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Interview

Kölns Verkehrsdezernent
Herr Egerer, warum läuft in Köln alles so langsam?

Die vielen Großbaustellen von den Rheinbrücken bis hin zur Ost-West-Achse werden Köln für mindestens ein Jahrzehnt vor große Herausforderungen stellen, sagt der Verkehrsdezernent

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7.10.2026, Köln: Interview mit dem Mobilitätsdezernent Ascan Egerer im Stadthaus Köln Deutz. Foto: Thilo Schmülgen

Kölns Mobilitätsdezernent Ascan Egerer auf der Terrasse des Stadthauses in Deutz.

Herr Egerer, beginnen wir mit einer kurzen Frage. Welches Verkehrsprojekt in Köln hat aus Ihrer Sicht derzeit die größte Bedeutung?

Ascan Egerer: Nun, es gibt nicht nur das eine Projekt. Wir müssen immer das gesamte Verkehrsgeschehen im Blick haben. Deshalb stellen wir unseren nachhaltigen Mobilitätsplan, mit dem Namen „Besser durch Köln“ auf. Dessen Leitbild, fünf Zielbilder und konkrete Ziele hat der Stadtrat bereits beschlossen. Einstimmig. Jetzt müssen wir die Projekte und Maßnahmen festlegen, mit denen die Ziele bestmöglich verfolgt werden können. Hier spielen insbesondere der ÖPNV-Ausbau und neue Wege für den Fuß- und Radverkehr, auch über den Rhein, eine besondere Rolle.

Der Stadtrat streitet sich jetzt über eine 35 Meter lange Zufahrt zum Dom-Hotel. Das ist offenbar ein hochemotionales Thema.

Für die Gesamtheit der verkehrlichen Maßnahmen, die dazu führen sollen, dass Köln sich in die politisch beschlossene Richtung entwickelt, ist die Frage der Hotelzufahrt ohne Bedeutung. Die Debatte darüber zeigt aber, dass Mobilitätsthemen die Menschen in Köln bewegen.

Was sagen Sie zum Thema Hotelzufahrt?

Ich habe 2021 in Köln angefangen. Seither wurde darüber gesprochen, dass es das Ziel sein sollte, dass auf dem Roncalliplatz keine Autos mehr vorfahren. Der Dom sollte im Sinne des Weltkulturerbes davon freigehalten werden. Dementsprechend wird derzeit eine unterirdische exklusive Parkmöglichkeit für das Hotel mit einer Gästezufahrt eingerichtet. Unser Angebot ist: Solange es wegen der Sanierung der Tiefgarage keine unterirdische Zufahrt geben kann, können wir es den Hotelgästen ermöglichen, oben vorzufahren.

03.04.2025 Köln. Demo von Verkehrswende Köln vor dem Rathaus. Foto: Alexander Schwaiger

Proteste gegen die U-Bahnlösung auf der Ost-West-Achse in der Innenstadt: Kein Bauprojekt ist so heftig umstritten.

Kommen wir zu den wichtigen Themen. Was wird aus der Ost-West-Achse? Kommt die Tunnel-Lösung oder nicht?

Bei der Diskussion über die Ost-West-Achse wird häufig übersehen, dass wir nicht nur über die Kölner Innenstadt reden, sondern über ein Projekt, das 25 Kilometer lang ist. Von Bergisch Gladbach bis Weiden-West. Dei Ost-West-Achse ist mehr als der Tunnel. Der Ausbau für mehr Kapazität ist dringend erforderlich. Deshalb gibt es zwei grundlegende Beschlüsse. 2018 wurde im Rat entschieden, die Kapazitäten durch längere Bahnen zu steigern. Im vergangenen Jahr kam dann der Beschluss, die Tunnellösung für die Innenstadt weiterzuverfolgen, aber noch einige Änderungsvorschläge zu überprüfen. In den Gesprächen mit dem Land ist danach festgehalten worden, dass der provisorische oberirdische Ausbau als Zwischenzustand anzusehen ist, einen möglichen U-Bahn-Ausbau also nicht ausschließt.

Ein Ausbauplan, der durch den Stadtrat aber noch einmal deutlich verändert wurde. Die Stadtbahnlinie 9 in Richtung Sülz soll weiter oberirdisch fahren.

Deshalb müssen wir alles noch einmal aufarbeiten. Das dauert zwei bis drei Jahre. Wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis dadurch unter das Ergebnis 1,0 sinkt, gibt es für die U-Bahn-Lösung keine Förderung von Bund und Land mehr. Die Ergebnisse hierzu werden wir 2027 vorliegen haben.

Um so wichtiger wäre es doch, möglichst schnell mit dem provisorischen oberirdischen Ausbau beginnen.

Ja. Aber erst muss klar sein, was wir am Ende wollen und was machbar ist. Wenn wir jetzt schon damit begännen, beispielsweise Radwege umzubauen, könnte das dazu führen, dass wir die Förderfähigkeit verlieren.

