50.000 Besucher zählt das Museum Ludwig nach rund zwei Wochen. Was ist der Grund für den Erfolg? Außerdem: Das waren die Top-Ausstellungen der jüngeren Geschichte.
„Schlägt unglaublich ein“Kusama-Ausstellung in Köln löst Hype aus

Die Installation Infinity Mirrored Room ist aktuell im Museum Ludwig zu sehen. Die Sonderausstellung „Yayoi Kusama“ läuft seit dem 14. März und geht bis zum 2. August.
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Gelbe Punkte auf schwarzem Grund, schwarze Punkte auf gelbem Grund, überall Punkte: tentakelartige Schläuche durchkreuzen den Raum. In einem anderen leuchten bunte Strahler, die Besucher versinken in ihren Spiegelbildern – man weiß nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Diese Installationen findet man derzeit im Museum Ludwig. Nach mehr als zwei Wochen lautet eine erste Zwischenbilanz zur neuen Sonderausstellung „Yayoi Kusama“, die sich dem Leben der 96-jährigen japanischen Künstlerin widmet: „Die Ausstellung schlägt unglaublich ein. Sie ist sehr, sehr erfolgreich“, sagt eine Sprecherin.
In Zahlen: Nach 16 Tagen wurde die Marke von 50.000 Besucherinnen und Besuchern geknackt, verkauft sind aktuell bereits mehr als 80.000 Tickets. Bis Ostermontag ist so gut wie alles ausverkauft. Die Tickets gibt es lediglich online: Interessierte müssen ein Zeitfenster buchen. Das Museum arbeitet mit terminierten Einlässen, damit nicht alle gleichzeitig kommen. Die Dauer des Besuchs sei jedoch nicht festgelegt, so die Sprecherin. Pro Zeitfenster stehen 350 Tickets zur Verfügung. Schon jetzt ist die spektakuläre Ausstellung, die sich das Museum zum 50. Geburtstag gönnt, rekordverdächtig.
Kusama in Köln: Gründe für den Hype
„Innerhalb von zwei Wochen waren so viele Merchandising-Produkte verkauft wie normalerweise während einer kompletten Ausstellung.“ Besonders beliebt seien Poster, Taschen und Postkarten. „Alles andere aber auch – besser als in jeder anderen Ausstellung in den letzten zehn Jahren.“ Die erste Auflage des Ausstellungskatalogs sei zudem bereits nach kurzer Zeit vergriffen gewesen. Die hausinterne Prognose lautet: Es werden viermal mehr Kataloge verkauft als sonst.

Die Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig legt einen rekordverdächtigen Start hin: 50.000 Besucher in etwas mehr als zwei Wochen.
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Gerechnet hatte das Museum Ludwig mit einer Gesamtzahl von 300.000 Besuchern, ungefähr so viele kamen in der Vergangenheit zu den besucherstärksten Ausstellungen. Doch die Schau in Hommage an die japanische Ausnahmekünstlerin dauert noch vier Monate und könnte diese Schätzung weit übertreffen, vorausgesetzt, der Hype hält sich konstant.
Wie erklärt sich das? Neben dem eigenen Anspruch, die Entwicklung von Kusamas Werk „fundiert“ nachzuvollziehen und auch dessen Vielschichtigkeit aufzuzeigen, liege es an den raumgreifenden Installationen. „Man kann hier vor allem sehr intensive sinnliche Erfahrungen machen. Ein weiterer Faktor sind die sozialen Medien. Kusamas ‚Infinity Rooms‘ sind sehr instagramable.“

Die Installation „I Spend Each Day Embracing Flowers“ von Yayoi Kusama steht auf der Dachterrasse des Museum Ludwig vor dem Dom.
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Das bedeutet, dass sie sich gut für Selfies und sonstige Fotos mit dem Smartphone eignen, die sich dann auf Plattformen wie Instagram verbreiten. Neben den Installationen, die Kusamas Markenzeichen sind, gibt es auch andere Werke zu sehen. 300 Arbeiten zeigt das Ludwig, von der ersten Zeichnung von circa 1934 bis heute, außerdem Malerei, Skulptur, Mode, Performance und Literatur.
Nicht nur Kusama: Vergangene Ausstellungen in Köln zogen die Massen an
Hypes und Besucheranstürme lösen sogenannte Blockbuster-Ausstellungen nicht erst aus, seit es soziale Medien gibt. Dazu genügt ein Blick zurück. Als das alte Ägypten zu Gast im Kölnischen Stadtmuseum war, bildeten sich regelmäßig lange Schlangen in der Zeughausstraße: Die erfolgreichste Einzelausstellung in Köln war „Tutanchamun“ im Jahr 1980.
In fünf deutschen Großstädten war sie zu sehen, aber in Köln übertraf sie alle Erwartungen: Über 1,3 Millionen Menschen bestaunten im Zeughaus innerhalb von vier Monaten die Schätze des Pharaos. Das waren 55 Original-Fundstücke aus der Grabkammer des legendären altägyptischen Königs, darunter Amulette und Goldfiguren, die dem etwa 19-jährig verstorbenen Pharao mit ins Grab gelegt wurden. Tutanchamun starb im Jahr 1323 vor Christus.

