Trotz eines politischen Beschlusses bleiben Kölner Schulhöfe nachmittags und am Wochenende geschlossen. Die Stadt arbeitet seit einem Jahr an einer Lösung.
Kinder dürfen nicht spielenKölner Schulhöfe bleiben weiter nach Unterrichtsende zu

Auf dem Hof der Grund- und Hauptschule Baadenberger Straße hatten Kinder sich ein paar Jahre lang auch am Wochenende spielen und bewegen dürfen.
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Kölner Kinder dürfen nach der Schule weiterhin nicht nachmittags an Werktagen und am Wochenende auf den städtischen Schulhöfen spielen. Das geht aus einer Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der FDP im Schulausschuss hervor: „Die Verwaltung prüft aktuell die Möglichkeiten zur Umsetzung technischer Lösungen, die eine dauerhafte Schulhoföffnung ermöglichen.“ Stefanie Ruffen, schulpolitische Sprecherin der FDP, sagt: „Das ist nicht nur enttäuschend, das ist schlicht frech.“
Ende 2021 hatte die Stadt Köln testweise neun Schulhöfe geöffnet, einen je Stadtbezirk, damit Kinder und Jugendliche dort spielen können – und das lief gut. So urteilte die Stadt vor drei Jahren: „Vor allem Kinder und Jugendliche haben das Angebot vielfach genutzt. Eine Befragung der Nutzer hat gezeigt, dass sie die neu gewonnenen Freizeiträume sehr schätzen – besonders für Ballsportarten.“
Pilotprojekt an neun Schulhöfen wurde gut angenommen
Doch Ende 2024 stellte die Verwaltung das Projekt plötzlich ein. Das traf die Kinder und Jugendlichen wie auch die Schulen damals ohne Vorwarnung, es hagelte wütende Kommentare (wir berichteten). Kinder standen plötzlich vor verschlossener Tür, als sie wie immer nachmittags auf dem Schulhof kicken wollten. Am Schultor fanden sie lediglich eine mit Kabelbindern am Schultor befestigte Mitteilung, dass das Projekt „Offene Schulhöfe“ wegen „nicht zur Verfügung stehender Mittel“ eingestellt werde.
Die „Offenen Schulhöfe“ waren schlicht zu teuer. Die Stadt bezifferte die Kosten auf mehr als 500.000 Euro jährlich, das war ihr zu viel. „Völlig absurd“ nannte der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Grüne) diese Summe. Laut Stadt verteilen sie sich auf Reinigungskosten in Höhe von 233.236 Euro und Schließungskosten von 265.499 Euro. Das wären 152 Euro pro Schulhof pro Tag bei einer Öffnung von 365 Tagen pro Jahr. Zur Einordnung: Für dieses Jahr plant die Stadt mit Ausgaben insgesamt von 6,7 Milliarden Euro in ihrem Haushalt.
Der Schulausschuss des Stadtrates hatte deshalb vor einem Jahr einstimmig dafür votiert, mindestens einen Schulhof pro Stadtbezirk nachmittags und am Wochenende wieder zu öffnen. Die Verwaltung sollte sich außerdem die Kosten optimieren und das erfolgreiche Konzept auch perspektivisch auf weitere Standorte auszuweiten. Was der Politik wichtig war: All das sollte schnell gehen.
Bis Mai 2025 passierte nichts, die FDP hakte nach. Im März dieses Jahres, zehn Monate später, kam nun die Antwort der Statdt: Eine Lösung gebe es immer noch nicht. Man arbeite daran und befrage andere Kommunen nach ihren Erfahrungen. „Analog dazu wirbt die Verwaltung in Schulen aller Bezirke für eine Teilnahme an entsprechenden Lösungen.“ Das ist kein anderer Stand als im Sommer 2025.
Dabei hat die Stadt selbst die Öffnungen von Schulhöfen in der Spielraumplanung bis 2030 festgehalten. In dem 204-Seiten-Konzept geht es darum, wie viel Platz Kinder in Köln brauchen. Dort heißt es in Behörden-Deutsch: „Erforderlich ist hierfür die gewissenhafte Auslotung verschiedenster Interessen und Bedarfe aller am Öffnungsgeschehen beteiligten Partnerinnen und Partner, um über einen abgesicherten Handlungsmodus erfolgreiche und dauerhafte Öffnungen vornehmlich schulisch genutzten Raumes umsetzen zu können.“ Auf gut Deutsch soll das wohl heißen: Für die Stadtverwaltung ist es sehr kompliziert.
Schulhof als Treff im Veedel für Familien
Besonders die Eltern, Kinder und Lehrer der Gemeinschaftsgrundschule Nesselrodestraße in Köln-Niehl bedauern die Schulhofschließungen. In einem offenem Brief sie 2025: „Unser Schulhof ist mehr als ein Ort, an dem sich die Schüler in den Pausen die Beine vertreten. Hier ist der Treffpunkt unseres Veedels, auch an den Nachmittagen und am Wochenende.“ Den Hof in Eigenregie über Eltern, Ehrenamtliche oder Vereine zu öffnen, überfordere die Schule jedoch, sagte Leiter Birger Heusinger: „Wir würden den Schulhof gerne sofort wieder öffnen, da es einerseits wenig Alternativen in der Umgebung gibt und wir andererseits kaum Probleme mit Verschmutzung und Vandalismus hatten.“ Doch: „Es findet sich niemand“, sagte Heusinger.
Stefanie Ruffen sieht die Schuld für die Misere nicht nur die Stadt. Sie kritisiert auch das ehemalige Ratsbündnis aus Grünen, CDU und Volt. Das hatte einmalig 100.000 Euro für die Öffnung der Schulhöfe zur Verfügung gestellt. Doch laut Ruffen stellte die Verwaltung schon damals unmissverständlich klar, dass jährlich mehr als 500.000 Euro erforderlich sind.
Ruffen sagt: „Mit einem Federstrich Schulhöfe zur freien Nutzung wieder zu öffnen, nachdem man entsprechende Haushaltsmittel gekürzt hatte – das ist keine seriöse Politik, sondern reiner Schwindel und Wählertäuschung.“ Wer ernsthaft mehr Spiel- und Bewegungsflächen für Kinder will, müsse sie auch finanzieren.