10.10.2026, Köln:
Gesamtinstandsetzung Mülheimer Brücke: Start der Bauphase 4
Sonja Rode, Leiterin des Amtes für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau der Stadt Köln,
Foto: Thomas Banneyer

Die Sanierung der Mülheimer Brücke geht im Herbst in die vierte Bauphase. Anschließend müssen noch die Severinsbrücke, die Deutzer Brücke und die Zoobrücke generalüberholt werden. Ein Bauprogramm, das bis in die 2040er Jahre reichen wird.

Das Projekt müsste dann auch noch in eine Reihe anderer Großbaustellen eingetaktet werden. Oder hat es auf jeden Fall Vorrang?

Wir haben in den kommenden Jahren tatsächlich erhebliche Bauarbeiten in Köln, die mit Verkehrseinschränkungen verbunden sind. Ab Mitte 2028 sollen vier Eisenbahnbrücken in der Innenstadt erneuert werden. Das muss passieren, weil sie das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben. Dann steht der S-Bahn-Ausbau im Hauptbahnhof und in Deutz an, der für Köln auch absolut wichtig ist und eine hohe Priorität hat. Wir haben die Rheinbrücken und weitere Brückensanierungen. Das alles müssen wir koordinieren.

Ihre Amtszeit endet im Oktober 2029. Da müsste aber noch eine Verlängerung her, oder?

Ich fühle mich im Bereich Verkehr und Mobilität und auch bei der Stadt Köln nach wie vor sehr wohl und arbeite gern an den Themen. Aber diese Frage stellt sich ja jetzt noch nicht.

Warum kommen die Verkehrsthemen in Köln immer nur so langsam voran?

Dazu könnte ich viel sagen.

Nur zu.

Wir haben zahlreiche gesetzliche Pflichtaufgaben und Anforderungen, die bereits einen Großteil unserer Ressourcen beanspruchen. Es gehören Themen dazu wie die Herstellung der Barrierefreiheit und Umweltfragen. Bei den Grenzwerten zu den Luftschadstoffen zum Beispiel, die sich weiter verschärfen, hat die Stadt einen umfangreichen Vergleich mit rund 50 Maßnahmen mit der Deutschen Umwelthilfe abgeschlossen, um vor ein paar Jahren Fahrverbote abzuwehren. Auf der Aachener Straße wollen wir Ende des Jahres die Buslinien 172 und 173 einstellen, weil die Fahrgastnachfrage zu gering ist. Das hat die Umwelthilfe sofort auf den Plan gerufen. Wir können in Köln nicht einfach umsetzen, was gerade gewünscht ist. Wir stehen unter ständiger Beobachtung.

Wir können in Köln nicht einfach umsetzen, was gerade gewünscht ist. Wir stehen unter ständiger Beobachtung
Ascan Egerer zur Klagefreudigkeit der Deutschen Umwelthilfe

Zudem sind fast immer umfangreiche Abstimmungs- und Genehmigungsprozesse zu durchlaufen. Maßnahmen unterschiedlicher Akteure müssen koordiniert werden, wie bei den Baustellen:  Das sind im öffentlichen Straßenraum allein 24.000 pro Jahr – dazu zählen städtische Baustellen, aber viel mehr auch solche von Versorgern, Privatleuten oder Unternehmen. Über die Bahn haben wir gerade schon gesprochen.

Es geht also nicht schneller?

Nicht mit den heutigen Rahmenbedingungen. Jede verkehrsrechtliche Anordnung, jedes Bewohnerparkgebiet, jede Einführung von Tempo 30 muss sehr sorgfältig dokumentiert und begründet werden. Hier werden wir genauso kritisch geprüft und regelmäßig von verschiedensten Seiten verklagt. Es laufen immer mehrere Klagen gegen die Stadt, gegen Fahrradstraßen zum Beispiel. Das alles führt dazu, dass wir leider recht langsam in der Umsetzung unterwegs sind. Das ist oft schwer zu erklären, auch im Vergleich mit anderen europäischen Metropolen.

23.07.2025 Köln. In der Weißenburgstraße im Agnesviertel baut die Stadt seit Montag einige Parkscheinautomaten ab und beginnt damit, Parkplätze zurückzubauen. Anlass ist eine Neubewertung der Mindestfahrbahnbreite der Straßen als Rettungsweg, nachdem es bei einem Feuerwehreinsatz an anderer Stelle im März 2025 durch Falschparker zu Verzögerungen gekommen war. Foto: Alexander Schwaiger

Zu schmal für die Feuerwehr: Wie hier im Agnesviertel muss die Stadtverwaltung überall in Köln Parkplätze aufgeben, damit die Mindestbreite der Rettungswege garantiert ist.

Die Debatte um Rettungswege für Feuerwehr und wegfallende Parkplätze in den Veedeln hat viele Autofahrer auf die Palme gebracht. Haben Sie da zu schlecht kommuniziert?

