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Protest am Samstag in KölnRechter Marsch zum Dom scheitert an großen Gegendemos

5 min

Am Tag der Deutschen Einheit fanden in der Südstadt gleich mehrere Demonstrationen statt. Ein Bündnis verhinderte eine rechte Kundgebung.

„Alles, was ich mir wünsche, ist, dass wir miteinander einen friedlichen, respektvollen und würdevollen Tag der Deutschen Einheit auf deutschem Boden verbringen können“, sagte Jenny Mark am frühen Samstagabend auf dem Chlodwigplatz, der von Protestgebrüll von den Ringen her erfüllt war. „Aber das ist leider nicht gegeben. Wir dürfen nicht mal laufen.“

Damit bezog sie sich auf den „Gedenklauf“, zu dem das rechte Bündnis „Köln steht auf“ für den Tag der Deutschen Einheit aufgerufen hatte. Rund 200 Demonstranten waren angemeldet, die vom Chlodwigplatz über die Severinstraße und Hohe Pforte zum Roncalliplatz ziehen sollten, um dort eine Kundgebung abzuhalten. Daraus wurde nichts, weil wegen des gleich doppelten, massiven Gegenprotests kein Durchkommen war.

Den hatten das spontane Südstadt-Bündnis gegen Rechts und die Antifa Rhein-Erft organisiert. Der Veranstaltungsleiter des Südstadt-Bündnisses schätzte die Gesamtzahl der Teilnehmer hinterher auf mehr als 5000. Ihnen standen nicht mal 30 Leute von „Köln steht auf“ gegenüber.

Großaufgebot der Polizei in der Kölner Südstadt

Ein Großaufgebot der Polizei sorgte dafür, dass sich die gegnerischen Lager nicht ins Gehege kamen. Sowohl zu den Ringen hin als auch an der Einmündung des Kartäuserwalls waren Absperrgitter aufgestellt, hinter denen Polizisten in voller Montur standen. Weitere Beamte und Beamtinnen kontrollierten andere Zugänge zum Platz, etwa an der Severinstraße.

Nicht lange, nachdem sich der Korso aus Einsatzfahrzeugen, Demo-Wagen und zu Fuß gehenden Demonstranten mit großer Verspätung und unter kollektiven „Nazis raus“- und „Haut ab“-Rufen in Bewegung gesetzt hatte, blieb er in der Straße Im Ferkulum stecken. Gegendemonstranten blockierten sie an der Ecke Severinskirchplatz. Auch nach einem Handgemenge mit den Einsatzkräften wichen sie nicht von der Stelle.

Nach einiger Zeit kehrte der Zug um, und in Absprache mit der Polizei beschlossen die „Köln steht auf“-Organisatoren, die Kundgebung statt am Dom in der von Sicherheitskräften abgeschirmten Platzmitte stattfinden zu lassen. „Gewaltsame Auseinandersetzungen“ habe es nicht gegeben, zog ein Polizeisprecher später Bilanz.

Gegenprotest in der Südstadt

Schon gegen 13 Uhr hatte sich der Gegenprotest formiert. Am Kartäuserwall war eine Bühne aufgebaut, auf der sich Reden und Live-Musik abwechselten. Dazwischen erscholl ein ums andere Mal im Chor „Nazis raus, raus, raus!“ Auf einem Transparent stand: „Keine Bühne der AfD. Nationalismus ist keine Alternative.“ Moderator Alexander Simon erinnerte an die rechtsextremen Anschläge und Ausschreitungen im vereinten Deutschland der frühen 1990er-Jahre, von Mölln über Hoyerswerda und Solingen bis zu Rostock-Lichtenhagen. „Die da drüben“ würden Positionen solcher „völkischen Mobs“ teilen.

