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Plötzlich doch Wohnungen?Entwickler prüfen Wohnnutzung für Kölns größtes Gewerbeprojekt

5 min
Der Blick dieser Visualisierung geht von Norden auf das Gewerbegebiet I/D Cologne in Mülheim. Es soll 2031 nach 13 Jahren Bauzeit fertig sein.

Der Blick dieser Visualisierung geht von Norden auf das Gewerbegebiet I/D Cologne in Mülheim. Es soll 2031 nach 13 Jahren Bauzeit fertig sein.

Seit 2018 entsteht in Mülheim das I/D Cologne, vor allem Büros sind dort geplant. Doch für das nördliche Areal könnte sich das ändern. 

In Kölns „größter gewerblicher Quartiersentwicklung“ könnten weniger als die 7000 geplanten Arbeitsplätze entstehen. Im sogenannten I/D Cologne in Mülheim an der Keupstraße prüfen die Projektentwickler Osmab und Art Invest Real Estate, zwei der elf Baufelder doch nicht als Bürohäuser zu bauen. Das teilten sie auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit.

Einen Zusammenhang mit den Problemen auf dem Immobilienmarkt für Büros bestätigten sie nicht, eine Sprecherin sprach von „alternativen Nutzungen“, konkretisierte aber nicht, was damit gemeint ist.

Immobilienökonom Danijel Dzerek vom Kölner Büro der Immobilienberater von Savills sagte: „Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation in der Republik werden Entscheidungen maximal hinterfragt und das kumuliert in allen deutschen Büromärkten in längeren Entscheidungsprozessen.“ Aber was heißt das für das neue, viele hunderte Millionen Euro teure Büroviertel in Köln? Und wie geht es weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Das geplante Hochhaus I/D Cologne in Köln-Mülheim

Das geplante Hochhaus I/D Cologne in Köln-Mülheim

Worum geht es?

Um das Gelände des früheren Güterbahnhofs Mülheim, es ist umgerechnet so groß wie rund zehn Fußballfelder und fußläufig rund 800 Meter vom Wiener Platz entfernt. 2018 folgte der erste Spatenstich für das I/D Cologne, ein Jahr später war das Parkhaus fertiggestellt, 2021 kam mit dem Haus am Platz das erste Haus dazu. Der Name I/D Cologne soll für Identität und Individualität stehen.

Wie ist der aktuelle Stand?

Sieben der elf Gebäude sind mittlerweile fertiggestellt, es sind sechs Häuser und das Parkhaus. Sie stehen vor allem im südlichen Teil des Geländes. Die Häuser sind laut Osmab und Art Invest Real Estate zu hundert Prozent vermietet. Vor allem handelt es sich um Büroflächen für Firmen wie Renault, Siemens oder die Stadt Köln. Dazu kommen Gastronomie, ein Hotel oder auch ein Fitnessstudio. 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sind fertig gebaut, weitere 60.000 sollen folgen. 2031 soll alles fertig sein, es dauert also länger als angenommen. Vor zweieinhalb Jahren war die Rede von 2028/2029.

Was passiert als nächstes?

Sowohl das Hochhaus namens Scala als auch das sogenannte Stellwerk werden wohl wieder Bürohäuser, laut der Sprecherin richten sich die Anfragen interessierter Firmen danach. „Wir haben diverse Gespräche mit unterschiedlichen Nutzern, sobald eine Vorvermietung erfolgt ist, wird ein weiteres Gebäude errichtet werden.“

Das heißt aber auch: Es gibt zwar Interesse, aber noch keinen Vertrag. Immobilienökonom Dzerek sagte zur allgemeinen Lage auf dem Markt: „Anders als früher fordern die Banken teils eine Vermietungsquote von bis zu 70 Prozent, um eine Projektentwicklung zu finanzieren. Deshalb ist es schwieriger geworden, Bauprojekte zu starten.“

Für das Scala gibt es beim Immobilienberater Colliers eine Anzeige, in der das Baujahr noch mit 2025 angegeben ist und es heißt, das Gebäude wäre ab 2027 verfügbar. Der Mietpreis beträgt demnach ab 27,50 Euro je Quadratmeter. Aktuell steht auf dem Grundstück der sogenannte Spiegelpalast, in dem das freie Theater Urania seine Aufführungen präsentiert. Eine Sprecherin erwartet die Baugenehmigung für das Stellwerk „in Kürze“. Demnach soll es das erste Bürogebäude in Vollholz in Köln sein.