Ich verstehe sehr gut, dass die Menschen, die persönlich davon betroffen sind und Nachteile haben, unzufrieden damit sind und ihren Unmut äußern. Bei Rettungswegen gibt es aber keine Alternative. Wenn die Feuerwehr nicht durchkommt, müssen Parkplätze wegfallen. Ich glaube, dass das alle verstehen. Aber wir bemühen uns, das auszugleichen, wo immer es möglich ist und forcieren hier unsere Aktivitäten. Zum Beispiel durch ein bevorrechtigtes Bewohnerparken.

Was ist das genau?

In solchen Gebieten sind die Stellplätze nur noch für die Anwohnenden freigegeben. Das bringt eine spürbare Entlastung. Leider braucht es aber auch Zeit für die Umsetzung. Wir müssen dort Liefer- und Ladezonen schaffen, für Handwerker und andere Dienstleister. Im Pantaleonsviertel sind jetzt 300 von 794 Parkplätzen exklusiv ganztägig für Bewohner reserviert. Vorher waren es 16. Das werden wir jetzt sukzessive auch in anderen Bewohnerparkgebieten einführen.

Auf der Luxemburger Straße geben Sie jetzt 270.000 Euro für ein Gutachten aus, das prüfen soll, welche Folgen nach der Einführung von Tempo 30 zusätzlich eine einspurige Verkehrsführung haben könnte. Die Straße ist im Mobilitätsplan aber als eine wichtige Verkehrsachse ausgewiesen.

27.08.2025
Köln:
Die Stadt Köln hat auf der Luxemburger Straße zwischen Barbarossaplatz und Militärringstraße in beiden Fahrtrichtungen die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer reduziert. Die Maßnahme dient dem Lärmschutz der Anwohnenden. Die "Tempo 30"-Beschilderung ist seit gestern in Kraft. 
BITTE NUMMERNSCHILDER UNKENNTLICH MACHEN
Foto: Martina Goyert

Lärmschutz für die Anwohne auf der Luxemburger Straße: Nach der Einführung von Tempo 30 lässt das Mobilitätsdezernat jetzt prüfen, ob es bei einer einspurigen Verkehrsführung vermehrt zu Staus kommen würde.

Das stimmt. Die Luxemburger Straße zählt zum sogenannten MIV-Grundnetz. Das schließt aber weder Tempo 30 noch eine einspurige Verkehrsführung aus. Auf Straßen, die zum MIV-Grundnetz gehören, soll die Leistungsfähigkeit oberste Priorität haben. Die Straßen inklusive der Knotenpunkte so zu gestalten, dass der Verkehrsfluss optimal funktioniert, ist das Ziel. Ob das bei einer einspurigen Verkehrsführung im Fall der Luxemburger Straße gewährleistet ist, lassen wir durch das Gutachten prüfen. Wir haben das Problem, dass die Lärmschutz-Grenzwerte hier nicht eingehalten werden. Ich finde, das können wir aus Gründen des Gesundheitsschutzes der hier lebenden Bürgerinnen und Bürger nicht einfach ignorieren.

Da ploppt plötzlich ein Thema auf, obwohl die Stadtbahn dort seit Jahren fährt und die Straße von Autos immer viel befahren war. Da muss Ihnen doch irgendwann der Kragen platzen.

Wir können eine Straße, die in einem guten Zustand ist, nicht einfach aufreißen und dreimal so teuren Flüsterasphalt einbauen
Ascan Egerer zur Lärmproblematik an der Luxemburger Straße

Wer an die Luxemburger Straße zieht, der weiß, dass dort eine Stadtbahn fährt und Autoverkehr stattfindet. Aber wir haben Grenzwerte für den Lärmschutz, die auch für solche Bereiche gelten. Natürlich gucken wir uns auch die Alternativen an. Wir prüfen auch Verbesserungen an den Stadtbahnen. Es gibt Alternativen, die die Stadt wahnsinnig viel Geld kosten. Flüsterasphalt zum Beispiel wird gerne genannt. Das könnte perspektivisch eingeplant werden, wenn eine Sanierung ansteht. Aber im Moment ist das finanziell überhaupt nicht denkbar, eine Straße, die im Grunde in einem guten Zustand ist, aufzureißen, dreimal so teuren Asphalt wieder einzubauen, der aber auch nicht so lange hält wie der übliche.

Letztes Thema. Wann können Kreuzfahrtpassagiere auf dem Rhein am Konrad-Adenauer-Ufer endlich wieder in die Reisebusse einsteigen, ohne ihr Leben zu riskieren?

Das Gesamtkonzept steht. Wir wollen die Uferstraße so herrichten, dass auch längere Busse dort problemlos ein- und ausfahren können. Das berühmte Blumenbeet kommt weg. Wenn der Verkehrsausschuss grünes Licht gibt, können wir loslegen. Die politische Diskussion wird weiterhin geführt. Ich muss aber nochmal ganz klar sagen: Das sind keine Busparkplätze. Es geht nur darum, die Passagiere abzuholen oder abzusetzen und danach sofort weiterzufahren. Wir wollen nicht, dass auf diesem Weg ein zusätzlicher Busparkplatz entsteht.