Es waren Wochen des Hoffens und Bangens für das Team von „Frauen gegen Erwerbslosigkeit“: Der soziale Träger mit Räumen an der Christinastraße am Nippeser Markt neben der früheren Post gehörte zu den Initiativen, die von den städtischen Kürzungen bei freiwilligen Leistungen akut bedroht waren. Dann wäre ab dem kommenden Jahr nach 42 Jahren des Einsatzes alles vorbei gewesen.
Der Verein entstand 1984 aus einer Selbsthilfegruppe. Die derzeitigen Räume bestehen seit 2007. „Die institutionelle Förderung durch die Stadt erlaubt uns überhaupt erst, dass wir hier öffnen, die laufenden Kosten zahlen und Förderanträge stellen können“, erläutert Geschäftsführerin Karin Hofmann. Laut des Doppelhaushalts-Entwurfs 2027/2028 hätten die jährlich 68.000 Euro Förderung ersatzlos wegfallen sollen. Doch vor einigen Tagen beschloss der Finanzausschuss den sogenannten politischen Veränderungsnachweis, der die Einschnitte bei zahlreichen sozialen Projekte zurücknimmt – so auch für die Frauenprojekte, von denen der Verein ein Teil ist. Der Rat muss am 12. November den geänderten Haushalt noch beschließen, doch das gilt als sehr wahrscheinlich. „Wir sind guter Dinge“, so Hofmann.
Der Verein bietet viele Leistungen und Projekte für Betroffene: In der klassischen Erwerbslosen-Beratung wird Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen, etwa bei Langzeit- oder drohender Arbeitslosigkeit sowie dem Berufs-Wiedereinstieg nach langer Pause. Es gibt neben Bewerbungstraining, Hilfe bei der Job-Recherche und dem Erstellen der Unterlagen, sogar einen Fundus mit Mode fürs Vorstellungsgespräch. Für mitgebrachte Kinder gibt es ein Spielzimmer; in einer Nähwerkstatt sowie bei Gestaltungsangeboten werden Besucherinnen gemeinsam kreativ.

Hell und freundlich: Der Empfang des Vereins „Frauen gegen Erwerbslosigkeit“ am Wilhelmplatz.
Copyright: Karin Hofmann
Zunehmend richtet sich der Verein in seiner Arbeit an Frauen mit Migrationsgeschichte: In mindestens elf Sprachen von Englisch über Spanisch bis Kurdisch, Farsi und Arabisch gibt es Hilfe; beim wöchentlichen Sprachcafé in angenehmem Ambiente können die Frauen ihr Deutsch verbessern und sich über die Kulturen hinweg austauschen. Zwei Projekte mit dem Jobcenter zielen speziell auf Migrantinnen: Bei „Miga40“ wird bislang nicht berufstätigen Frauen mit internationalem Hintergrund ab 40 geholfen, bei „Xenia“ speziell jungen Müttern von 18 bis 35. „Allein bei Miga40 sind zurzeit 40 Teilnehmerinnen dabei“, so Hofmann.
„Oft geht es für die Frauen darum, nach einer Trennung ein neues Leben aufzubauen“, berichtet sie. Solche in wirtschaftlich prekärer Situation seien häufig finanziell von ihren Partnern abhängig, sowie besonders oft von häuslicher Gewalt betroffen. „Im Prinzip hat sich in den mehr als 40 Jahren unseres Bestehens nicht viel verändert.“ Nach wie vor leisteten Frauen viel mehr unbezahlte Care-Arbeit und seien für das Wohl der Kinder hauptverantwortlich. Ein Lichtblick sei, dass die Berufstätigkeit bei Frauen im Vergleich zu den 1980er-Jahren, stark zugenommen habe, einhergehend mit viel mehr Kita-Betreuung – doch diese sei, wegen der knappen Personaldecken, oft wacklig. Insgesamt sei es wichtig, das Netzwerk der Kölner Frauenprojekte zu erhalten. In der Christinastraße wünscht man sich daher, nicht jedes Jahr von Neuem zittern zu müssen. „Wenn man nur einen Teil herausreißt, bricht das ganze System zusammen.“

