Für die einen gilt Bernd Petelkau als kluger Taktiker, der viel für die CDU herausholt. Für andere ist er ein Feindbild, weil er immer weiter im Amt bleibt.
„Neuanfang verschoben“Bernd Petelkau will weitere vier Jahre CDU-Fraktionschef im Kölner Rat bleiben

Bernd Petelkau will weitere vier Jahre Fraktkionschef der Kölner CDU im Stadtrat sein.
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CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau und sein Fraktionsgeschäftsführer Niklas Kienitz wollen sich nächsten Mittwoch von der 18-köpfigen Fraktion im Stadtrat für weitere vier Jahre zur Doppelspitze wählen lassen. Das hat Petelkau nach Informationen dieser Redaktion am Mittwoch (20. Mai) in der Fraktionssitzung mitgeteilt.
Petelkau und Kienitz bestätigten das auf Nachfrage nicht, sie teilten nur mit: „Die CDU-Fraktion hat sich intern auf ein Verfahren zur Wahl der Fraktionsspitze verständigt. Dieses Verfahren werden wir nun gemeinsam innerhalb der Fraktion durchführen.“ Interne Personalfragen würden sie nicht kommentieren.
Stimmt die Fraktion zu, wäre das Duo bei der nächsten NRW-Kommunalwahl in vier Jahren 16 Jahre im Amt. Ihre Wahl gilt als sehr wahrscheinlich, in der Fraktion gibt es keine öffentlich wahrnehmbaren politischen Gegner – im Gegensatz zur Partei: Dort ist vor allem Petelkau umstritten.
„Neuanfang verschoben“
Beide sind seit 2014 im Amt und haben unter anderem den Stadtwerke-Skandal und schlechte Wahlergebnisse der Partei überstanden. Damals hatte die CDU 25 Mandate im 90-köpfigen Rat. Ein Beteiligter sagte am Donnerstag zur erneuten Kandidatur: „Damit ist der Neuanfang der Kölner CDU um vier Jahre verschoben.“
Auch die Vize-Fraktionschefs Helge Schlieben und Ira Sommer sollen wieder dem Fraktionsvorstand angehören und sich nächsten Mittwoch zur Wahl stellen.

Niklas Kienitz führt seit 2014 die Geschäfte der Kölner CDU-Fraktion im Stadtrat.
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CDU-Parteichefin Serap Güler sagte: „Ich arbeite mit beiden vertrauensvoll zusammen. Die neue Fraktion hatte in den letzten Monaten die Gelegenheit, sich selbst eine Meinung über die gemeinsame Arbeit zu machen. Dabei geht es um mehr als zwei Personen. Es liegt jetzt in Verantwortung der Fraktion, darüber zu entscheiden, wie Arbeitsteilung und Vorstand für die restliche Wahlperiode aussehen sollen.“ Güler war lange Jahre Vize-Vorsitzende unter Parteichef Petelkau, der das Amt 2023 verlor. Beide gelten als Vertraute.
Nach der Kommunalwahl im September 2025 und dem schlechtesten Ergebnis aller Zeiten der CDU (19,89 Prozent) bei einer Ratswahl in Köln, hatte sie gesagt: „Die dauerhafte Aufstellung der Fraktionsführung für die neue Ratsperiode wird im nächsten Jahr erfolgen. Daher hat die Partei der Fraktion vorgeschlagen, für zunächst maximal zwölf Monate zu wählen.“

Die Kölner CDU-Vorsitzende Serap Güler
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Üblich sind zunächst zweieinhalb der fünf Jahre bis zur nächsten Kommunalwahl. Doch das verheerende Wahlergebnis hatte den Druck auf Partei und Fraktion erhöht, die Verkürzung galt als Vorgehen, um Zeit zu gewinnen. Petelkau und Kienitz ließen am Donnerstag die Frage offen, ob sie die Rückendeckung der Parteispitze spüren.
Seit Jahren kritisieren prominente Köpfe der Partei öffentlich, dass die Wahlergebnisse der Partei schlechter werden – Petelkau und Kienitz aber weiter den politischen Alltag im Rat für die CDU bestimmen.
Schramma kritisiert fehlende Konsequenz
Alt-OB Fritz Schramma kündigte daraufhin an, aus der Partei auszutreten, er sagte im vorigen Oktober in Richtung Petelkau und Kienitz: „Um einen Vergleich mit dem Fußballsport zu ziehen: Wenn eine Mannschaft immer wieder verliert, dann muss der Trainer gehen.“
Verdienste als Ehrenamtler
Der Fraktionsvorsitz ist ein Ehrenamt, bringt Petelkau aber eine monatliche Aufwandsentschädigung von 2128,50 Euro sowie 709,50 Euro, weil er einen politischen Ausschuss leitet. Das entspricht aufs Jahr gesehen knapp 58.000 Euro. Dazu kommen Sitzungsgelder.
Und für die Leitung des Aufsichtsrats der städtischen Rhein-Energie und seinen Sitz im Aufsichtsrat der Stadtwerke hat er für die Jahre 2022 bis 2024 insgesamt 92.600 Euro erhalten, also im Schnitt 30.900 Euro jährlich. Vor seinem gescheiterten Wiederzug in den NRW-Landtag 2022 war Petelkau ab 2017 für fünf Jahre Berufspolitiker.
Bis 2018 hatte er in Teilzeit für eine Tochter der Commerzbank in Eschborn bei Frankfurt gearbeitet und laut seiner damaligen Internetseite als Landtagsabgeordneter hatte er im Jahr 2018 Einkünfte der Stufe 13. Laut eines damaligen Landtagssprechers entsprach das zwischen 210.000 und 240.000 Euro. Kienitz ist als Fraktionsgeschäftsführer hauptamtlich angestellt.

