Nach einer Renovierungsphase hat das traditionsreiche Brauhaus neu eröffnet. Der neue Betreiber ist ein erfahrener Gastronom.
Kölner Traditionsgaststätte„Brauhaus zum Pfaffen“ am Heumarkt wiedereröffnet

Jakob und Giannina Liebner haben das „Brauhaus zum Pfaffen“ in der Kölner Altstadt wiedereröffnet.
Copyright: Susanne Hengesbach
Wenn irgendwo in Köln das Bild vom Dornröschen passt, das aus langem, tiefem Schlaf erwacht ist, dann neuerdings am Heumarkt. Allerdings ist der Erwecker kein Prinz, sondern ein beherzter Gastronom: Jakob Liebner, der seit elf Jahren in Zollstock den „Zollhof“ betreibt, eröffnete soeben das „Brauhaus zum Pfaffen“.
Nach einer fünfmonatigen Renovierungsphase, die der 41-Jährige gemeinsam mit der Familie Päffgen absolviert hat, gibt es nun im Herzen der Altstadt eine Gastronomie, die als einzige in Köln das in der hauseigenen Brauerei hergestellte, obergärige Pfaffen Bier ausschenkt. Er habe in den letzten Wochen „von morgens bis nachts geschuftet“ und seine Kinder kaum gesehen“, sagt der Gastronom, der sich nun zusammen mit seiner Frau Giannina darüber freut, dass der Betrieb endlich losgeht.

Das Brauhaus zum Pfaffen in der Kölner Altstadt
Copyright: Susanne Hengesbach
„Wir wollten ein Brauhaus eröffnen, wo Essen und Trinken noch Spaß macht“, so Liebner und verweist auf den für Altstadt-Verhältnisse bemerkenswerten Preis von 2,20 Euro für die 0,2‑l-Stange Kölsch. Ihm ist klar, dass das mutig ist, „aber ich möchte, dass die Kölner wieder hierher kommen.“ Platz genug gibt es: Neben den 30 Stühlen auf der Terrasse bietet der große Gastraum circa 100 Plätze, weitere 30 gibt es im ersten Stock.
Aufwendig dekorierter Gastraum
Dass hinter den Mauern des historischen Gebäudes eine solche Schönheit schlummert, wird selbst die Gäste überraschen, die früher regelmäßig ihr Bier an diesem Ort getrunken haben. Zu dunkel und uneinladend der Gastraum, zu unambitioniert das Speise-Angebot in der Vergangenheit.
Ein Jammer für einen Ort, dessen Fundament auf das Jahr 1176 zurückgeht. Liebner hat mit Herzblut und Respekt vor der Tradition Hand angelegt und die künstlerischen Akzente – wie etwa die historischen Holztäfelungen an den Wänden – buchstäblich wieder ins Licht gerückt. Menschen, die das aufwendig restaurierte Wirtshaus jetzt betreten, wissen gar nicht, wohin sie als Erstes schauen sollen: zu der 1,80 Meter hohen von der Decke hängenden goldenen Hopfendolde, die Liebner bei einer Leuchtenmanufaktur in Detmold hat anfertigen lassen, oder zu all den bleiverglasten Fenstern, die in ihrer Farbenpracht manche Kirche in den Schatten stellen. „Ihr müsst euch mal die Fenster von drinnen anschauen“, ruft eine Touristin ihren über den Heumarkt spazierenden Begleitern zu. Die Gesichter spiegeln Begeisterung.

Der Innenraum des Brauhauses
Copyright: Susanne Hengesbach
Seit einem halben Jahrhundert gibt es an dieser Stelle Gastronomie, „die ersten 40 Jahre hat Päffgen das selber gemacht“, erklärt Liebner. Ihm ist es wichtig, dass aus den erneuerten Leitungen und Zapfhähnen nicht nur erstklassiges Bier sprudelt – „hauseigenes Weizen, ab Mitte September auch Kölner Helles“, sondern dass auch die Küche „nur frische und mit Liebe gekochte Gerichte“ herausgibt. Kartoffelpüree, Apfelkompott oder Reibekuchenteig per Hand herzustellen, sei doch kein Hexenwerk, sagt der gebürtige Kölner und öffnet die Tür zur geräumigen Küche, wo einen der Duft knuspriger Bratkartoffeln empfängt.
Reibekuchen in vier Variationen
Das Brauhaus bietet täglich Reibekuchen in vier verschiedenen Variationen; außerdem Klassiker wie Himmel un Ääd (18 Euro), knusprig geschmorte Schweinshaxe (25 Euro) oder Rindersauerbraten (23 Euro). Sicher nicht alltäglich für eine Brauhaus-Karte sind die Königsberger Klopse „0riginal vom Kalb“ (23 Euro), der fangfrische Fisch aus dem Bergischen Land (immer freitags) und die fünf vegetarischen Gerichte – darunter Spinatknödel mit Waldpilzsauce, Preisselbeerschmand und gerösteten Mandeln (19 Euro).
Liebner ist studierter Wirtschaftsingenieur. Aber seitdem er 2015 seine erste Gastronomie in Zollstock eröffnete, weiß er: „Ich mache diesen Beruf unfassbar gerne. Ich mag Menschen, ich mag die Dienstleistung.“ Nun hat er sich ein großes Ziel gesetzt: „Ich möchte, dass der Kölner wieder Bock hat, in seiner Heimatstadt in die Altstadt zu kommen.“ Sein Leitsatz lautet: „Kölsche Tradition, frisch gezapft, neu erleben.“
Brauhaus zum Pfaffen, Heumarkt 62, Altstadt.
Öffnungszeiten: täglich von 11–24 Uhr (Küche 11–22 Uhr), kein Ruhetag.