„Wenn es gegen Rechts geht, steht diese Stadt zusammen“, zeigte Rainer Hammelrath vom Bündnis „Köln stellt sich quer“ Zuversicht, warnte jedoch vor der politischen Entwicklung: Bei der NRW-Landtagswahl 2022 habe die AfD 5,4 Prozent geholt, in jüngsten Umfragen liege sie bei 22 Prozent: „Die AfD ist der braune, eitrige Pickel am Arsch der Demokratie, den wir ausdrücken müssen.“ Zu den Möglichkeiten zählte er ein Verbot der Partei. Außerdem brauche es eine andere Politik, keine, „die der Mehrheit der Bevölkerung viel abverlangt und die Reichen schont. Das ist Treibstoff für die AfD“.

Querbeat und Bläck Fööss bei Protest in der Südstadt

Mankel Brinkmann, Vorsitzender der Klubkomm, des Interessenverbands der Kölner Clubs und Veranstalter, brachte ebenfalls ein AfD-Verbot ins Spiel und sprach sich zudem gegen Haushaltskürzungen im Sozialen, bei der Jugend und bei Demokratieförderprojekten aus. Weitere Beiträge kamen unter anderem von Rolly Brings, dem sozialistischen Kinder- und Jugendverband „Die Falken“, dem Bündnis Köln-Nord gegen Rechts und von „Südstadt-Leben“, dem Förderverein der Lutherkirche. Musikalisch wirkten beispielsweise Querbeat, die OFW-Band und die Bläck Fööss mit, die unter anderem ihren Klassiker „Unsere Stammbaum“ spielten.

„Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, war auf einem Transparent in der Menge der Gegendemonstranten am Ring zu lesen. Pfeifkonzerte, Gebrüll und lautes Skandieren etwa des Rufs „Alerta, Alerta, Antifascista“ wollten kein Ende nehmen. Ein Mann trug ein schwarzes T-Shirt, das an das legendäre Großkonzert und die Kundgebung gegen Fremdenfeindlichkeit am 9. November 1992 auf dem Chlodwigplatz erinnerte. „Arsch huh, Zäng ussenander“ stand vorn und auf dem Rücken: „Wachsam bleiben“.

„Wir sind keine Nazis“

Und mittendrin diejenigen, die den Gegenprotest ausgelöst hatten. „Warum dürfen wir als Deutsche in Deutschland nicht an den Tag der Deutschen Einheit erinnern? Warum wird so dagegen gekämpft?“, sagte Jenny Mark im Gespräch. „Wir sind keine Nazis, nur weil wir schwarz-rot-goldene Fahnen dabei haben. Wir sind ganz normal, Menschen, die einfach zu ihrem Land stehen.“ Im Prinzip sei der Gegenprotest das „gute Recht“ der anderen, gehe allerdings zu weit als „Versuch, uns zu unterdrücken“. Die im Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit gelte schließlich für alle. „Köln steht auf“ sei eine „reine, parteiunabhängige Bürgerbewegung“, betonte die 35-Jährige, die stellvertretende Sprecherin des AfD-Stadtbezirksverbands Ehrenfeld ist.

Demo-Mitorganisatorin Tamara Schorn sitzt für die AfD als sachkundige Einwohnerin im Ratsausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden. „Wir wissen nicht, warum wir so unter Beschuss genommen werden“, sagte sie. Sie stehe für die „kommunalen Rechte“ der Bürger ein und wolle Missstände beseitigen, ob in Stadt oder Land. „Ich glaube, Friedrich Merz macht vor, wie man es nicht machen sollte.“ Vor diesem Hintergrund müssten „theoretisch alle zusammen auf die Straße gehen, egal welcher Partei oder Bürgerbewegung man angehört“.

Bei der Kundgebung, die später als geplant begann, gab sie wütend ihrer Enttäuschung darüber Ausdruck, dass der Gegenwind derart stürmisch ist. „Das, was hier heute abgeht, ist eine Schande nicht nur für Deutschland“, sagte sie, „sondern auch für unsere wunderschöne Stadt.“ Jenny Mark beteuerte, sie sei „absolut gegen Spaltung“. In Richtung des unablässigen Protestlärms sprach sie ins Mikrofon: „Was habt ihr gegen Deutschland?“