Trotz schlechter Wahlergebnisse ist die CDU-Fraktions-Doppelspitze seit 2014 im Amt. Das ist ein Fehler, findet unser Autor.
Geplante WiederwahlKölner CDU-Fraktion hat nie personelle Konsequenzen gezogen


Kreisparteitag der CDU Köln im April 2025.
Copyright: Martina Goyert
Bernd Petelkau hat viel für die Kölner CDU erreicht, aber es ist genug. Wählt die Ratsfraktion ihn am Mittwoch für weitere vier Jahre zum Fraktionschef, wäre er 2030 insgesamt 16 Jahre im Amt, sein Geschäftsführer Niklas Kienitz ebenfalls.
Erfahrung hat einen Wert, gerade Petelkau hat mehr als einmal bewiesen, dass er viel für die CDU herausgeholt hat. Aber er hat sich ein Stück weit von den Wahlergebnissen der Partei entkoppelt – und das ist falsch. Die Fraktion, vor allem ihre Spitze, trägt eine große Verantwortung für die miesen Wahlergebnisse – und hätte schon in der Vergangenheit längst personelle Konsequenzen ziehen sollen.
Geschwächte Parteichefin
Auch Parteichefin Serap Güler ist geschwächt, wenn die Fraktion Petelkau und Kienitz wiederwählt. Ja, sie hat keinen direkten Einfluss darauf als Parteichefin. Und ja, die Auswahl der Ratskandidaten geschah vor ihrer Wahl als Parteichefin.
Schon im November 2024 war klar: Auch die nächste Ratsfraktion der CDU nach der Kommunalwahl 2025 wird eine Fraktion voller Petelkau-Unterstützer oder zumindest nicht Gegner sein.
Typisches Taktieren
Das große Problem: Jetzt fehlt es dadurch in der Fraktion an einer realistischen Alternative zu Petelkau. Als Oliver Kehrl, Vorsitzender der CDU Rodenkirchen und Petelkau-Kontrahent, nach der Wahl als Ratsmitglied hinschmiss, war eigentlich klar: Bernd Petelkau wird die kompletten fünf Jahre Ratsperiode voll machen – egal, was Güler nach dem katastrophalen Kommunalwahlergebnis verkündet hatte.
Die Aussage, Petelkau und Kienitz seien „zunächst maximal zwölf Monate“ gewählt, war leicht durchschaubares Taktieren, das Konsequenz nur simulierte. Darunter leidet Gülers Machtposition, da ist es auch egal, ob sie Petelkau beim Geißbockheim-Ausbau bei einem Randaspekt mal zurückpfeift.
Aber auch für Petelkaus Gegner ist dessen Kandidatur der erneute Beweis: Egal, was sie machen, Petelkau bleibt. Karl Mandl war sogar Parteichef, Konrad Adenauer Junior Vorstandsmitglied – und trotzdem schafften sie es nicht, Petelkau als Fraktionschef loszuwerden oder entscheidend zu schwächen.
Dass Petelkau die Fraktionswahl nun drei Monate vor der ausgerufenen Zwölf-Monats-Frist ansetzt überrumpelt die kleine Schar seiner Kritiker in der Fraktion. Seine Partei-Intimfeinde müssen sich ohnehin ankreiden lassen: In Sachen Strategie, Abgebrühtheit und Ausdauer sind sie Petelkau heillos unterlegen.

