Knapp 10.000 E-Scooter will die Verwaltung einkassieren. Unser satirischer Wochenüberblick.
Größte Zweirad-Sammelaktion der GeschichteJeder E-Roller steht in Köln woanders


E-Scooter auf dem Bahnhofsvorplatz: Die Stadt will nach sieben Jahren endlich den Wildwuchs bekämpfen. Foto: Arton Krasniqi
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Nein. Ich habe nichts gegen Mietroller. Die können schließlich nichts dafür, dass sie auf Gehwegen rumliegen, ins Gebüsch oder in den Rhein geschmissen werden.
Die Trittbrettfahrer sind das Problem, weil sie das Free Floating zur Kultur erklärt haben und glauben, es sei Teil des kölschen Grundgesetzes, ihr Gefährt nach der Benutzung einfach stehen und liegen zu lassen. Nach dem Motto: Jeder Roller steht woanders. Es wird sich schon jemand finden, der ihn aus dem Wasser fischt.
Als Free Float, was auf Deutsch Streubesitz heißt, wird der Aktienanteil eines Unternehmens bezeichnet, der frei an der Börse handelbar ist.
Im supertoleranten Köln hat das super geklappt, weil eine grenzenlos naive Stadtverwaltung vor sieben Jahren den Handel an der Scooter-Börse mit einer einzigen Regel versehen und freigegeben hat. Die Regel lautet: Roller frei, Spaß dabei. Alles ist erlaubt. Damit der Streubesitz in Form von 20.000 E-Scootern auch schön über die Stadt verteilt ist.
E-Roller in Köln: Mit leerem Akku in den Strom
Jahre mussten ins Land ziehen, bis die Stadtverwaltung zumindest ein Badeverbot für E-Scooter im Rhein erließ. Mit der Folge, dass sie jetzt einfach auf den Rheinbrücken geparkt statt mit leer gesaugtem Akku in den Strom geschmissen werden. In dem Glauben, sie könnten sich dort von selbst aufladen.
Doch jetzt soll alles anders werden. Die Stadt ist fest entschlossen, die E-Scooter zu halbieren. Und damit ist nicht gemeint, die Trittbretter auf Schuhgröße 50 einzukürzen, damit auch der Letzte kapiert, dass sie keine Partybusse sind. Nein. Jeder zweite Roller soll verschwinden. Wolle mer nit, bruche mer nit, fott domet.
Wer jetzt glaubt, bei den Verleihern werde ein Sturm der Entrüstung losbrechen, von wegen. Was sollen sie auch machen? Mit dem Rückzug aus Köln drohen? Ich höre im Rathaus schon die Champagnerkorken knallen.
Die Zeit des Turbo-Scooterismus ist abgelaufen
Der Branchenverband weiß, dass die Zeit des Turbo-Scooterismus abgelaufen ist. Inzwischen hat sogar die Bundesregierung kapiert, dass die Verleiher für Schäden haften müssen, die ihre Kunden anrichten. Und nicht deren Opfer. Wer hätte das gedacht?
Wenn man mit Sprechblasen Rollerreifen aufpumpen könnte, am Rheinufer wären nur noch Monster-Scooter unterwegs. Man bitte die Stadt darum, die geplante Regulierung als Gestaltungsrahmen zu denken. Strukturierte Auswahlverfahren mit fairen Qualitätskriterien könnten ein sinnvolles Instrument sein, flötet der Branchenverband.
Gestaltungsrahmen denkt man nicht, Gestaltungsrahmen malt man auf die Straße. Das sind die Zonen, in denen die Roller künftig abgestellt werden müssen. Und das nicht nur in der Altstadt, sondern in jedem Veedel und jedem Stadtbezirk. Am besten auf den Flächen, die das Verkehrsdezernat einkassiert hat, weil sie für die Feuerwehr zu breit sind. Die nannte man früher Parkplätze. Die Älteren unter uns können sich bestimmt noch daran erinnern.

