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Hakenkreuze an der TH KölnNeue Plakette klärt über NS-Relikte am Südstadt-Campus auf

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Die TH Köln hat eine Denkmalplakette in direktem Umfeld der Fahnenmasten installiert, um die Relikte der NS-Zeit sichtbar zu machen und historisch einzuordnen. Sylvia Heuchemer, Präsidentin der TH Köln, und Joachim Metzner, Präsident a.D. und Ehrensenator der TH Köln

Die TH Köln hat eine Denkmalplakette im direkten Umfeld der Fahnenmasten installiert, um die Hakenkreuze am Sockel sichtbar zu machen und historisch einzuordnen. Sylvia Heuchemer (r.), Präsidentin der TH Köln, und Joachim Metzner, Präsident a.D. und Ehrensenator der TH Köln 

Von 1935 bis 1945 war der Südstadt-Campus der TH Köln Sitz der NS-Gauleitung Köln-Aachen. Erst vor einigen Jahren entdeckte man vor dem Eingang Hakenkreuze.

Wenn man weiß, dass es Hakenkreuze sind, dann erkennt man sie sofort, auch wenn sie verschnörkelt sind. Die Halterungen der Fahnenmasten vor dem Haupteingang des Südstadt-Campus der TH Köln am Römerpark gestaltete die Kölner Metallbaufirma Kotthoff im Jahr 1936. Zwischen 1935 und 1945 befand sich in der Claudiusstraße der Sitz der NS-Gauleitung Köln-Aachen, also das politische Zentrum Kölns während der NS-Herrschaft. Trotz aller Eindeutigkeit des Symbols sind sowohl die aktuelle Präsidentin der Technischen Hochschule, Sylvia Heuchemer, als auch der ehemalige Präsident, Joachim Metzner, jahrzehntelang an den Masten vorbeigegangen, ohne sie zu bemerken.

„Als wir darauf aufmerksam gemacht wurden, sind wir erst einmal heruntergegangen und haben uns die angesehen“, sagte Heuchemer am Dienstag bei der Enthüllung einer neuen Denkmalplakette am Sockel der Masten. Gemeinsam mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW als Eigentümer des Gebäudes und der Bezirksregierung Köln als Denkmalbehörde hat sich die TH Köln entschieden, die Denkmalplakette zu installieren, um die Relikte der NS-Zeit sichtbar zu machen und historisch einzuordnen.

Die TH Köln hat eine Denkmalplakette in direktem Umfeld der Fahnenmasten installiert, um die Relikte der NS-Zeit sichtbar zu machen und historisch einzuordnen.

Die Denkmalplakette neben den Hakenkreuz-Halterungen der Fahnenmasten am Südstadt-Gebäude der TH Köln an der Claudiusstraße

Auf der Plakette steht: „Wenige Relikte (aus der Zeit zwischen 1935-45, Anm. d. Red.) sind noch sichtbar und erinnern uns an diese dunkle Epoche unserer Geschichte.“ Auch die wichtigsten Eckdaten des Gebäudes sind aufgeführt: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude als Sitz der Städtischen Handelshochschule errichtet; von 1919 bis in die 1930er-Jahre war es Sitz der wiedergegründeten Universität zu Köln und seit 1984 ist es nach einer Renovierung das Hauptgebäude der Technischen Hochschule.

Die Entscheidung für eine Plakette reiht sich ein in die bisherigen Aktionen der Hochschule, kritisch mit dem historischen Erbe des Hauses umzugehen: Jährlich gedenkt die TH mit Veranstaltungen etwa der Bücherverbrennung am 17. Mai 1933, als 95 Werke von jüdischen, marxistischen und pazifistischen Autorinnen und Autoren verbrannt wurden. Ein Bodendenkmal listet die Namen der Opfer auf. 

Selbst der ehemalige Präsident Joachim Metzner wusste von den bewusst subtil gestalteten Hakenkreuzen nichts, obwohl er schon seit Ende der 80er-Jahre immer tiefer in die Geschichte des Gebäudes eingetaucht war und mittlerweile zum Experten avanciert ist. 

Nach dem Einzug in das Gebäude habe er sich mehr und mehr gewundert, dass Menschen nicht so gerne über das Vergangene sprachen. Denkmalpfleger übersahen während der Renovierung, dass ein Löwenbrunnen im Treppenhaus des Gebäudes verborgen war. 2019 wurde er freigelegt und saniert. Bis 1938 wurde er als Gedenk- und Weihestätte für gewaltsam ums Leben gekommene Nationalsozialisten genutzt, danach aber verbaut. Eine prunkvollere, feierlichere, repräsentativere Gestaltung sollte her. So kam die Kölner Firma Kotthoff ins Spiel, mit der sich Metzner eingehend beschäftigt hat.

Kölner Firma Kotthof diente sich den NS-Machthabern an

Die Firma war ursprünglich eine Bauschlosserei, spezialisierte sich später aber auf kirchliche Kunst. Die Söhne des Firmengründers lernten an der nahegelegenen Kunstgewerbeschule Kunstschmiedearbeit und übernahmen die Firma. Sie feierten nationale wie internationale Erfolge. Ab 1933 passte sich die Firma dem NS-Regime an und erhielt Aufträge für nationalsozialistische Symbolik am Gebäude der Kölner Gauleitung. „Der Kronleuchter im Gebäude stammt vom Stil her eindeutig aus dem kirchlichen Kontext. Es ist ein sogenannter Jerusalem-Leuchter, der jenen nachempfunden ist, die auch in romanischen Kirchen hingen“, erklärt Metzner.

Der Kronleuchter im Stile romanischer Kirchen im Hauptgebäude der TH Köln in der Südstadt

Der Kronleuchter im Stile romanischer Kirchen im Hauptgebäude der TH Köln in der Südstadt

Über die Verstrickungen mit der Firma Kotthof und wie diese die Nazis dazu verhalf, religiöse und kirchliche Symbolik für ihre menschenverachtende Ideologie zu instrumentalisieren, weiß Metzner viel. Öffentliche Führungen dazu gibt es bisher nicht, seien aber denkbar, so Heuchemer. Bisher gibt es diese nur, wenn man Metzner, der 23 Jahre lang Präsident der TH Köln war, direkt drauf anspricht.