Diakonische Einrichtungen in Köln bieten Krankenwohnungen für Wohnungslose, so auch am Salierring.
Großer BedarfKölner Angebot für kranke Obdachlose stößt an seine Grenzen – Diakonie baut um

So sieht ein Aufenthaltsraum im Diakoniehaus der Krankenwohnung am Salierring aus.
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Die Behandlung im Krankenhaus ist abgeschlossen, und die Entlassung steht an. Doch was tun, wenn die eigene Wohnung fehlt? Menschen in einer solchen Situation fangen Krankenwohnungen auf. Dort können sie sich nach einer Operation oder zum Beispiel einer Chemotherapie erholen. Das Angebot richtet sich auch an Wohnungslose, die akut erkrankt sind. Eine solche Einrichtung betreibt das Diakonische Werk Köln und Region im Diakoniehaus am Salierring. Zurzeit sind nicht alle sechs Plätze belegt. Grund sind Bauarbeiten für ein barrierefreies Pflegebad. Wenn es fertig ist, soll das bisher einzige kleine Bad behindertengerecht umgestaltet werden.
Die Kosten werden durch die Diakoniespende 2025/2026 des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region gedeckt, der jede Spende bis zu einem Gesamtbetrag in Höhe von 100.000 Euro verdoppelt. Nach rund sechs Monaten sind bereits mehr als 110.000 Euro an Spenden zusammengekommen; durch die Verdoppelung ergibt sich ein Zwischenstand von über 210.000 Euro.
„Viel mehr wäre nötig“
Die Nachfrage nach Räumen, in denen Männer und Frauen, die kein Obdach haben, in Ruhe genesen können, übersteigt bei weitem das Angebot. „Wer durch die Stadt geht, der sieht, dass viel mehr nötig wäre“, sagt Michael Lampa, Leiter der Wohnungsnotfallhilfe im Diakonischen Werk. Die Versorgung von Menschen, die wohnungslos und krank zugleich sind, sei sehr schlecht.

Ein Patientenzimmer der Krankenwohnung ist mit dem Nötigsten eingerichtet.
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Die Wohnung im zweiten Stock des Diakoniehauses bietet zwei Doppel- und zwei Einzelzimmer. Seit 2022 kurieren sich hier pro Jahr 22 bis 35 Menschen aus. Vermittelt werden sie zum Beispiel von den sozialen Diensten der Krankenhäuser, Betreuern oder Streetworkern. Zunächst ist die Dauer des Aufenthalts auf vier Wochen festgesetzt, doch er kann nach Bedarf verlängert werden.
Im Mittel bleiben die Menschen drei Monate
Im Jahresdurchschnitt würden die Menschen drei Monate bleiben, sagt Imke Domas, eine der beiden zuständigen Sozialarbeiterinnen. Die beiden stehen den Bewohnern und Bewohnerinnen beratend zur Seite, helfen ihnen bei Anträgen und kümmern sich darum, wo sie im Anschluss unterkommen können, ob im Betreuten Wohnen, im Seniorenheim, in einer Pflegeeinrichtung, bestenfalls in einer eigenen kleinen Wohnung.
Domas erzählt von einem an Diabetes erkrankten Mann, der sogar ein Jahr lang in der Krankenwohnung blieb. Nach einer Beinamputation saß er im Rollstuhl, außerdem war ihm ein künstlicher Darmausgang gelegt worden. Die Wundheilung nahm viel Zeit in Anspruch. Gut erinnert sich die Sozialarbeiterin auch an eine niederländische Rentnerin, die ohne Papiere schon lange in Deutschland lebte und nicht krankenversichert war. Neben dem Verlust ihrer Wohnung hatte sie eine Krebserkrankung zu verkraften. In der Wohnung kam sie zur Ruhe; schließlich gelang es, sie in eine private Krankenkasse zu vermitteln. Nicht selten hätten die körperlich kranken Menschen zusätzlich psychische Probleme, sagt Domas.
Täglich kommt ein externer ambulanter Pflegedienst, und zweimal in der Woche schickt das Gesundheitsamt jemanden vom Mobilen Medizinischen Dienst. Zudem gibt es eine Haushaltshilfe, zu deren Aufgaben es gehört, von Montag bis Freitag zu kochen. Für die Wochenenden steht eine Mikrowelle bereit. Die Kosten der Krankenwohnung trägt zu einem großen Teil die Stadt Köln. Sie habe prinzipiell Bereitschaft signalisiert, der Erweiterung des Angebots um zwei Betten zuzustimmen, sagt Lampa.
Spiritaner-Stiftung stellt Krankenwohnung
In Kooperation mit der Kommunität Kosmas und Damian betreibt auch die katholische Spiritaner-Stiftung eine Krankenwohnung in Köln. Sie nennt sich „Kosmidion“ und befindet sich im Notel an der Victoriastraße, einer Notschlafstelle für Obdachlose. Die sechs nahezu durchgängig belegten Betten in der Wohnung stehen ausschließlich Drogenabhängigen zur Verfügung. Aufgenommen werden auch hier Männer und Frauen nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei einer akuten Erkrankung, die keine stationäre Behandlung in einer Klinik erfordert.
Wie im Diakoniehaus ist der Mobile Medizinische Dienst der Stadt Köln für die ärztliche Versorgung zuständig; auch ein ambulanter Pflegedienst ist im Einsatz. Eine Mitarbeiterin des Notel-Teams erledigt fachliche Arbeiten, unterstützt die Patientinnen und Patienten bei konkreten Problemen, zeigt ihnen Hilfsangebote auf und bereitet sie auf die Entlassung vor. Hinzu kommen Freiwillige, Praktikanten, Honorarkräfte und eine Reinigungskraft.
Im Konzept der Einrichtung, die ebenfalls öffentliche Mittel erhält, heißt es unter anderem, sie wolle „in die Hoffnungslosigkeit der erkrankten drogenabhängigen Menschen ein Zeichen der Hoffnung setzen“, eine „Genesung ohne Überlebensdruck und ohne Suchtdruck auf der Straße“ ermöglichen und eine Verstetigung der Krankheit verhindern.

