eigene Wohnung bekommen haben. Diakonie-Standortentwicklerin Ina Winkler hat sie vermittelt.

Die Soziale Wohnraumagentur will effektiver Menschen aus der Wohnungslosigkeit helfen. Ralf Ebersoldt ist einer der ersten Mieter und berichtet.

Ralf Ebersoldt hat in 21 Monaten 2000 Bewerbungen für Wohnungen geschrieben – und hat 2000 Mal Absagen erhalten. Der 51-Jährige war in dieser Zeit wohnungslos, das schreckte Vermieter ab und nahm ihm jede Chance. Dass Ebersoldt heute doch in einem kleinen Appartement in Zollstock auf seinem eigenen Schreibtischstuhl sitzt, ist der Sozialen Wohnraumagentur zu verdanken. Er ist einer der ersten Kölner, denen die Agentur wieder zu einer Wohnung verholfen hat. Nicht nur die Betroffenen profitieren davon, auch der Stadtkasse könnte das Projekt bis zu 18 Millionen im Jahr sparen.

Fragt man Ebersoldt, wie er sich auf seinen 19 Quadratmetern mit einer Matratze, einem Sessel, einer kleinen Küchennische, dem eigenen Bad und sogar einem Balkon fühlt, sagt er: „Wie früher auch. Normal. Ich bin ja nicht im Keller aufgewachsen.“ Doch auf dieses „Normal“ hat er lange hingearbeitet.

2023 hatte Ebersoldt zwei Unfälle, er erzählt, wie er Rechnungen für die Behandlung zu begleichen hatte, arbeitslos wurde, die Miete nicht mehr aufbringen konnte. Dann kam die Räumungsklage. Ralf Ebersoldt landete auf der Straße. Zuletzt war er Fachkraft für Sicherheit und Schutz. Ein schwieriges Feld, um nach einer Obdachlosigkeit wieder einen Job zu finden. Denn Obdachlosigkeit kann für Arbeitgeber in Sicherheitsberufen ein Ausschlusskriterium sein. Zwölf Tage lang war Ebersoldt obdachlos, dann zwei Jahre lang wohnungslos.

Der Kölner kam über die Diakonie Michaelshoven in einem Einfachhotel unter, hatte ab diesem Zeitpunkt zumindest eine Anschrift und ein Dach über dem Kopf. „Da habe ich auch gesessen, stundenlang Bewerbungen geschrieben. So gut wie jeden Tag.“ Der Schlafplatz war aber nur ein vorübergehender, nicht zu vergleichen mit einem eigenen Zuhause. Das müssen die Bewohner selbst finden, obwohl es nicht einfach ist, allein aus dieser Situation herauszukommen, wie Ebersoldts Erfahrung beispielhaft zeigt. Vermieter wählen lieber Mieter mit regelmäßigem Einkommen und einfacherer Lebenssituation.

Dieses Problem, Menschen wieder eine feste Wohnung zu vermitteln und Vermietern trotzdem Sicherheit zu bieten, versucht die Soziale Wohnraumagentur zu überwinden. Die Diakonie Michaelshoven führt sie seit August im Auftrag der Stadt Köln. Dieses Jahr gibt die Stadtverwaltung 850.ooo Euro für die Agentur aus – und hofft dadurch, 18 Millionen Euro jährlich einsparen zu können.

Stadt Köln will Menschen helfen und Millionen einsparen

Laut Konzept der Agentur waren im Vorjahr 1780 Menschen in 61 Einfachhotels untergebracht. Sie bleiben dort durchschnittlich rund 24 Monate, in Einzelfällen sogar bis zu 14 Jahre. Die Agentur soll den Schnitt auf neun Monate senken. Ein Platz am Tag koste die Stadt 50 Euro, das sind 32,5 Millionen Euro im Jahr.

Ina Winkler ist Standortentwicklerin für die Agentur und hat auch die Wohnung für Ralf Ebersoldt gefunden. Sie sagt: „Grundsätzlich suchen wir jede Wohnung, aber richten uns in erster Linie an private Eigentümer, die Wohnraum vermieten.“ Das macht in Köln zwei Drittel des Gesamtwohnungsmarktes aus. „Ich habe in den letzten Jahren der Diakoniearbeit festgestellt: Es gibt unfassbar viele Menschen, die Gutes tun wollen, aber dann zögern, weil sie eben nicht sicher sind, was passiert, wenn doch etwas nicht funktioniert mit dem Mieter. Und dann sind wir als Wohnraumagentur da.“

Die Agentur unterschreibt stellvertretend, das nennt sich Generalmietvertrag. Der eigentliche Bewohner bekommt von der Agentur einen Untermietervertrag. Laut Winkler ist das Modell bei privaten Eigentümern sehr gefragt, damit sie mehr Sicherheit haben.

Soziale Wohnraumagentur sucht Kölner Vermieter

Fünf Wohnungen hat die Agentur aktuell auf diese Weise vermittelt. Schon jetzt ist abzusehen, dass sich die Anzahl im Juni auf einen Schlag auf 37 erhöhen wird. Winkler sagt: „Je bekannter die Wohnraumagentur wird, desto mehr private Eigentümer melden sich auch bei uns.“

Hat die Agentur eine neue Wohnung gefunden, sprechen Sozialarbeitende der Diakonie Michaelshoven, Winkler nennt sie die „Hotelscouts“, potenzielle Mieterinnen und Mieter in den Unterkünften an. So lief es auch bei Ralf Ebersoldt. Er sagt: „Im Februar war hier die Besichtigung, wo ich gefragt worden bin, ob ich noch eine Nacht drüber schlafen möchte. Da habe ich gesagt, ich wusste gestern schon, dass ich hier einziehen will.“ 

Ebersoldt arbeitet mittlerweile unter anderem als Kleindarsteller für Fernsehproduktionen und klärt als Redner und in den sozialen Medien über Obdach- und Wohnungslosigkeit auf. Und auf seinem Hausflur versucht er schon die nächsten Wohnungen für die Agentur an Land zu ziehen: Einige seiner Nachbarwohnungen stehen leer, deren Eigentümer versucht er zu kontaktieren, um sie davon zu überzeugen, auch an die Soziale Wohnraumagentur zu vermieten.