Der nördliche Teil des Areals ist noch eine Brachfläche.

Der nördliche Teil des Areals ist noch eine Brachfläche.

Und was ist jetzt neu?

Dass nun vermehrt andere Nutzungen als Büros in den Blick geraten für die verbliebenen beiden Häuser. Es geht um den nördlichen Teil, in dem sich die Häuser um einen großen Platz aufstellen. Die Sprecherin teilte dazu mit: „An uns werden mehrere Anfragen herangetragen, ebenso mit anderweitigen Nutzungskonzepten, die wir ebenso für ausgewählte Baufelder untersuchen. Dabei handelt es sich um Ideen, die konzeptionell angedacht sind.“

Und diese möglichen anderen Nutzungen sind erlaubt?

Nein. Das sagt auch die Verwaltung: Demnach hat der Stadtrat 2017 eine gewerbliche Nutzung festgesetzt. „Grundsätzlich“ sei es aber denkbar, auch andere Nutzungen zu etablieren. Die Stadt teilte mit: „Ob der Bebauungsplan geändert werden kann, hängt im Wesentlichen von der Verträglichkeit der neuen Nutzung mit den benachbarten Quartieren und Infrastrukturanlagen ab. Das sind zum einen im Osten die Gleistrassen und die industriellen Nutzungen, zum anderen im Westen die vorhandene gemischte Nutzung mit Wohnbebauung.“ Ein neues Konzept, etwa mit Wohnungen, „muss nachweisen, dass es unter den gegebenen Umständen funktioniert“. Ein großes Thema sind die Lärmbelastungen und die erlaubten Grenzwerte: Für Wohngebiete sind sie niedriger.

Die Sprecherin des I/D Cologne sagte dazu: „Die Umsetzbarkeit, auch planungsrechtlich, wird mit Verwaltung und Politik zu diskutieren sein.“

Warum sind plötzlich andere Konzepte denkbar, wenn es doch ein reines Gewerbeviertel werden sollte?

Das lassen Art-Invest Real Estate und Osmab offen. Immobilienökonom Dzerek sagte: „Ja, die Büromarktsituation ist angespannt, aber Bewegung ist weiterhin vorhanden. Das gilt auch für das I/D Cologne: Mögliche Interessenten prüfen die Immobilie heute deutlich detaillierter und nehmen sich mehr Zeit für die Entscheidungsfindung als noch vor Jahren.“

Chronik

1981 Stadtrat beschließt Entwicklungskonzept Mülheim-Nord. Danach Sanierung bis 2004

2001 Rat verabschiedet Rahmenkonzept, um dort Büros, Gewerbe, Industrie und untergeordnet Wohnen unterzubringen

2002 Erster städtebaulicher Wettbewerb. Problem: Der Bürostandort Mülheim-Nord war laut Stadt nicht nachgefragt

2009/2010 Weitere Workshops zur Frage, was dort wie gebaut werden soll

2014 Neues Werkstattverfahren wird unterbrochen, weil Zurich-Versicherung Umzug von Bonn nach Mülheim erwägt

2015 Zurich sagt ab und entscheidet sich für die Messe-City am Bahnhof Messe/Deutz, Werkstattverfahren für Mülheim abgeschlossen

Statt des geplanten Hochhaus steht auf dem Grundstück der sogenannte Spiegelpalast.

Statt des geplanten Hochhaus steht auf dem Grundstück der sogenannte Spiegelpalast.

2018 Erster Spatenstich für das neue „I/D Cologne“

2019 Parkhaus ist fertig

2021 Haus am Platz ist als erstes Haus fertiggestellt

2031 Geplantes Bauende für das gesamte Areal