Auch im gesamten Stadtgebiet sollen Parkplätze wegfallen. Ein Fahrplan fehlt allerdings bislang dazu. Politisch ist die Maßnahme umstritten.
FahrbahnbreiteMehr als 410 Stellplätze in der Kölner Innenstadt gestrichen – weitere Stadtteile sollen folgen

In der Weißenburgstraße im Agnesviertel hat die Stadt Köln Parkplätze am linken Straßenrand entfernt.
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Mehr als 410 Stellplätze am Straßenrand sind in der Kölner Innenstadt bereits weggefallen. Das Mobilitätsdezernat begründet den Schritt damit, dass auf vielen Straßen neben parkenden Autos nicht genug Platz für Feuerwehr und Rettungsdienste bleibt. Mindestens 3,05 Meter müssen laut der Stadt auf der Fahrbahn frei bleiben, damit Einsatzkräfte im Notfall durchkommen.
Stadt Köln: Noch nicht alle Bewohnergebiete sind überprüft
Im Frühjahr 2025 hatte das städtische Mobilitätsdezernat angekündigt, in der Innenstadt schrittweise rund 450 Stellplätze am Straßenrand zu streichen, um die Mindestbreite sicherzustellen (wir berichteten). Auf Nachfrage bestätigt die Verwaltung jetzt, dass das Projekt fast abgeschlossen ist. „Mehr als 410 Parkplätze sind bereits entfernt worden“, sagt ein Sprecher. Noch seien aber nicht alle Bewohnerparkgebiete in der Innenstadt überprüft worden.
Dabei dürfte es nicht bleiben. Die Verwaltung plant, die Überprüfung auf das gesamte Stadtgebiet auszuweiten. Auch in dicht besiedelten Vierteln wie Nippes, Ehrenfeld oder Sülz ist der Straßenraum knapp. Ein konkreter Fahrplan für die Stadtteile außerhalb der Innenstadt fehlt allerdings noch. „Für die weitere Reihenfolge der Überprüfung ist noch keine Entscheidung getroffen worden“, sagt der Sprecher. Bis die Stadt die Außenbezirke systematisch prüft, wird sie dort vor allem dann aktiv, wenn es konkrete Hinweise gibt – etwa Beschwerden von Anwohnern oder Meldungen von Rettungskräften.
Dass die Enge vieler Straßen nun zum Wegfall zahlreicher Stellplätze führt, hängt laut der Stadt auch mit der Entwicklung der Autos zusammen. Viele Fahrzeuge, insbesondere SUV-Modelle, seien über die Jahrzehnte breiter geworden. Grundlage für die 3,05 Meter ist nach Angaben der Stadt die maximal zulässige Fahrzeugbreite von 2,55 Metern. Hinzu kommt ein Sicherheitsabstand von insgesamt 50 Zentimetern.
In der Landgrafenstraße in Lindenthal ist seit wenigen Tagen zu sehen, wie eine solche Neuordnung aussehen kann. Nach Angaben der Stadt wurden dort allerdings keine legalen Stellplätze gestrichen. Vielmehr habe man auf unerlaubtes Querparken auf dem Gehweg reagiert. Autos sollen jetzt längs parken – klar markiert und teils auf die Fahrbahn verlegt. Neu montierte Fahrradbügel sollen verhindern, dass dort erneut quer geparkt wird. Der Gehweg sei dadurch über die gesamte Länge barrierefrei nutzbar, sagt ein Stadtsprecher. Zugleich solle die verengte Fahrbahn den Verkehr beruhigen.

Auf der Landgrafenstraße in Köln-Lindenthal verhindern Fahrradbügel das Querparken.
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Politisch ist der Parkplatzabbau umstritten. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Köln (MIT) kritisiert den Kurs der Stadt scharf. Der Abbau öffentlicher Stellplätze erfolge, ohne dass zuvor tragfähige Alternativen geschaffen worden seien, heißt es in einer Mitteilung. Eine moderne Verkehrswende brauche zuerst bessere Angebote – etwa beim öffentlichen Nahverkehr, bei Park-and-Ride-Anlagen und Quartiersgaragen – und dürfe nicht mit dem Wegfall bestehender Infrastruktur beginnen.
Während die MIT vor allem fehlende Alternativen kritisiert, stellt der CDU-Landtagskandidat Oliver Kehrl die Rechtmäßigkeit des Vorgehens infrage. Er kündigt eine juristische Prüfung des Parkplatzabbaus in der Innenstadt an. Die Stadt müsse für jeden entfallenden Stellplatz nachvollziehbar begründen, warum er gestrichen werde und warum kein milderes Mittel möglich sei. „Pauschale Ziele ersetzen keine rechtsstaatliche Begründung“, sagt Kehrl.
Petition gegen Wegfall von Stellplätzen
Auch aus der Anwohnerschaft gibt es Widerstand. Im Griechenmarktviertel hat der Planungsingenieur Christof Preiß eine Petition gegen den geplanten Wegfall von Stellplätzen gestartet. Er wirft der Stadt vor, pauschal vorzugehen und die örtlichen Verhältnisse nicht ausreichend geprüft zu haben. Nach seinen Angaben hätten eigene Messungen gezeigt, dass die Mindestbreite von 3,05 Metern in vielen Fällen gar nicht unterschritten werde. Preiß fordert deshalb unabhängige Einzelfallprüfungen, stärkere Kontrollen gegen tatsächlich behinderndes Parken und bauliche Lösungen, bevor Parkplätze gestrichen werden.
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Köln sieht weniger parkende Autos hingegen auch als Beitrag zur Hitzevorsorge. Geparkte Fahrzeuge speicherten Wärme, behinderten in engen Straßen die Luftzirkulation und belegten Flächen, die für Bäume, Grün oder entsiegelte Böden gebraucht würden, heißt es vom VCD. Köln müsse die Mobilitätswende deshalb auch als Maßnahme gegen Überhitzung verstehen. „Weniger parkende Autos bedeuten mehr Platz für Schatten, Grün und sichere Wege – und damit kühlere, gesündere und lebenswertere Städte“, so der VCD.
Für viele Anwohner in den betroffenen Straßen verschärft die neue Ordnung jedoch die Parkplatzsuche. Die Stadt verweist auf die Sicherheit von Rettungswegen. Zugleich fehlen bislang ausreichende Alternativen zum wegfallenden Parkraum. Quartiersgaragen werden seit Jahren diskutiert, digitale Parkleitsysteme kommen nur langsam voran. Solange sich daran nichts ändert, bedeutet die Durchsetzung der 3,05-Meter-Regel für viele vor allem eines: Der ohnehin knappe Platz wird noch knapper.
