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„Köln zeigt Haltung“
Bis zu 12.000 Teilnehmer bei Demo gegen Rechts

Demo Max4

Die Demo ging vom Roncalliplatz zum Heumarkt.

Köln – Der Roncalliplatz ist am frühen Sonntagnachmittag ein Ort friedlicher Wehrhaftigkeit. Bis zu 12.000 Menschen sind einem Aufruf von rund 100 Kölner Initiativen gefolgt, Haltung zu zeigen für Demokratie und Menschenrechte. Polizisten sind nirgends zu sehen. Braucht es auch wirklich nicht. Die Stimmung ist so hell wie der Brief, den die siebenjährige Habea auf ein Plakat geschrieben hat: „Liebe Nazis, seid bitte freundlich mit anderen Menschen auf dieser Erde. Köln soll bunt bleiben.“

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Viele Menschen haben Plakate und Fahnen bemalt: „Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Ländern, sondern zwischen oben und unten“, „Liebe ist stärker als Hass“, „Wer nichts denkt und wer nichts weiß, der glaubt den ganzen Nazi-Scheiß“, „Es ist genug Kölsch für alle da“, „Der Vater jeder Migräne ist Seehofer.“ Die weiße Friedenstaube auf blauem Grund ist aus den 80er Jahren hergeflattert, die Gewerkschaften und die ewige MLPD schwenken ihre Fahnen, sogar die totgeglaubten Piraten sind da.

Alles zum Thema Henriette Reker

„Aufnehmen statt Abschotten, Hierbleiben statt Abschieben, Solidarität statt Hetze, Dafür zeigen wir heute Haltung!“ ruft Wolfgang Uellenberg-van-Dawen als Sprecher des Runden Tischs für Integration ins Mikro. Man fragt sich, ob die Slogans nicht einen Tick zu plakativ sind, kaum geeignet, um den Dialog mit Menschen in Gang zu bringen, die Angst haben vor den Folgen der Migration, aber es geht heute um Solidarität – und darum, der eigenen Angst vor dem Erstarken rechter Parteien und Stimmungen zu begegnen.

Das sagen zumindest viele, mit denen man spricht: dass sie Angst haben, dass die Demokratie schleichend ausgehöhlt wird und erst dann aufbegehrt wird, wenn es zu spät ist.

Zerstörte Lebensgrundlagen

„Die Mutter aller Probleme ist die wirtschaftliche, politische und militärische Zerstörung von Lebensgrundlagen“, sagte Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats. „Der Vater aller Probleme, sind Sie, Herr Seehofer, ein Bundesinnenminister, der Verständnis für die Nazis, AfD’ler und Pegida-Anhänger in Chemnitz hat, der ein Meister der Ausgrenzung ist und der das Land spaltet!“ Tosender Applaus.

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Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses, erinnert an 1500 Menschen, die dieses Jahr auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind. Niemand dürfe als Mensch zweiter Klasse behandelt werden. Gleichzeitig fordert er Solidarität mit denen, „die sich abgehängt und als Bildungsversager fühlen, die sich Sorgen machen und Ängste haben“. Dass es „im Geiste der Nächstenliebe keinen Generalverdacht gegen Flüchtlinge, kein Jagen, keine Hetze“ geben dürfe, sagt Stadtsuperintendent Rolf Domning. Auch eine Familie aus dem Kosovo spricht. Sie ist integriert, aber ohne Bleiberecht.

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Vom Roncalliplatz ziehen die Menschen zum Heumarkt, wo Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagt: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Populisten und Rechtsextreme die Not von Menschen, die vor Armut, Krieg oder politischer Verfolgung zu uns nach Europa fliehen, dazu missbrauchen, Hass, Spaltung und Zwietracht in unsere Gesellschaft zu tragen. Migration ist eine Chance, nicht »die Mutter aller Probleme.« Wir sind die Mehrheit!“ Es folgt ein bekanntes Programm: Wilfried Schmickler und Pfarrer Hans Mörtter reden, Kasalla, Max Mutzke und die Beer Bitches mit Carolin Kebekus spielen. „Köln zeigt Haltung“ soll nur der Auftakt für viele Veranstaltungen sein, um in der Stadt zu zeigen, wie wehrhaft Demokratie ist.

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