Das Bild zeigt die Tutanchamun-Ausstellung in Köln, die vom 21. Juni bis 19. Oktober 1980 zu sehen war.
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Fast alle Objekte stammten aus der Sammlung des Ägyptischen Museums in Kairo und werden heute größtenteils gar nicht mehr ins Ausland verliehen. Das absolute Highlight: die goldene Totenmaske des jungen Pharao. Besucher von damals erinnern sich auf der Facebook-Seite des Kölnischen Stadtmuseums an die Tutanchamun-Schau. „Es war sehr interessant, beeindruckend und anziehend. Meine Eltern hatten viel Besuch zu dieser Zeit“, sagt ein Nutzer. Ein anderer: „Ich bin froh, dagewesen zu sein, wegen der originalen Stücke. Das wird es nie wieder geben.“
Wer sich für das alte Ägypten interessiert: Bis zum 12. April läuft noch die multimediale Ausstellung „Tutamanchun“ an der Oskar-Jäger-Straße 99. Kernstück der Ausstellung ist die detailgetreue Nachbildung der Grabkammer des Pharaos. Sie zeigt auch andere Replikate.
Edward Hopper im Museum Ludwig: Andrang für den US-Maler in Köln
Das Museum Ludwig hatte in den 2000ern auch schon besucherstarke Ausstellungen mit internationaler Strahlkraft: Die Schau über den New Yorker Maler Edward Hopper (1882-1967) von Oktober 2004 bis Anfang 2005 lockte innerhalb von drei Monaten rund 388.000 Besucher an. Bis dahin waren die Bilder des US-Malers schon 20 Jahre nicht mehr in Deutschland zu sehen gewesen, sein berühmtestes Werk: „Nighthawks“.

Massenandrang zur Edward-Hopper-Ausstellung im Museum Ludwig im Jahr 2004
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Es zeigt vier einsame Menschen in einem nächtlichen Café. Schweigende Menschen und einsame Orte, die die Leere des modernen Lebens symbolisieren, waren Hoppers Thema, der Realismus sein Malstil. 60 Ölbilder präsentierte das Museum Ludwig sowie Skizzen, Aquarelle und Grafiken in Kooperation mit dem Tate Museum London.
Der Blaue Reiter, Inside Rembrandt: Weitere Kölner Erfolgsausstellungen der Vergangenheit
Weitere Erfolge des Ludwig: Der „Blaue Reiter in Köln“ verzeichnete 2004 innerhalb von drei Monaten 246.000 Besucher sowie „David Hockney. A Bigger Picture“ von Oktober 2012 bis Anfang Februar 2013 rund 251.000 Besucherinnen und Besucher.

Das Bild zeigt die Begrüßung der 100.000. Besucherin der „Inside Rembrandt“-Ausstellung im Jahr 2020.
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Auch das Wallraff-Richartz-Museum hat mit der Ausstellung „Inside Rembrandt“ anlässlich des 350. Todestages des niederländischen Malers Ende 2019 einen Ausstellungshit gelandet. Mehr als 160.000 Besucher kamen, um die Werke des Malers zu betrachten, die das WRM aus Amsterdam, Los Angeles, dem Metropolitan Museum in New York, der Münchener Pinakothek und dem Stuttgarter Kunstmuseum zusammengetragen hatte. Die Ausstellung endete am 1. März 2020. Nur 15 Tage später beschloss die Politik den ersten Corona-Lockdown, der das gesellschaftliche und kulturelle Leben lahmlegte. Unter der Pandemie litt auch das Kulturleben der folgenden Jahre. Eigentlich sollte die Ausstellung ‚Andy Warhol Now‘ im Jahr 2021 ein Kassenschlager werden.
Doch die Pandemie machte dem ambitionierten Projekt einen Strich durch die Rechnung. Mit über 100 Werken zeichnete die Schau ein zum Teil neues Bild des bedeutendsten Pop-Art-Künstlers. Thematisiert wurden etwa seine Homosexualität, sein Migrationshintergrund und seine Religiosität. Als dann die Corona-Regeln gelockert wurden, erlebte das Museum Ludwig einen regelrechten Ansturm. Die Homepage brach wegen des Online-Ticketverkaufs zusammen.

