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Kommentar

Kölner Problemlagen
Zwölf Jahre für drei Sportplätze – das ist kein Grund zu feiern

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3 min
Blick auf den als Kampfbahn bezeichneten Rasenplatz.

Der als Kampfbahn bezeichneten Rasenplatz könnte umgebaut werden. Davor kommt ein Prüfverfahren.

„Warum werden in dieser Stadt aus Problemchen immer wieder Konfliktlawinen?“, fragt sich Jens Meifert.

Zwölf Jahre sind eine lange Zeit. Deutschland wurde vor zwölf Jahren Fußball-Weltmeister, Russland hat sich die Krim einverleibt, Pharrell Williams sang mit „Happy“ einen Song, der viel mehr als heute zur Zeit passte. Und: Der 1.FC Köln plant seitdem, seit zwölf Jahren also, im Äußeren Grüngürtel der Stadt drei Fußballplätze zu errichten. Kein Stadion, nein. Drei Fußballplätze.

Die vormalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres zehnjährigen Wirkens damit verbracht, eine Lösung im Streit zwischen Fußballklub und Umweltschützern, zwischen Balltretern und Tagfaltern und Libellen herbeizuführen – und ist über eine Dekade krachend gescheitert.

In unzähligen Varianten sichteten die Kölner Ratspolitiker Vorlagen, stimmten ab, verkanteten sich immer weiter, statt eine Lösung herbeizuführen. Die Gleueler Wiese wurde zum Hambacher Forst des Stadtgebiets. Insofern könnte der 2. Juli 2026 zu einem historischen Tag der Stadtgeschichte werden: Der Kölner Stadtrat hat beschlossen, dass der 1.FC Köln drei Fußballplätze im Umfeld des Geißbockheims modernisieren darf, sofern die umweltrechtliche Prüfung positiv ausfällt. Die heilige Gleueler Wiese bleibt unangetastet. Alle mal aufatmen.

Überfrachteter Grundsatzstreit

Zur Feierstunde taugt der Beschluss dennoch nicht. Wenn es einer Stadt über zwölf Jahre nicht gelingt, ein derart überschaubares Problem zu lösen, wenn dies sich dabei zu einem ideologisch überfrachteten Grundsatzstreit auswachsen kann, dann läuft etwas gehörig schief. Das ist vor allem bedenklich, weil auch an anderer Stelle der Stadt Probleme im Mikroformat zu Konfliktlawinen mutieren.

Im Schatten der vor sich hin bröckelnden Bastei (auch kein schöner Anblick) warten Fahrer von Touristenbussen seit vier Jahren darauf, dass sie einen Park-Streifen nahe dem Rheinufer wieder nutzen dürfen. Die Besucher klappern seitdem täglich mit ihren Rollkoffern die steilen Treppen zur Uferstraße hoch. Der Lösung im Weg steht nun, so heißt es heute: ein in Beton eingefasster Grünstreifen. Aber niemand, weiß, wem der gehört. Also kann man erstmal gar nichts machen – hier in Köln.

Toleranz und Lockerheit verformen sich in der Metropole der Weltoffenheit allzu oft in schnodderige Gleichgültigkeit.

Einmal mehr drängt sich der Eindruck auf: Toleranz und Lockerheit verformen sich in der Metropole der Weltoffenheit allzu oft in schnodderige Gleichgültigkeit. Warum schnell eine Lösung, wenn sich noch in einem Arbeitskreis drumherum reden lässt? Die Besucher kommen doch ohnehin. Wer wird sich von der ein oder anderen Dysfunktion abhalten lassen? Wie etwa an der Trankgasse, wo Gäste der Philharmonie nach dem Konzertbesuch im Tunnelgewirr der Domumgebung schon mal ein weiteres abendfüllendes Programm erleben – das des Stillstands.

Die Bonner Straße ist noch immer eine riesige Baustelle.

Die Bonner Straße ist noch immer eine riesige Baustelle.

Der Verkehrsdezernent braucht nach der Ankündigung sieben Monate, um mit der Freigabe einer zweiten Fahrspur vielleicht etwas Entspannung in die verfahrene Situation zu bringen. Unausgesprochene Haltung der Stadt: Selbst schuld, wer mit dem Auto ins Zentrum fährt.

Irgendwann geht’s weiter, irgendwie. Und wenn die Betondeckel für den Ebertplatz das Dreifache kosten, dann zahlen wir es eben, genauso wie das Doppelte für den epischen Umbau der Bonner Straße. Was kümmert uns die Kalkulation von gestern?

Dass die Uhren in Köln etwas anders gehen, ist oft belächelt und noch öfter besungen worden. Zur abendlichen Folklore mag das taugen. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten aber, dass sich die Stadt kümmert, Probleme anpackt und schnell löst. Nicht nach Monaten oder Jahren. Und am besten nach einem Plan, der hält, was er verspricht.