Kommentar zur FriedensdemoKöln setzt ein großartiges und überwältigendes Zeichen

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Friedensdemo ROLL 280222

Die Demonstrierenden an Rosenmontag auf dem Kölner Neumarkt.

  • Bis zu 250.000 Menschen haben am Montag für das Ende des Kriegs in der Ukraine und gegen Wladimir Putin demonstriert.
  • Die Menschen in Köln und der Kölner Karneval setzen mit ihrer Demonstration ein überwältigendes Zeichen.
  • Ein Kommentar von Chefredakteur Carsten Fiedler.

Köln – Am höchsten kölschen Feiertag hat Köln sein Bestes gegeben. Der zur Friedensdemo umgewidmete Rosenmontagszug ist ein großartiges, überwältigendes Zeichen der Menschen, ein berührendes Bekenntnis zum Frieden, zu Freiheit und Demokratie, zu einer Nationen und Kulturen verbindenden Humanität. Als die wohl größte Kundgebung der Stadtgeschichte strahlt dieses Symbol der Hunderttausenden weit über die Stadt hinaus.

Das Festkomitee Kölner Karneval hatte in doppeltem Sinn das richtige Gespür: zum einen den Sinn für die Situation, dass es angesichts eines Kriegs in Europa keine Karnevalsnormalität geben durfte; und zum anderen den Sinn für die Kölnerinnen und Kölner, dass diese – trotz Absage des „Zochs“ – ihre Verbundenheit und Anteilnahme mit den Menschen in der Ukraine in einem friedlichen Umzug ausdrücken würden. 

Ein bunter, würdiger Umzug

Kostüme in Gelb und Blau, den Nationalfarben der Ukraine, Plakate und Transparente mit Friedensparolen; Familien mit kleinen Kindern, Junge und Alte, die Traditionskorps und die nicht organisierten Jecken, Friedensbewegte und Aktivisten der LGBTQI+-Bewegung, die FC-Prominenz und die Lokalpolitik – sie alle strömten zusammen, vereinten sich zu einem bunten, würdigen Umzug durchs Zentrum ihrer Stadt.

Es ist genau das, was die Bürgerschaft Kölns auszeichnet: das Gefühl einer Zusammengehörigkeit, die größer und wichtiger ist als das Trennende.

In bester Tradition 

Es ist auch das, was den Karneval ausmacht: Lebenslust und ausgelassenes Überschreiten des Alltags hatten von jeher eine gesellschaftliche und politische Dimension: den Protest gegen menschenfeindliche Normen, die Bloßstellung angemaßter Autorität, die Demaskierung hohlen Machtgehabes. 2022 stellt sich der Karneval in Köln in diese Traditionslinie und schreibt sie in einer noch nie dagewesenen Weise fort.

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OB Henriette Reker hat dafür die richtigen Worte gefunden und ist tatsächlich als „erste Bürgerin“ der Stadt aufgetreten, als Repräsentantin aller Kölnerinnen und Kölner, ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Alters, ihrer politischen Überzeugung.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses zur Friedensdemo umfunktionierten Rosenmontagszugs haben gezeigt, dass sie im Karneval nicht vergessen oder ignorieren, was aktuell auf dem Spiel steht. Köln hat seine Solidarität und sein großes Herz gezeigt – für die Menschen, die 2000 Kilometer weiter östlich unter Putins Krieg leiden müssen. Dieser Tag, seine Stimmung und seine Botschaft werden in Erinnerung bleiben.

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