„Nicht genehmigungsfähig“Stadt Köln will Karnevalsparty auf den Uniwiesen verbieten

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Die Karnevalsparty am 11.11.2021 auf den Kölner Uniwiesen. Diese ist laut dem neuen Veedelsbeirat nicht haltbar.

Köln-Innenstadt – Die Bezirksvertretungen Innenstadt und Lindenthal sollen beschließen, dass die Uniwiese am 11. 11. und während des Straßenkarnevals nicht wieder als Ausweichfläche mit Bühnenprogramm zu dem Zweck genutzt wird, das Studentenviertel vom Besucherandrang zu entlasten. Dafür hat sich der Veedelsbeirat Kwartier Latäng auf seiner konstituierenden Sitzung einstimmig ausgesprochen. Freilich hat das Gremium keine Entscheidungsbefugnis und kann nur Empfehlungen und Anregungen geben.

Kölner Feiermeile: Atmosphäre soll verändert werden

Entstanden ist es als Folge einer Bürgerversammlung mit Podiumsdiskussion im März, bei der Anwohner und Gastronomen ihrem geballten Unmut über die Zustände im Viertel Luft machten. Diese seien vor allem an den Karnevalstagen, aber auch an den Wochenenden unerträglich, verursacht von feierwütigen betrunkenen Jugendlichen. Das Viertel leide unter Lärm, Verschmutzung, Wildpinklern und der Aggressivität der Besucher.

11.11. Reaktion Zülpicher

Die Zülpicher Straße gilt als besonderer Feier-Hotspot am 11.11.

Früher habe sich das nächtliche Publikum unter anderem aus der „Bohème“, Studenten und Anwohnern zusammengesetzt, sagte Markus Vogt, Vorsitzender des Vereins Gastro Kwartier Latäng, in der Sitzung; heute dagegen dominierten „minderjährige alkoholaffine Kids aus dem Umland“ – Jugendliche, die sich den Alkohol mitbringen oder in den Kiosken besorgen, um auf der Straße zu feiern, statt in die Kneipen zu gehen.

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Kwartier Latäng: „Image als Ballermann von Köln“

Auch wegen der Berichte in der überregionalen Presse über den Kölner Karneval habe das Quartier das Image eines „Ballermann-Veedels„, in dem man sich austoben könne, sagte Vogt. „Das, was wir wollen, ist Qualität und kein Ballermann“, konstatierte Bezirksbürgermeister Andreas Hupke. Der Beirat habe die Aufgabe, dementsprechend „Ziele zu definieren“. Das „transparente, öffentlich tagende Gremium“, dessen Mitglieder von der Politik bestimmt sind, „lässt jeden zu Wort kommen, der konstruktive Vorschläge zur qualitativen Verbesserung des Quartiers vorbringen will“, so Hupke.

„Es sind zwei unterschiedliche Institutionen, die sich um dasselbe Problem kümmern“, sagte Vogt zu dem Umstand, dass es neben dem Beirat bereits die AG Zülpicher Platz gibt. Sie ist Teil des bei Stadtdirektorin Andrea Blome angesiedelten Fachkreises „Plätze mit besonderem Handlungsbedarf“; dieser wiederum gehört zusammen mit anderen Fachkreisen zum Kriminalpräventiven Rat Köln.

Bessere Planung für 11.11.2022 gefordert

Mit seinem Votum zur Uniwiese hat der Beirat offene Türen eingerannt. Denn die Stadt prüft bereits, im Zuge der Änderung des Sicherheitskonzepts künftig nicht mehr diese Wiese, sondern eine Fläche außerhalb des Zülpicher Viertels zu nutzen, um es am 11. 11. und während des Straßenkarnevals zu entlasten. „Die Entwicklungen an Karneval rund um die Zülpicher Straße machen ein neues Konzept erforderlich“, sagte Blome im März.

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Damit dürfte sie sich darauf bezogen haben, dass es besonders am Rosenmontag auf der Zülpicher Straße erneut zu Feier-Auswüchsen gekommen war. Blome sprach sich für eine „versiegelte Fläche“ als Standort für ein Bühnenprogramm aus. Der Vorschlag, der Verein Gastro Kwartier Latäng könne selber zum Beispiel auf dem Ring ein Bühnenprogramm zur Entlastung des Viertels auf die Beine stellen, sei unter anderem an Hürden des Veranstaltungsrechts gescheitert, sagte Vogt.

Veedelsbeirat: „Stadt legt zweierlei Maß an“

Er kritisierte dass die Stadt zweierlei Maß anlege: Die bisher von ihr zugelassene Nutzung der Uniwiese als „Festivalgelände“ sei „eigentlich nicht genehmigungsfähig“. Das Hauptthema der nächsten Sitzung des Veedelsbeirats am 15. August steht schon fest: Wie wappnet sich das Kwartier Latäng für den 11.11.?

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