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Serie

Hoch über der Südstadt
Wo Mauersegler jagen und Enten brüten

3 min

In unserer Serie „Dachgeschichten“ besuchen wir Kölnerinnen und Kölner auf ihren Dachterrassen und lassen uns ihr Zusatzzimmer zeigen. Heute: Sandra Vohl in der Südstadt.

Im Frühling vor zwei Jahren zogen sehr besondere Untermieter bei Sandra Vohl ein. Sie unterschrieben keinen Mietvertrag, zahlten nichts und waren überaus flauschig. In einem der Blumenkästen auf der Dachterrasse von Sandra Vohl hatte eine Ente sechs Eier gelegt und ausgebrütet. Die Kleinen schlüpften, Vohl und ihr Freund lasen sich reichlich Enten-Wissen an, fütterten die Tiere und stellten ihnen einen Privatpool hin. Weil diese Wohngemeinschaft keine für immer sein konnte, rief Sandra Vohl die Schwanenhilfe an. Die sammelten die Enten fachkundig ein und setzten sie im Rhein aus. Fragt man die Kölnerin nach ihren liebsten Dachterrassen-Erinnerungen, erzählt sie definitiv von den Enten.

Wenige Tage gehörte der untere Balkon dieser Entenmama mit ihrem Nachwuchs

Dass die Entenmama sich ausgerechnet diesen Ort zum Brüten ausgesucht hat, erstaunt nicht: Es ist eine von zwei Dachterrassen, die Vohl und ihr Freund bewohnen, die untere nämlich. Sie geht vom Ess-/Arbeitszimmer des Paares ab, die obere betritt man über das Badezimmer.

Die Experten der Tierrettung setzten die Enten am Rhein aus.

Dort oben sitzt das Paar oftmals abends, weil die Sonne lange hinscheint. Die beiden essen dort, trinken ein Glas Wein und beobachten, wie die Mauersegler Insekten jagen. Unten, auf der Enten-Dachterrasse, wird gern gefrühstückt. Von hier aus hat man einen hervorragenden Blick auf den Turm der Severinskirche – und auch auf die Falken, die dort regelmäßig brüten und ihren Nachwuchs bekommen. „Die kreisen dann um den Turm und jagen Tauben“, sagt Sandra Vohl, „das ist ein All-you-can-eat-Buffet sozusagen.“

11.06.2026 Köln. Sandra Vohl zeigt ihre Dachterrasse in der Südstadt. Foto: Alexander Schwaiger

Blick auf den Turm der Severinskirche.

Ruhig, naturnah, tierfreundlich

Einmal, Vohl erinnert sich genau, kam einer der Falken mit einer geköpften Taube angeflogen, widmete sich gemeinsam mit weiteren Artgenossen dem toten Tier auf dem Zwischendach zwischen den beiden Dachterrassen. Irgendwann waren dann alle Spuren beseitigt. Kein schöner Anblick, aber halt Natur.

Apropos: Wiewohl Vohls Wohnung mitten in der Kölner Südstadt liegt und man von den Dachterrassen auf die anderen Häuser blickt, ist es hier ruhig, naturnah, bunt und tierfreundlich: Vohl achtet beispielsweise darauf, dass ihre Dachterrassen-Bepflanzung angenehm und anziehend ist für Wildbienen und Hummeln.

11.06.2026 Köln. Sandra Vohl zeigt ihre Dachterrasse in der Südstadt. Foto: Alexander Schwaiger

Die obere Dachterrasse von Sandra Vohl und ihrem Partner in der Südstadt

Die beiden Balkone sind unterschiedlich gestaltet, und das ganz bewusst: Nachdem sie sich mit einer Expertin in Sachen Gestaltung unterhalten hat, hat Sandra Vohl sich beim unteren für einheitliche Blumenkästen und eine einheitliche Bepflanzung entschieden: Lavendel, Salbei, Mädchenauge. Die Kästen sind weißgrau, der Outdoor-Teppich ebenfalls, Tisch und Stühle passen dazu. Gern holt Vohl abends die großen Windlichter aus der Ecke. „Da kommen dann dicke Kerzen rein“, erzählt sie. In einem ziemlich großen Topf wächst ein für einen kleinen Balkon beeindruckend großer Feigenbaum, eine Schwarzerle hat sich selbst gepflanzt.

Unten strukturiert, oben freier

Oben ist alles etwas weniger geordnet: Hier finden sich Oleander, Sonnenhut, Wiesenknopf, Hortensien, hier ist eine weiße Hängematte angebracht, die ganz hervorragend zum Reinflezen einlädt. Ihre Pflanzen kauft Vohl bei den Alexianern in Porz. „Mir macht es Spaß, das hier draußen zu gestalten, und mein Freund schätzt das auch total“, sagt die gebürtige Niederrheinerin, die 1992 nach einer Schreiner-Lehre zum Sozialarbeitsstudium nach Köln gekommen ist und die heute Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin ist.

Vohl und ihr Partner leben seit 17 Jahren in dieser Wohnung, die ein bisschen geschnitten ist wie ein Tetrisspiel im fortgeschrittenen Stadium aussieht. Als die beiden beschlossen, zusammenzuziehen, war Vohl klar: auf keinen Fall ohne Balkon. Und ebenso klar war dem Paar dann: Diese Wohnung, mit den zwei Dachterrassen und dem anspruchsvollen Schnitt, die ist es. Am liebsten für immer.