Vermögensverwalter Flossbach von Storch wollte ein 103-Meter-Hochhaus bauen. Selbst die Dom-Verträglichkeit wurde attestiert. Jetzt kommt das Aus.
Großbauprojekt gescheitertKölner Unternehmen stoppt Pläne für 103-Meter-Hochhaus

Der Innenhof des geplanten Hochhauses soll öffentlich zugänglich sein.
Copyright: Eberle Architekten
Es sind keine guten Zeiten für neue Hochhäuser in Köln: Nachdem die DEVK-Versicherung den Bau ihres 144-Büroturms offiziell zunächst nur überprüft, stoppt nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch die Pläne für seine neue 103-Meter-Zentrale an der Messe.
Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung am Montag nicht äußern, doch mehrere mit der Angelegenheit vertraute Quellen bestätigten die Nachricht. Demnach ist das Großbauprojekt an der Deutz-Mülheimer Straße nicht nur aufgeschoben, sondern komplett gestoppt.
Zu den Gründen hieß es hinter vorgehaltener Hand, dass sich die Rahmenbedingungen mittlerweile verändert haben und damit auch die weltweiten Risiken sowie ihre Auswirkungen – auch auf die Aktienmärkte. Zudem kämpfen vor allem Büroimmobilien mit Nachfrageproblemen, unter anderem beim neuen Gewerbegebiet I/D Cologne (wir berichteten am Montag).
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So sollte das am Deutzer Messeglände geplante Hochhaus aussehen.
Copyright: Eberle Architekten
Bert Flossbach und Kurt von Storch hatten ihre Vermögensverwaltung 1998 gegründet. Mittlerweile betreuen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund 70 Milliarden Euro von Privatkunden und institutionellen Investoren.
Für das Unternehmen hätte eine dreistellige Millionen-Euro-Investition ein erhebliches Risiko dargestellt. Eigentlich sollte das neue Hochhaus etwa 2029 stehen. Daraus wird nun nichts. Wie es auf dem Grundstück weitergeht, ist noch offen, weil die Entscheidung noch relativ frisch ist.
Architektenentwurf lag schon vor
Noch am 15. Mai 2025 hatte die von Flossbach von Storch eigens gegründete Entwicklungsgesellschaft KDM30 Immobilien GmbH die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens beantragt. Der Stadtentwicklungsausschuss des Rates stimmte vier Wochen später zu, auch einen Architektenentwurf für das Gebäude gibt es seit Oktober 2024. Er stammte vom Büro Baumschlager Eberle Architekten aus Berlin.
In dem 103-Meter-Hochhaus samt viergeschossigem Anbau sollten die Mitarbeiter des Unternehmens unterkommen, die bislang im Köln-Turm (149 Meter) im Mediapark und an anderer Stelle in Deutz sitzen. Die Idee war, sie in einem Gebäude zusammenzuführen.
Tausend Arbeitsplätze waren geplant
Aber Flossbach von Storch wollte auch Etagen vermieten, insgesamt sollten so rund tausend Arbeitsplätze entstehen. Ein weiteres, sechsgeschossiges Gebäude sollte das Hochhaus ergänzen, wobei das Hochhaus inklusive Anbau 78 Prozent der Bruttogeschossflächen gestellt hätte. Auch ein Parkhaus sowie eine Tiefgarage waren geplant.

So sollte das DEVK-Hochhaus aussehen.
Copyright: JSWD
Wie berichtet, hatte erst im Oktober auch die DEVK angekündigt, ihre Hochhaus-Pläne für das Areal neben der eigenen Zentrale am Zoo zu überprüfen und alternative Konzepte zu erwägen. Welche das sind, ließ die DEVK bis heute offen. Sie saniert derzeit auch ihre Zentrale. Kaum noch jemand in Köln geht noch davon aus, dass die DEVK das Hochhaus an der Riehler Straße tatsächlich bauen lässt.
Die Architekten von JSWD hatten zuvor das Verfahren für den DEVK-Neubau gewonnen, ihr Entwurf sah ein 144 Meter und ein 44 Meter hohes Gebäude für größtenteils Büros vor, sie sollten verbunden sein über einen fünfgeschossigen Sockel. Weil die Baupreise gestiegen sind, der Trend zum Homeoffice zugenommen hat und das Interesse von Mietern an den Büroflächen im Hochhaus nachgelassen habe, bezeichnet die DEVK das Großbauprojekt als „weniger attraktiv“.
DEVK hatte viel Druck ausgeübt
In Rathaus und Stadtrat ist häufig die Rede davon, dass die DEVK „gesichtswahrend“ aus der Sache herauskommen will, weil sie vorher viel Druck auf die Verwaltung und die Politik gemacht und unter anderem mit einem Wegzug aus Köln gedroht hatte.
Das war im Fall von Flossbach von Storch anders, das Unternehmen lobte in der Vergangenheit die Zusammenarbeit mit der Stadt.
Geplantes Hochhaus wurde kleiner
Als die Pläne für ein Hochhaus im Jahr 2023 erstmals publik geworden waren, hatte Flossbach-von-Storch-Mitgründer Kurt von Storch gesagt: „Wir möchten ein klares Bekenntnis zu Köln abgeben, unsere Investition ist auf Jahrzehnte angelegt. Das Hochhaus soll keine Standardimmobilie sein, sondern ein visuelles Schmuckstück für das Stadtbild – sehr modern und vor allem nachhaltig.“
Zunächst wollte das Unternehmen ein 120-Meter-Haus bauen, doch im Herbst 2024 wurde klar, dass das Hochhaus rund 14 Prozent niedriger und statt 120 Metern nur noch 103 Meter hoch sein sollte. Gutachter Peter Eisenlauer hatte laut Stadt eine Höhe deutlich unterhalb der Höhe des Vierungsturms des Kölner Doms (109 Meter) empfohlen.
Sensibel wegen des Doms
Hochhaus-Bauten in Köln sind wegen des Doms (157 Meter) sensibel: Schon in der Vergangenheit hatten entsprechende Pläne für viel Streit gesorgt, als in Deutz neue Gebäude gebaut werden sollten. Der Dom stand deshalb von 2004 bis 2006 sogar auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbegüter der Unesco.
Die Unesco ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. Baumaßnahmen sind laut Unesco einer von 14 Faktoren, die Welterbestätten wie den Dom gefährden.
Erst als die Stadt von den Plänen abrückte, verschwand der Dom von der Liste. Es gibt mittlerweile auch eine sogenannte Pufferzone um den Dom. Vor vier Monaten hatte eine Prüfung ergeben, dass das 103-Meter-Haus von Flossbach von Storch den Unesco-Status nicht gefährdet. Es ist eine Prüfung, die ab sofort wertlos ist.

