Der 101-Jährige reagiert bescheiden auf den Vorstoß des Oberbürgermeisters. Entscheiden muss der Stadtrat – erforderlich sind mindestens 61 Stimmen.
Höchste AuszeichnungSänger Ludwig Sebus soll Kölns 25. Ehrenbürger werden

Ludwig Sebus soll der 25. Ehrenbürger der Stadt Köln werden.
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Der Krätzchensänger Ludwig Sebus soll eine besondere Auszeichnung erhalten: Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) will dem Stadtrat vorschlagen, den 101-Jährigen zum 25. Ehrenbürger der Stadt Köln zu ernennen. Wie selten diese Würdigung vorgenommen wird, zeigt sich daran, dass bereits sechs Jahre vergangen sind, seit mit Hedwig Neven DuMont, der Gründerin des Kinderhilfsprojekts „wir helfen“, zuletzt jemand die Ehrenbürgerschaft erhielt. Davor war 13 Jahre lang keine Ehrenbürgerwürde verliehen worden: 2007 hatte sie der Künstler Gerhard Richter erhalten.
Höchste Stufe der Anerkennung
Der Oberbürgermeister habe ihn vorab auf eine mögliche Ehrenbürgerschaft angesprochen, sagt Sebus im Gespräch mit dieser Redaktion. Der Vorschlag habe ihn sehr überrascht. „Wenn man sich anschaut, wer diesen Titel schon erhalten hat: Kardinal Frings, Konrad Adenauer, Heinrich Böll – dagegen komme ich mir geradezu erbärmlich vor“, so Sebus. Er sei schließlich „nur“ ein Sänger und Liedermacher und die Ehrenbürgerwürde die höchste Stufe der Anerkennung in Köln.
Gleichwohl: „Ich habe mich in meinem Leben nie um eine Auszeichnung bemüht – ich habe aber auch keine abgelehnt“, sagt Sebus. „Die Leute haben sich ja Gedanken gemacht, da will ich keinen enttäuschen.“ Neben zahlreichen Ehrungen im Karneval erhielt Sebus den Rheinlandtaler. Zudem ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes.
Ludwig Sebus, der am 5. September seinen 101. Geburtstag feierte, wird nicht nur in Karnevalskreisen geschätzt. Der für seine Bescheidenheit bekannte und tief im Glauben verwurzelte Katholik verkörpert seit jeher Werte und Tugenden wie Respekt, Offenheit und Ehrlichkeit. Als der Zweite Weltkrieg vorbei war, gehörte Sebus nicht zu der schweigenden Mehrheit der Deutschen. Er nannte die Verbrechen der Nazis beim Namen. Bis heute erzählt er eindringlich von den Schrecken des Krieges.
Mit „Glück und Gottes Hilfe“ überlebt
Als 18-Jähriger musste Sebus an die Ostfront und überlebte nur mit „Glück und Gottes Hilfe“, wie er einmal sagte. Erst Ende 1949 kehrte er aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft ins zerstörte Köln zurück. Mit seinen Liedern wollte Sebus den Menschen vor allem Zuversicht und Freude schenken. Den ersten großen Erfolg hatte er in der Karnevalssession 1954/1955 mit dem Lied „Jede Stein in Kölle eß e Stöck vun deer“. Mit 98 Jahren veröffentlichte Sebus ein kölsches Friedenslied: „Die wiesse Duuv“.
Er habe keine Jugend gehabt, die habe ihm ein Mann namens Adolf Hitler „versaut“, schimpfte Sebus 2022 in der Lanxess-Arena anlässlich „30 Jahre Arsch huh“. Nicht nur für den Satz: „Es gibt nichts Wichtigeres als die Freiheit, es gibt nichts Schöneres, als in einer Demokratie zu leben!“, erhielt er stehende Ovationen. Er habe in seiner Kindheit und Jugend selbst erlebt, „wie anfällig die Demokratie ist, wenn man sie nicht pflegt!“ So unterstützte er auch die Kampagne „Kein Veedel für Rassismus“.
Zudem engagiert sich Sebus seit Jahren für das soziale Köln. Mehr als 30 Jahre war er Präsident der Seniorensitzung bei den Sozial-Betrieben Köln. Mit dem „Ludwig-Sebus-Fanclub“ organisiert er nach wie vor Aktionen für die dortigen Bewohnerinnen und Bewohner.
Ehrenbürgerschaft bringt Vorteile
Das Ehrenbürgerrecht ist in der Gemeindeordnung NRW festgeschrieben. Demnach können Kommunen Persönlichkeiten, die sich besonders verdient gemacht haben, die Ehrenbürgerschaft verleihen. Der Oberbürgermeister darf jemanden dafür vorschlagen, die Entscheidung trifft aber der Stadtrat. Für den Beschluss ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. In Köln müssten also 61 der 91 Ratsmitglieder (inklusive OB) dafür stimmen.
Die Ehrenbürgerschaft bringt laut der Stadtverwaltung mehrere Vorteile mit sich: Wer sie verliehen bekommt, erhält freien Eintritt für Oper und Schauspiel sowie für die städtischen Museen. Frühestens zwei Jahre nach dem Todestag wird eine Straße oder ein Platz nach dem Ehrenbürger benannt. Die Stadt Köln errichtet zudem eine Ehrengrabstätte, die auf Kosten der Stadt gärtnerisch angelegt und gepflegt wird. Die Grabstätte bleibt erhalten, solange der Friedhof besteht – bei einer Entwidmung eines Friedhofs entscheidet der Rat, ob die Grabstätte verlegt werden soll. Für die einmalige Feier zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft einschließlich eines Fotoporträts fallen laut der Stadt zudem rund 15.000 bis 20.000 Euro an.
Die Stadt Köln hat die Ehrenbürgerschaft bislang 24 Mal verliehen. Die während der Zeit des Nationalsozialismus verliehenen sechs Ehrenbürgerschaften – unter anderen an führende Vertreter des Regimes wie Adolf Hitler und Joseph Goebbels – wurden aberkannt. Der Stadtrat erklärte diese Beschlüsse am 27. April 1989 einstimmig für von Beginn an nichtig.
