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Schließung geplant
Beim Römisch-Germanischen Museum droht eine Blamage erster Güte

Das Haushaltsbündnis hat den Widerstand aus Kultur und Wissenschaft unterschätzt. Noch können Grüne, CDU und SPD ihren Kurs korrigieren, sagt unser Autor.

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Exponat im Römisch-Germanischen Museum im Belgischen Haus am Neumarkt

Exponat im Römisch-Germanischen Museum im Belgischen Haus am Neumarkt

Von den drei größten Fraktionen im Stadtrat sollte zu erwarten sein, dass sie ihre Hausaufgaben machen, bevor sie folgenschwere Entscheidungen auf den Weg bringen. Doch genau das ist nicht geschehen, als Grüne, CDU und SPD ihre Sparpläne für den städtischen Haushalt vorstellten und ankündigten, das Interim des Römisch-Germanischen Museums schließen zu wollen. Die erhofften Einsparungen hatten sie bereits verplant. Eine vollständige Berechnung, welche Folgekosten die Schließung verursacht, lag aber nicht vor.

Weit mehr als ein Ausstellungsort

Und deshalb droht jetzt eine Blamage erster Güte: Die von den drei Fraktionen angekündigten 1,5 Millionen Euro lassen sich so nicht sparen. Von der eingesparten Miete müssen die Kosten für den Umzug, die fachgerechte Lagerung der wertvollen Exponate sowie die Unterbringung des Personals an einem anderen Ort abgezogen werden. Hinzu kommen wegfallende Ticketeinnahmen. Wie viel unter dem Strich übrig bleibt, ist offen. Schon ein früher erwogener Umzug ins Kulturzentrum am Neumarkt hätte dem Vernehmen nach rund 750.000 Euro gekostet. Dass eine Räumung nicht zum Nulltarif zu haben ist, hätte das Bündnis also wissen können.

Unzureichend berücksichtigt haben die Politiker zudem, dass eine Schließung des Interims im Belgischen Haus für mehr als drei Jahre nicht nur die Besucherinnen und Besucher treffen würde. Das Römisch-Germanische Museum ist weit mehr als ein Ausstellungsort. Für die Forschung und Lehre an der Universität zu Köln ist das Haus von maßgeblicher Bedeutung. Studierende erhalten dort Einblicke in die praktische Museumsarbeit. Solche Verbindungen lassen sich nicht einfach auf Eis legen und Jahre später unbeschadet wieder aufnehmen.

Den Gegenwind offensichtlich unterschätzt

Natürlich muss die Stadt angesichts ihrer schwierigen Haushaltslage auch bei der Kultur sparen. Doch eine Haushaltsnot ersetzt keine Wirtschaftlichkeitsrechnung. Und bevor gewachsene Bildungsstrukturen beschädigt werden, müssen die Folgen sorgfältig geprüft werden. Das gebietet die Verantwortung, die Grüne, CDU und SPD in dieser Stadt tragen.

Das Haushaltsbündnis hat außerdem ganz offensichtlich den Gegenwind unterschätzt. Die offenen Briefe von Prominenten sowie aus Kultur und Wissenschaft zeigen, dass es hier nicht nur um die Miete für ein Ausweichquartier geht. Es geht darum, ob Köln sein römisches Erbe über Jahre aus dem öffentlichen Blick verschwinden lassen will – und welchen Preis die Stadt dafür tatsächlich zahlt.

Noch ist es für Grüne, CDU und SPD nicht zu spät, ihren Fehler zu korrigieren. Bleibt vom versprochenen Spareffekt wenig übrig, müssen sie ihre Schließungspläne zurückziehen. Einen Fehler einzusehen, wäre verantwortungsvoller, als ihn aus Prinzip durchzusetzen.