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„Über unsere Köpfe entschieden“So unterschiedlich reagieren Kölner Rektoren auf Öffnung der Schulhöfe

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Ein Schild verbietet den Zutritt für unbefugte Personen zum Schulhof der Katholischen Grundschule Trierer Straße.

Ein Schild verbietet den Zutritt für unbefugte Personen zum Schulhof der Katholischen Grundschule Trierer Straße.

Ursprünglich  wollte die Verwaltung die Schulhöfe erst nach den Ferien öffnen. Die Politik kassierte das. Nun informierte die Stadt die Schulen. 

Die Stadt Köln hat Kölner Schulen am Donnerstag informiert, dass sie die Schulhöfe in den Ferien mit Beginn am 20. Juli geöffnet lassen müssen, damit dort Kinder und Jugendliche spielen können. In einer E-Mail von Sascha Rüttgers, Vize-Amtsleiter im Amt für Schulentwicklung, an die Schulleiter heißt es: „Ich bitte Sie, Ihren Schulhof ab dem 20.07.2026 nicht zu verschließen. In Kürze erhalten Sie die geplante Schulhofsatzung zum Aushang am Schulhoftor. Später wird ein entsprechendes Metallschild den Aushang ersetzen.“

Wie berichtet, wollte Schuldezernent Robert Voigtsberger die Schulhöfe dauerhaft erst nach den Sommerferien öffnen – doch eine große Mehrheit (Grüne, CDU, SPD, Volt, FDP/KSG) im Rat beschloss in der Sitzung am 2. Juli eine frühere Öffnung. Die Umsetzung dieses Beschlusses bereite die Verwaltung aktuell vor, teilte die Stadt am Freitag auf Anfrage mit. Dazu gehöre die Abstimmung mit den Schulen.

Schulen können Bedenken anmelden

Die E-Mail ging offenbar nur an die Schulen, an denen die drei erforderlichen Kriterien für eine Öffnung erfüllt sind. Erstens: ein direkter Zugang zum Schulhof durch das Schultor. Zweitens: keine aktuelle Baumaßnahme in den Ferien. Und drittens: kein erhöhtes Gefahrenrisiko für die Nutzenden wie zum Beispiel ein nicht eingefriedeter Teich. Rüttgers schreibt: „Bitte melden Sie sich bei uns bis zum 15.07.2026, sofern entgegen meiner Informationen eines der drei genannten Kriterien nicht erfüllt sein sollte.“

Nach Informationen dieser Zeitung dürfte das in einigen Fällen passieren, ein Schulleiter sagte: „Das geht gar nicht, dass das über unsere Köpfe so entschieden wird.“ Und Susanne Gehlen, Schulleiterin des Mülheimer Genoveva-Gymnasiums, sagte: „Die Grundidee ist wichtig und dringend notwendig. Die Jugendlichen wissen ja nicht, wohin.“

Unterschiedliche Reaktionen aus den Schulen

Zugleich betont Gehlen, dass ein Konzept für offene Schulhöfe nur mit Personal von Ordnungsamt und Abfallwirtschaftsbetrieben funktioniere. „Wenn keiner kontrolliert, sind bei uns die Dealer als Erstes da. Da ist die Politik ein bisschen blauäugig.“ Schon jetzt gebe es Rentner, die den Schulhof nach Flaschen absuchten, Crack-Süchtige und Hundebesitzer, die ihr Tier in die Büsche urinieren ließen.

Im Antrag der Fraktionen im Rat hieß es, „dass Schulhöfe, im Rahmen der Möglichkeiten der jeweiligen Schulen und unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten sowie in Abstimmung mit der Schulgemeinschaft geöffnet und nutzbar sind“.

Lob aus der Politik für Umsetzung

Martin-Süsterhenn, Schulleiter der Katharina-Henoth-Gesamtschule in Höhenberg, sagte: „Die Idee finde ich gut, das Projekt ist aber problematisch, wenn es keine Betreuung gibt.“ Bereits jetzt stiegen Unbekannte über die geschlossenen Gitter und hinterließen Müll und insbesondere Bierflaschen. Würden die Schultore geöffnet, „wäre unser Schulhof schnell kaputt“.

Die Stadtschulpflegschaft, die Interessensvertretung der Eltern, will das neue Konzept ohne Personal ausprobieren, das in Städten wie Düsseldorf und Essen offenbar gut funktioniert. „Bisher hatten wir ja ein sehr teures Luxusmodell, das wir uns aber nicht mehr leisten können“, sagt die Vorsitzende Katharina Schmiedel. „Wir müssen gucken, ob das neue Modell die Schulen überfordert. Die Bedenken kann ich auf jeden Fall nachvollziehen.“ Zudem dürften die Hausmeister nicht zusätzlich belastet werden. Und die Stadt dürfe die offenen Schulhöfe nicht als Anlass nutzen, um die Sanierung und den Ausbau von öffentlichen Spielflächen wie Spielplätzen zurückzufahren.

Auf Nachfrage sagte Bärbel Hölzing, schulpolitische Sprecherin der Grünen: „Unser Dranbleiben hat sich gelohnt. Dafür haben wir lange gekämpft.“ Oliver Seeck, schulpolitischer Sprecher der SPD, sagte: „Die Situation auf den Schulhöfen in Köln ist sehr unterschiedlich, auf einigen holt man sich mit einer Öffnung möglicherweise Probleme ins Haus.“ Das Vorgehen, alle Schulhöfe zu öffnen, es sei denn, die Schulleitung meldet ernsthafte Bedenken an, hält er für richtig. „Ich glaube aber nicht, dass die geöffneten Schulhöfe die neuen Drogenhotspots der Stadt werden.“

Lange Vorgeschichte

Die Öffnung der Schulhöfe nach Schulschluss und am Wochenende hat eine lange Vorgeschichte: Köln hatte von 2021 bis 2024 ein Pilotprojekt durchgeführt, in dem die Stadt einen Schulhof in jedem der neun Bezirke öffnete. Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) reinigten die Schulhöfe täglich, ein Schließdienst kümmerte sich.

Nach zwei Jahren bewertete die Stadt das Projekt selbst als erfolgreich und verlängerte es um ein Jahr. Nur kostete es sie rund 500.000 Euro im Jahr (233.236 Euro für die Reinigung und 265.499 Euro für das Schließen). Wegen „haushalterischer Gründe“ beendete die Stadt das Projekt ohne Vorwarnung im Dezember 2024. Die Politik war erbost.