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Linke ehren FrauenrechtlerinnenZwei Sitzungssäle im Kölner Rathaus umbenannt

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Blick auf den Kölner Rathausturm, im Hintergrund der Rhein und die Kranhäuser

Blick auf den Kölner Rathausturm, im Hintergrund der Rhein und die Kranhäuser

Franziska Mathilde Anneke und Clara Zetkin wurden als Namenspatinnen ausgewählt, beide machten feministische und sozialistische Politik.

Die Ratsfraktion der Linken hat die zwei ihr zugewiesenen Sitzungssäle im Kölner Rathaus nach Frauenrechtlerinnen benannt. Bei einem kleinen Festakt seien sie auf Franziska Mathilde Anneke und Clara Zetkin getauft worden, heißt es in einer Mitteilung der Fraktion. Die Co-Vorsitzende Isabel Gerken erklärte, dass bisher kein Sitzungssaal im Rathaus nach einer Frau benannt sei: „Dabei haben Frauen schon immer ihre Lebenswelt mitgestaltet und damit Politik gemacht – sei es parlamentarisch oder außerparlamentarisch.“ Man wolle eine Lücke füllen. „Denn nur was sichtbar ist, bestimmt unser Bild von Geschichte.“

Die Fraktion der Kölner Linken hat sich bei der vergangenen Kommunalwahl von sechs auf zehn Sitze vergrößert, deshalb stehen ihr jetzt zwei Sitzungssäle für ihre Arbeit zur Verfügung. Die in erster Ehe geschiedene Mutter und Schriftstellerin Franziska Mathilde Anneke (1817-1884) gab in Köln 1848 die Neue Kölnische Zeitung heraus, die kurz darauf zensiert wurde und nicht mehr gedruckt werden durfte. Im Jahr darauf kämpfte sie an der Seite ihres zweiten Ehemanns als reitende Botin in der Badischen Revolution und entging ihrer Verhaftung durch Emigration in die USA. Dort engagierte sie sich politisch für das Frauenstimmrecht, für Mädchenbildung und gegen die Sklaverei. Anneke ist als Figur auf dem Kölner Rathausturm verewigt.

Auch heute brauchen wir mutige und unkonventionelle Frauen
Momo Eich, Fraktionsgeschäftsführerin der Kölner Linken

Clara Zetkin (1857-1933) war zunächst Mitglied der SPD und gilt als enge Weggefährtin von Rosa Luxemburg. Ab 1917 führte Zetkins Weg sie zur später gegründeten KPD, für die sie von 1920 bis 1933 im Reichstag saß. Sie initiierte als Sekretärin der sozialistischen Fraueninternationale den Internationalen Frauentag, der 1911 zum ersten Mal stattfand. Im August 1932 eröffnete sie die Sitzung des Reichstags als Alterspräsidentin mit einer Rede, in der sie vor dem Faschismus warnte.

Momo Eich, Fraktionsgeschäftsführerin und frauenpolitische Sprecherin der Kölner Linken-Fraktion, sagt über die beiden Frauen: „Sie machten sowohl feministische als auch sozialistische Politik. Auch heute brauchen wir mutige und unkonventionelle Frauen, die eine gerechte Gesellschaft und Frauenrechte in diesen Zeiten weiter erkämpfen und verteidigen.“

Die bekannten und für die Sitzungen von Ausschüssen genutzten Säle im Kölner Rathaus sind nach dem ehemaligen Bundeskanzler und Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, dem ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss und dem ehemaligen Kölner OB Theo Burauen benannt. Ulrich Breite (FDP), der seit 1999 zunächst als sachkundiger Bürger und ab 2004 als Ratsmitglied im Kölner Stadtrat wirkt, erinnert sich noch gut, dass die Säle damals alle nur Nummern und keine Namen hatten. Die großen Parteien entschieden sich für Neubenennungen nach Kölner Ehrenbürgern, die FDP wählte Heuss, die SPD Burauen und die CDU Adenauer. Die Grünen entschieden sich für Heinrich Böll – der entsprechende Saal ist heute der SPD zugeteilt. Außerdem gibt es noch den Kardinal-Frings-Saal, wo heute die CDU residiert. 

Unter Kölns Ehrenbürgern gibt es bis heute nur zwei Frauen: Seit 1995 gehört die Kunstsammlerin und Stifterin Irene Ludwig zu dem erlesenen Kreis, seit 2020 zudem Hedwig Neven DuMont, Förderin und Ehefrau des 2015 verstorbenen Verlegers Alfred Neven DuMont.