Tägliche Kontrolle nötigKölner Bühnen-Sanierung ist weiter zu langsam

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Das Bild zeigt mehrere Gebäude am Offenbachplatz.

Seit fast zwölf Jahren Baustelle: Das Schauspielhaus und die Oper am Offenbachplatz.

Zu wenig Tempo, Kündigungen und höhere Finanzierungskosten: Die Kölner Bühnen-Sanierung lieferte auch am Dienstag keine guten Nachrichten.

Das Sanierungstempo der Kölner Bühnen am Offenbachplatz bleibt zu langsam, um den Fertigstellungstermin am 28. Juni einzuhalten. Das geht aus dem neuesten Bericht des Projektsteuerers für den Monat Februar hervor, der seit Dienstag vorliegt. Mittlerweile müssen die Verantwortlichen sogar jeden Tag den Baufortschritt in den kritischen Teilen der Baustelle kontrollieren, weil die Vorarbeiten des Trockenbaus zu langsam vorangehen. Dadurch können die Elektroanlagen nicht installiert werden.

Die Verantwortlichen um Sanierungschef Bernd Streitberger haben im Trockenbau Kündigungen ausgesprochen und suchen jetzt andere Firmen – gut drei Monate vor dem geplanten Fertigstellungstermin. Insgesamt sind Stand 29. Februar nur zwölf weitere Baustellenbereiche im Februar fertiggestellt worden, damit sind es 107 von 312. Das entspricht nur 34,3 Prozent, allerdings sind nicht alle 312 Bereiche gleich groß.

Streitberger sagte: „Wir sind mit allen Beteiligten in einem konstruktiven Dialog, wie wir weiter an Geschwindigkeit zulegen können. Es ist dadurch aber auch allen klar, dass es in der jetzigen Lage auf jede abgeschlossene Leistung ankommt und Warten keine Option für uns ist.“

Der nächste sogenannte Meilenstein auf dem Weg, doch noch die Fertigstellung im Juni zu erreichen, ist laut einer Mitteilung der Bühnen der 30. April. An diesem Tag entscheidet sich, ob IT und Theatertechnik staubfrei sind. Zuletzt wurde am 29. Februar die Fertigstellung der Rauchschutzdruckanlage erfolgreich gemeistert, auch diese hatte lange für Probleme gesorgt.

Wie berichtet, führte mehr Tempo 2015 zu mehr Chaos auf der Baustelle, letztlich sagte die Stadt die für November geplante Eröffnung im Sommer  ab. Die Bühnen-Verantwortlichen weisen stets darauf hin, dass die Pläne nach der Neuaufstellung des Projekts ab 2016 besser als früher seien, doch auch jetzt hakt es in der finalen Phase.

Ursprünglich sollte die 2012 begonnene Sanierung von Oper, Schauspiel, Kinderoper und Kleinem Haus 2015 beendet sein, doch Probleme mit der Haustechnik, beispielsweise der Lüftung, sorgten für eine nahezu komplette Neuplanung. Die geplante Fertigstellung rückte immer weiter nach hinten, im Vorjahr korrigierte Streitberger den Termin vom 22. März auf den 28. Juni – doch auch dieser Termin wackelt.

Im Monatsbericht heißt es: „Für eine vollumfängliche Fertigstellung aller Bereiche zum 28.06.2024 müssen die Intensivierung der Bautätigkeit kurzfristig umgesetzt und die bisherigen Termindefizite aufgeholt werden.“ Bis zum 17. Mai muss die Sachverständigenprüfung abgeschlossen sein, dann beginnt die sogenannte Wirkprinzipprüpfung.

Aktuell gehen Streitberger und sein Team von Baukosten von 703 Millionen Euro aus, ursprünglich geplant waren 2012 mal 253 Millionen Euro. Dazu kommen 371 Millionen Euro Kosten für Kredite, das ist eine deutliche Steigerung um 54 Millionen Euro von zuvor 317 Millionen Euro.

Kosten von mehr als 1,2 Milliarden Euro

Der Grund dafür ist, dass der Stadtrat im März das Budget aufgrund der längeren Bauzeit von 672 auf 709 Millionen Euro erhöhen musste. Bau inklusive der Kredite belaufen sich momentan auf 1,074 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In ihrem Haushalt für das Jahr 2023 hatte die Stadt für die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe 1,093 Milliarden Euro veranschlagt.

Zusätzlich muss die Stadt Köln für die Interimsspielstätten von Oper (Staatenhaus) und Schauspiel (Depot) im Rechtsrheinischen noch aktuell rund 130 Millionen Euro einplanen. So steht das Gesamtprojekt mittlerweile bei rund 1,204 Milliarden Euro. Zur Einordnung: Für 2024 hatte die Stadt einen Haushalt mit Ausgaben von insgesamt 5,757 Milliarden Euro prognostiziert. Die Kosten für die Bühnen-Sanierung, verteilt auf viele Jahrzehnte, würden theoretisch 20 Prozent des städtischen Haushaltes des Jahres 2024 ausmachen.

Wann die Bühnen am Offenbachplatz wieder eröffnen, ist unklar. Einen regulären Start des Spielbetriebs im September und Oktober hatte die Stadt zuletzt als nicht realistisch bezeichnet, die Spielzeit 2024/2025 beginnt also wieder in Staatenhaus und Depot.

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