„Periodensimulator“Kölner Schuhgeschäft lässt Männer Regelschmerz nachempfinden

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Ein Mann in schwarzem Pulli

KStA-Reporter Talha Avcu testet den Periodensimulator.

Im Rahmen des Weltfrauentags hatte ein Schuhgeschäft in der Kölner Schildergasse eine besondere Idee: Männer Regelschmerzen nachempfinden lassen.

Anlässlich des internationalen Frauentags starten in Köln viele Geschäfte Aktionen rund um dieses Ereignis. So präsentiert das Schuhgeschäft Onygo in der Schildergasse einen Periodenkrampfsimulator, mit dem Männer nachempfinden können, wie sich Menstruationsschmerzen anfühlen.

Das Gerät, das die Magenkrämpfe während der Regel simulieren soll, ist eine Elektro-Myo-Stimulation (EMS) und eigentlich zum Muskeltraining gedacht. Es sendet elektrische Impulse über die Nervenbahnen und löst ein gezieltes Zusammenziehen der Muskeln aus. Dadurch entstehen krampfartige Schmerzen. Elektroden, die an den Bauch des Probanden geklebt werden, verbinden das EMS-Gerät mit dem Körper.

Die Idee für den Periodenkrampfsimulator stammt von der Internetplattform TikTok, wo schon mehrere Videoblogger das EMS-Gerät öffentlichkeitswirksam ausprobiert haben. Das bot auch „Onygo“ Anlass, den Simulator ihren Kunden vorzustellen. Er kann bis zur Stufe 50 aufgedreht werden.

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Periodensimulator in Köln getestet: „Sehr unangenehmes Gefühl“ 

„Es ist eine coole Aktion, um Männer darauf hinzuweisen, welche Schmerzen wir da jeden Monat haben“, sagt Wiebke Lübbermann, die die Social Media Kanäle von „Onygo“ verwaltet. „Man kann den Periodenschmerz nicht direkt nachmachen, weil die Gebärmutter ja tiefer und auch im Körper sitzt, aber wir wollen einfach das Empfinden etwas nachstellen.“ Die Schmerzintensität und das Zusammenziehen der Muskeln seien dabei sehr realitätsnah, erklärt Lübbermann.

Auch wir haben den Periodenkrampfsimulator bei „Onygo“ ausprobiert. KStA-Reporter Talha Avcu empfindet die Schmerzen als sehr stark. Erst beschreibt er es als „ganz leichtes Vibrieren“ im Bauch, dann als „sehr unangenehmes Gefühl“. Während des Tests beginnt sein Oberkörper zu zittern, als das „Onygo“-Personal die Intensität der Elektroimpulse erhöht. Bei Stufe 36 bricht er ab. „Das Vibrieren wurde immer stärker“, sagt Talha. Er könne Periodenschmerzen jetzt viel besser nachempfinden.

„Man stößt als Frau so oft auf Unverständnis“, sagt Lübbermann. Umso mehr freut es sie, wie interessiert und positiv die Aktion bei den Kunden ankommt. „Es kommen viele junge Mädels, die ihrem Freund sagen ‚Hey, probier das mal aus‘. Die Jungs konnten wir dadurch mehr sensibilisieren.“ „Onygo“ veranstaltet den Test im Rahmen einer Kampagne zum Internationalen Frauentag.

Kölner halten Weltfrauentag für wichtig

In den vergangenen Jahren war der Weltfrauentag häufiger kritisiert worden. So forderte zum Beispiel die bekannte Feministin Alice Schwarzer wiederholt seine Abschaffung, bezeichnete ihn als „galante Geste - und wie jede Galanterie gönnerhaft, ja eigentlich verächtlich“. Frauen würden nur mit „lauwarmem Sekt im Büro und den immergleichen Sprüchen in der Politik“ abgespeist.

Viele Kölner halten den Frauentag aber weiterhin für wichtig. Felix meint: „Es gibt viele Punkte, wo es immer noch Vorteile für Männer gibt. Entsprechend ist der Weltfrauentag dafür da, dass auf diese Punkte aufmerksam gemacht wird und man die Leute informiert, wo die Lücken sind.“

Jonas Mückl pflichtet dem bei. Zwar hätte die Gesellschaft beim Thema Gleichberechtigung schon einen großen Sprung gemacht, „aber ich finde in der heutigen Zeit kann man noch mehr tun. Von daher ist es vollkommen richtig, dass man dem Tag auch die gewisse Aufmerksamkeit widmet.“

Greta sagt: „Wir haben ja immer noch Probleme mit Gleichberechtigung, Geschlechterrollen und sexueller Gewalt gegen Frauen.“

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