Das rechtsrheinische Köln ist gegenüber dem linksrheinischen benachteiligt. Dem konnte und wollte niemand in der Runde widersprechen. Der Förderkreis rechtsrheinisches Köln, in dem sich die örtlichen Bürgervereine zusammengeschlossen haben, hatte Ratsmitglieder ins Pfarrheim von St. Engelbert eingeladen, um mit ihnen öffentlich über eine Benchmark-Studie zu diskutieren, die Andreas Ritter, Vorsitzender des Förderkreises, an diesem Abend vorstellte. Die Studie trägt den Titel „Köln im Vergleich“ und arbeitet mit der Grundannahme, dass im Rechtsrheinischen 40 Prozent aller Kölnerinnen und Kölner wohnen und ihnen deshalb 40 Prozent aller städtischen Ressourcen zustehen.
70 Prozent aller Spielplätze im Linksrheinischen
Verglichen werden etwa die Zahlen der niedergelassenen Ärzte, der Einzelhandelsgeschäfte und Discounter, der öffentlichen Toiletten, der Trinkwasserbrunnen, der Kinderspielplätze und aus 29 weiteren Bereichen. Der Befund: Nur in vier Untersuchungen Ritters erreicht das Rechtsrheinische die geforderten 40 Prozent: bei Grundschulen, Sparkassenbussen, Jugendzentren und Kunstrasenplätzen. Aber: Über 70 Prozent der Kölner Ärztinnen und Ärzte praktizieren links vom Rhein. Drei Viertel aller Trinkwasserbrunnen stehen im linksrheinischen Köln, 82 Prozent aller Wasserspielplätze, 70 Prozent aller Kinderspielplätze und zwei Drittel aller Geldautomaten.

Der Tag des guten Lebens wurde 2024 in Kalk gefeiert.
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Der Einladung des Förderkreises ins Pfarrheim waren Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat, und die Ratsmitglieder Roman Schulte (Grüne), Werner Marx (CDU), Mattis Dieterich und Sercan Bars (beide SPD) sowie Sergen Belen (Volt) gefolgt. Auch Vertreterinnen und Vertreter der rechtsrheinischen Bezirksvertretungen Mülheim, Kalk und Porz waren zugegen. Die Moderation hatte Helmut Frangenberg übernommen.
Enttäuschung im Publikum, weil der angekündigte Oberbürgermeister Torsten Burmester seine Teilnahme kurzfristig abgesagt hatte. „Er hat bestimmt einen anderen Termin, garantiert im Linksrheinischen“, hieß es aus der dritten Reihe. Ritter dementierte. Burmester wolle das Gespräch lieber allein mit den Vertretern der Bürgervereine führen. „Wir sollen ihm vier Terminvorschläge machen. Dann kommt er auch“, sagte der Förderkreis-Vorsitzende.
„Andere Entwicklung ohne Eingemeindung“
„Das Rechtsrheinische ist benachteiligt. Aber damit steht es nicht allein. Auch Chorweiler und Rondorf sind Stadtteile mit Defiziten“, erklärte Joisten, räumte aber ein, dass in den vergangenen Jahrzehnten zu oft Wählerklientel im Linksrheinischen bedient wurden. Ab sofort müsse in erster Linie die Bedürftigkeit darüber entscheiden, in welche Veedel Geld fließe.
Werner Marx wohnt in Porz und trauert den alten Zeiten nach: „Porz ist ja erst seit 50 Jahren Teil von Köln. Vorher war es eine der reichsten Städte Deutschlands. Wir hätten eine andere Entwicklung genommen ohne die Eingemeindung.“ Roman Schulte räumte ein, dass es auch bei den Grünen „Arbeit ist, die rechtsrheinische Fahne hochzuhalten“. Der linksrheinische Grüngürtel werde im Rahmen des Parkstadt-Süd-Prozesses vollendet. „Im Rechtsrheinischen passiert da nichts.“ Gleiches gelte für die Bahnanbindung von Neubrück. „Das sind teils Jahrzehnte alte Themen.“
Deutlich leidenschaftlicher äußerte sich Sercan Bars: „Ich vertrete Humboldt im Stadtrat. Und ich bin wütend. Es gibt keine qualitativen Unterschiede zwischen den Menschen. Ich nehme auch in der Fraktion ein Ungleichgewicht wahr. Linksrheinische Themen stehen oft im Vordergrund. Dabei ist die SPD eine Partei des Rechtsrheinischen. 11 von 18 Ratsmitgliedern haben dort kandidiert.“

Die alte Baumwollbleicherei in Holweide liegt schon lange brach. Foto: Alexander Schwaiger
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Zwei Treffen pro Jahr mit dem OB gewünscht
Mattis Dieterich blickte sozusagen von außen auf das Thema: „Ich habe ein Direktmandat im linksrheinischen Norden gezogen. Der Rhein trennt die Lebensqualität in vielen Bereichen der Stadt. Was die Versorgungsquoten mit Kita- und Offenen-Ganztages-Plätzen angeht, sind wir ähnlich schlecht versorgt wie die rechtsrheinischen Veedel.“ Dieterich lobte den Förderkreis als „genau richtigen Ansatz“.
Es gelte, gemeinsam für mehr Aufmerksamkeit für die Probleme einzutreten. Er regte die Gründung eines Arbeitskreises in der SPD-Fraktion an, in dem die Ratsmitglieder aus dem Rechtsrheinischen und dem Kölner Norden vertreten sein sollen. „Gemeinsam sind wir stärker.“
Auf Nachfrage von Moderator Frangenberg zog Andreas Ritter vom Förderkreis eine durchwachsene Bilanz des Abends: „Wir müssen als Stadtbezirke Kalk, Mülheim und Porz noch enger zusammenarbeiten, um unsere gemeinsamen Interessen zu formulieren und letztlich durchzusetzen. Wir vom Förderkreis wünschen uns zwei Treffen pro Jahr mit dem Oberbürgermeister.“

