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Kölner FinanzkriseClubszene warnt vor Einschnitten bei freier Szene –„Verschreckt Akteure“

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Freideck-Konzert in der Kantine

Ein Freideck-Konzert der Tom-Petty-Coverband The Pretty Heartbreakers in der Kantine (Symbolbild)

Open-Air-Veranstaltern und der Klubkomm drohen im neuen Haushaltsentwurf 2027/28 deutliche Einschnitte. Was das für die Betreiber bedeutet.

Open-Air-Kino auf dem Kalkberg, Ska-Musik im Biergarten der Kantine oder eine Klanginstallation auf dem Ebertplatz: Vom Sondertopf Open-Air-Förderung der Stadt in Höhe von 100.000 Euro haben diesen Sommer rund 25 Akteure profitiert. Open-Air ist spätestens seit der Corona-Pandemie ein politisches Thema. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, die Bedingungen für Freiluft-Angebote zu verbessern: Neben inhaltlicher Förderung möchte sie mehr Flächen generieren.

Doch wer in den neuen Haushaltsentwurf schaut, wird beim entsprechenden Posten „Sonderförderung Open-Air (Kulturamt)“ eine Null finden. Für die infrastrukturelle Erschließung von Open-Air-Flächen hingegen wird weiterhin wie in den beiden Vorjahren mit 100.000 Euro für 2027 geplant und mit 90.000 Euro im Jahr 2028.

Auch die Kölner Klubkomm, der Verband der Kölner Clubs und Veranstalter, hat noch keine finanzielle Gewissheit und sieht sich mit diversen Nullen im neuen Haushaltsentwurf für den Doppelhaushalt 2027/28 konfrontiert. „Was wir im Entwurf feststellen, ist, dass die infrastrukturellen Kürzungen nicht so groß ausfallen wie die Förderungen für das Programm“, sagt Heiko Rühl, Vorstandsmitglied bei der Klubkomm und Betreiber des Clubs Gewölbe am Westbahnhof. „Gewisse Einzelposten erodieren nicht nur, sondern fallen in der Entwurfsplanung komplett weg. Das verschreckt die Akteure“, sagt Rühl, wohlwissend, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Viele der Mittel, die die freie Szene, darunter eben auch die Clubs und Veranstalter, 2026 erhalten hat, entstammen der sogenannten Kulturförderabgabe. Diese speist sich aus der Übernachtungssteuer.

09.12.2020, Köln: Wie geht es weiter mit der Kölner Kultur; Heiko Rühl, Gewölbe und Clubkomm. Foto: Max Grönert

Heiko Rühl im Club Gewölbe (Archiv)

Heiko Rühl von der Klubkomm: Freie Szene „veritabler Teil der Kölner Kultur“

Deswegen stehen auch bei einigen freien Theatern die Mittel noch auf Null, weil die Mittelvergabe erst noch politisch entschieden werden muss (wir berichteten). Die Stadt teilt auf Nachfrage mit: „Die Ergebnisse des Beschlusses werden von der Kämmerei möglichst eins zu eins in den endgültigen Haushaltsplanentwurf eingearbeitet, welcher dann durch den Rat beschlossen werden soll. Die Stadtverwaltung kann also in der Aufstellung des ersten Entwurfes zukünftige Kulturförderabgabemittel nicht ‚einplanen‘“, so die Sprecherin. Die politischen Beratungen zum Haushaltsentwurf 2027/28 stünden am Anfang und „diese werden zeigen, ob sich diese Zahlen noch verändern“.

Auch über die institutionellen Förderungen für Interessensvertretungen aus der freien Szene wie Kinoaktiv e.V. oder eben die Klubkomm sei noch nicht abschließend entschieden worden. „Diese Zuschüsse müssen per Beschluss des Ausschusses Kunst und Kultur vergeben werden, was voraussichtlich im kommenden Ausschuss am 1. Oktober 2026 passieren wird.“

Dennoch ist bereits jetzt klar, dass die städtischen Mittel für die freie Szene insgesamt gekürzt werden. Während 2026 13,2 Millionen Euro in die freie Szene flossen, sind 2027 etwa 10,7 Millionen eingeplant. Das sind gemessen an den Gesamtausgaben der städtischen Kulturförderung, die 2027 154 Millionen Euro betragen sollen, lediglich rund sieben Prozent.

Auch die Mittel der Kulturförderabgabe sind begrenzt: Von über 20 Millionen sind laut Kultur-Netz derzeit nur rund zwei Millionen Euro für die freie Szene. Hoffnungsträger könnten nun der neu beschlossene Kulturfonds in Kooperation mit Rewe oder der von Musicalunternehmer Frank Blase versprochene private Zuschuss von einer Million pro Jahr (insgesamt zehn Millionen) für die freien darstellenden Künstler sein (wir berichteten).

Die Klubkomm bereitet sich indes auf Gespräche mit der Politik vor. Dass es unter der desolaten Haushaltssituation nicht ohne Kürzungen geht, sei verständlich, so Rühl. Doch: „Es gibt Teilbereiche, in denen nicht gekürzt wird, sondern die wachsen. Da zeigt sich eine politische Schwerpunktsetzung.“ Der Bereich Pop- und Subkultur hätte es verglichen mit anderen schwer. „Die freie Szene ist und bleibt ein veritabler Teil der Kölner Kultur, sie bringt ein unfassbares Angebot ein. Dass der Anteil der freien Szene gerade heruntergefahren wird, ist nicht Ordnung. Gerade die allgemeinen Kosten- und tariflichen Lohnsteigerungen der letzten Jahre lassen Kürzungen zulasten weiterer prekärer Verhältnisse nicht zu“, sagt Rühl.

Klubkomm gibt Workshops, fördert kleine Technikinvestitionen

Mit den 60.000 Euro im Bereich Musik für die Klubkomm finanzierte der Verband etwa Beratungsangebote für seine Mitglieder, wie Workshops zum Thema „Safer Nightlife“ (20.000 Euro), und Technikförderung (40.000 Euro). „Damit haben wir die Anschaffung von technischen Kleinstgeräten wie Mischpulten zwischen 2000 und 4000 Euro ermöglicht. Wir hatten über zwei Dutzend Antragsteller. Das nimmt den Betreibern, auch gerade bei Neueröffnungen, den Druck.“ Mit Mitteln aus der Wirtschaftsförderung hat die Klubkomm ihr Format „Cologne Club Days“ finanziert: Auch diese sind nun unsicher. Szenenvertreter treffen sich zum fachlichen Austausch, und es gibt gemeinsame Clubabende für die Gäste. „Auch für den letzten Haushalt haben wir Gespräche geführt, aber da haben wir nicht über so drastische Einschnitte gesprochen“, sagt Rühl.