Köln – Toni war gerade mal drei Tage alt, da stand es schon sehr kritisch um ihn. Gerade hatte er mit seinen Eltern die Geburtsstation verlassen und durfte nach Hause, als der Säugling am 3. April 2017, einem Montagabend, auf der Wickelkommode plötzlich keine Luft mehr bekam. „Er wirkte leblos, bewegte sich gar nicht mehr“, erinnert sich Tonis Vater heute. Sofort wählte die Mutter den Notruf und konnte ihren Sohn mit Anweisungen des Disponenten aus der Leitstelle per Mund-zu-Mund-Beatmung reanimieren.
Etwa fünf Minuten dauerte es, bis ein Rettungswagen und der Leitende Notarzt Robert Stangl eintrafen. „Toni war in einem stabilen Zustand. Ohne die Reanimation der Mutter hätte es Toni vermutlich nicht oder nur mit schwersten Schäden geschafft“, berichtet er. So lebhaft wie heute hätte der mittlerweile Dreijährige ohne die Erste Hilfe wohl nicht durch den Hof der Feuerwache in Weidenpesch rennen können.

Der kleine Toni
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Wie wichtig die Überbrückung der ersten Minuten bis zum Eintreffen der Sanitäter ist, verdeutlicht Stangl mit folgenden Zahlen: Etwa 300 sogenannter Telefonreanimationen hat die Kölner Feuerwehr jährlich im Schnitt. In diesen Fällen leitet der Disponent auf der Leitstelle die Ersthelferinnen und Ersthelfer an, was sie tun sollen. 20 bis 30 Prozent verlaufen so positiv, dass die Patienten ohne dauerhafte Schäden überleben. „Ohne Laienreanimation wären wir bei null Prozent“, sagt Stangl.
200 Stellen unbesetzt
An diesem Donnerstag, dem 11. Februar, der wie jedes Jahr der europäische Tag des Notrufs ist, will die Feuerwehr mit einer PR-Offensive aber nicht nur auf das richtige Verhalten im Notfall hinweisen, sondern auch in eigener Sache werben. Es wird händeringend Nachwuchs gesucht. 200 Stellen in Brandschutz und Rettungsdienst seien unbesetzt, sagt Feuerwehrchef Christian Miller und spricht von einem „großen Personalproblem“. Dabei steigt besonders die Zahl der Rettungsdiensteinsätze von Jahr zu Jahr.
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Mit einem „Twittergewitter“ informierte die Feuerwehr daher am Donnerstag in dem sozialen Netzwerk über jeden ihrer Einsätze – vom internistischen Notfall, über den Unfall auf der Autobahn bis zum Sturz aus dem Fenster. „Wir wollen den Menschen die Vielfältigkeit unserer Arbeit zeigen“, sagt Miller. Bis 14 Uhr meldete die Leitstelle 144 Einsätze. Üblicherweise sind es knapp 400 am Tag, die aus etwa 1000 Notrufen resultieren. An Weiberfastnacht sind es in der Regel bis zu vier Mal mehr. Einen Karnevals-Effekt stellten die Einsatzkräfte in diesem Jahr coronabedingt nicht fest.
Am Abend des 3. April 2017 und im Verlauf des nächsten Tages erlitt Toni weitere 14 Atemstillstände, etwa auf dem Weg in die Uniklinik, während der Verlegung in die Kinderklinik und im Krankenhausbett selbst. Fünfeinhalb Wochen blieb er dort, zwei davon auf der Intensivstation, bis er entlassen wurde. Spätfolgen habe er nicht, sagt die Mutter. „Heute ist Toni der lebendigste Mensch, den ich kenne.“




