Bereits seit Beginn des Jahrzehnts ist es beschlossene Sache, dass das ehemalige Feuerwehr-Gerätehaus an der Ecke von Cohnenhofstraße und Am Feldschlösschen einem Neubau weichen soll. Entstehen soll an seiner Stelle eine Unterkunft zur sogenannten „öffentlich-rechtlichen“ Unterbringung obdachloser Personen, zu der die Stadt Köln durch Nordrhein-Westfalens Ordnungsbehördengesetz verpflichtet ist. Bereits 2021 hatte der Stadtrat den Abbruch des Bestandsgebäudes sowie die Planung des Neubaus beschlossen, seitdem war von dem Vorhaben jedoch nicht mehr viel zu hören gewesen. Nun gab es wieder ein Lebenszeichen: Mit einer neuen Beschlussvorlage hatte die Verwaltung die Bezirksvertretung Chorweiler in ihrer jüngsten Sitzung über den tatsächlichen Neubau abstimmen lassen – per Dringlichkeitsentscheidung, da die Verwaltung aufgrund der „sehr dynamischen Preisentwicklung im Bausektor“ deutliche Kostensteigerungen befürchtet, sollte es zu Verzögerungen im weiteren Prozess kommen.
15 Wohneinheiten für Obdachlose in Köln-Langel
Stand jetzt rechnet die Verwaltung mit Kosten von rund 3,64 Millionen Euro. Dafür soll ein zweistöckiges Gebäude mit rund 582 Quadratmetern Wohnfläche entstehen, aufgeteilt auf 15 Wohneinheiten mit Größen zwischen 21 und 34 Quadratmetern. Alle Wohnungen sollen über ein eigenes WC und Bad sowie eine Kochstelle verfügen, zwei der drei barrierefreien Wohneinheiten im Erdgeschoss sollen für Rollstuhlfahrer geeignet sein. Das erste Geschoss soll sechs Wohnungen umfassen, das ausgebaute Dachgeschoss weitere fünf. Ein gemeinsamer Waschraum ist im Erdgeschoss untergebracht, auch ein Außen- und Gartenbereich zur Freizeitgestaltung ist eingeplant. Nach der ursprünglichen Planung sollte das Gebäude in Passivhaus-Bauweise entstehen, um Energieverbrauch und -kosten niedrig zu halten, doch inzwischen ist die Verwaltung davon abgerückt. Denn die erhofften Einsparungen würden sich nur bei einem konstanten Nutzungsverhalten der Bewohner ergeben, was angesichts der wahrscheinlich häufig wechselnden Bewohnerschaft nicht zu erwarten sei. Durch die Ausführung in konventioneller Bauweise ergebe sich gegenüber der ursprünglichen Planung eine Einsparung von 256.000 Euro, so die Verwaltung.
CDU hat Zweifel am Standort wegen fehlender Infrastruktur
Die Bezirksvertretung stimmte der Vorlage letztlich zu, jedoch nicht einstimmig – die CDU-Fraktion wollte sich dem bereits beschlossenen Projekt nicht in den Weg stellen, kündigte jedoch im Vorfeld an, sich bei der Abstimmung zu enthalten, da man die Sache „sehr zwiespältig“ sehe, wie Cecilia Nesseler (CDU) sagte. Von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen dezentral unterzubringen, sei „absolut der richtige Weg“, so Nesseler, doch den Standort sehe man kritisch. „Es gibt dort keine Infrastruktur – keinen Supermarkt, keinen Arzt, keine Apotheke, wenig, womit sich die Leute beschäftigen könnten.“ Für Leute, die man „perspektivisch wieder ins normale Leben eingliedern möchte“, sei es daher die falsche Umgebung.
Wiebke Herrmann, Mitglied der AfD-Fraktion, störte sich hingegen an der Höhe der Kosten und fand Größe und Ausstattung der einzelnen Apartments „luxuriös“, angesichts der Schwierigkeiten, denen sich Studenten oder Familien auf dem Wohnungsmarkt gegenübersehen. Durch „gemeinsam genutzte Küchen- und Sanitäranlagen“ etwa könnten mehr Menschen auf der gleichen Grundfläche untergebracht werden, was die Kosten pro Person reduzieren könnte, so Herrmann. Die AfD-Fraktion stimmte gegen die Vorlage.
Marc Kersten (Grüne) wandte sich scharf gegen Hermanns Überlegungen und warf ihr vor, marginalisierte Gruppen gegeneinander auszuspielen. Die Apartments seien gerade mal halb so groß wie der Wohnraum, „der einer Person im Grundsicherungsbezug zustehe“, so Kersten. „Und ich möchte auch mal fragen, wer aus der AfD-Fraktion bereit wäre, seine sanitären Anlagen mit anderen zu teilen.“ Dem Argument der CDU gab er teilweise recht: „Die Cohnenhofstraße ist sicherlich kein idealer Standort“, sagte Kersten, gab jedoch zu bedenken: „Die Alternative besteht eben nicht in einem perfekten Standort, sondern darin, dass die Leute weiter auf der Straße schlafen müssen.“

