Dem zum Stadtwerke-Konzern gehörenden Unternehmen fehlt trotz der Zuwächse bei den Fahrgästen nach wie vor sehr viel Geld.
Bilanz vorgestelltKVB hat trotz eingeschränktem Fahrplan in Köln so viele Stammkunden wie noch nie

Das Straßenbahn-Depot der KVB liegt an der Scheidweilerstraße in Köln-Braunsfeld.
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Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) hatten im Jahr 2025 so viele Stammkunden wie noch nie: 354.800 Menschen haben ein Abo abgeschlossen. Das liegt vor allem am Deutschlandticket, denn 346.900 von ihnen haben sich dafür entschieden. Die klassischen Abo-Angebote des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) nutzen nur noch 7900 Kunden. Der Zuwachs ist vor allem auf das Deutschlandticket Sozial zurückzuführen, das Menschen erhalten, die Sozialleistungen beziehen und einen Köln-Pass besitzen. Das geht aus der aktuellen Fahrgastbilanz hervor, die das Unternehmen am Dienstag präsentiert hat. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Haben sich die KVB damit komplett von den Einbrüchen während der Corona-Pandemie erholt?
Nein, das ist bei weitem nicht der Fall. Denn obwohl es so viele Stammkunden gibt wie nie zuvor, bewegen sich die tatsächlich absolvierten Fahrten auf einem Niveau, das deutlich unter dem vor der Pandemie liegt. Zählte das Unternehmen im Jahr 2019 noch 286 Millionen Fahrten, so waren es 2025 nur 237,5 Millionen. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass inzwischen viele Menschen an einem oder mehreren Tagen zu Hause arbeiten und sich deshalb nicht fortbewegen müssen. Immerhin gab es einen Zuwachs von 0,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2024.
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Können die KVB ihr Defizit verringern, wenn es jetzt mehr Stammkunden gibt, die ein Deutschlandticket kaufen?
Das ist nicht automatisch der Fall. Aufgrund des komplexen Abrechnungssystems gibt es erst mal keinen positiven Effekt, da Mehreinnahmen nur dazu führen, dass die KVB weniger Ausgleichszahlungen erhalten. Da sich die Berechnung ab dem kommenden Jahr ändern wird, könnte sich diese Situation möglicherweise noch einmal verändern.

Stefanie Haaks ist Vorstandsvorsitzende der KVB.
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Erfüllen die KVB inzwischen wieder den vollständigen Fahrplan?
Bei den Bussen ist das der Fall, bei den Stadtbahnen nicht. Das liegt daran, dass es inzwischen zwar wieder genug Bahnfahrer gibt, aber noch immer nicht genug Fahrzeuge. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Auslieferung neuer Stadtbahnen durch den Hersteller Alstom um sechs Jahre verzögert, weil es Probleme bei der Produktion gibt. „Die nicht fahrzeugbedingten Kürzungen im Fahrplan sind weg, weil wir über den Berg sind, was das Fahrpersonal angeht“, sagte KVB-Chefin Stefanie Haaks am Dienstag.
Welche Ziele verfolgen die KVB hinsichtlich der Fahrgastzahlen?
Im Jahr 2035 soll es mehr als 300 Millionen Fahrten pro Jahr geben. Das sei trotz der vielen Menschen, die im Homeoffice arbeiten, erreichbar, weil bis dahin neue Verbindungen hinzukommen beziehungsweise größere Kapazitäten entstehen sollen. Bis 2035 soll zum einen die Nord-Süd-Stadtbahn ohne Unterbrechung fahren können, weil dann die Schäden an der Archiv-Einsturzstelle am Waidmarkt behoben sein sollen. Auch die neuen, 90 Meter langen Bahnen auf der Ost-West-Achse (Linie 1) sollen bis dahin unterwegs sein.
Wie schaut es mit der Verbesserung der Sicherheit an den Haltestellen in der Innenstadt aus?
KVB-Chefin Stefanie Haaks hat erneut darauf hingewiesen, dass die KVB die U-Bahn-Haltestelle Appelhofplatz, an der sich besonders viele drogenkranke und wohnungslose Menschen aufhalten, ab April nachts mit Toren verschließen könnten. Das werde aber nicht passieren, solange die Stadt Köln keine alternativen Übernachtungsangebote anbieten könne. „Ich gehe davon aus, dass sich der Stadtrat im ersten Halbjahr mit dem Thema Sicherheit befassen wird“, sagte Haaks. Sie hoffe darauf, dass dann auch über begleitende Maßnahmen für die nächtliche Appellhofplatz-Schließung gesprochen wird. Sollte sich die Situation weiter verschlechtern, weil immer mehr Menschen direkt an den Gleisen übernachten, müsse die KVB irgendwann aus Sicherheitsgründen handeln.

Die neue Hochflur-Stadtbahn der KVB stammen vom Schweizer Hersteller Stadler. Sie sollen ab 2029 zum Einsatz kommen.
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Was hat die Sonderbestreifung gemeinsam mit Polizei und Ordnungsamt gebracht?
Im Zuge der Sonderbestreifung in der Innenstadt wurden im vergangenen Jahr 1700 Vergehen geahndet. Dazu zählen auch 760 Schwarzfahrer, die erwischt wurden. Die zusätzliche Sonderbestreifung am Neumarkt und Ebertplatz, die pro Jahr 1,5 Millionen Euro kostet, ist dabei nicht eingerechnet.
Wie gut funktioniert die Echtzeit-Anzeige für die Abfahrtszeiten der Bahnen und Busse?
Die KVB räumen ein, dass es nach wie vor Probleme bei der Echtzeit-Anzeige gibt. Zwar stehen sämtliche Daten in Echtzeit zur Verfügung, zum Teil werden sie aber nicht korrekt angezeigt. So gibt es zum Beispiel Probleme mit den großen Anzeigetafeln, wie am Neumarkt. Diese verarbeiten die Daten laut den KVB nicht richtig, weshalb es zu Abweichungen kommt. Interne und externe Experten seien damit beschäftigt, die Fehler zu analysieren und die Fehlerquellen auszuschalten. „Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an der Verbesserung unserer Betriebsqualität und der Fahrgastinformation“, sagte KVB-Chefin Haaks.
Wie steht es um die vielen regelmäßig defekten Rolltreppen?
Bis zum nächsten Jahr sollen 76 der insgesamt 263 Rolltreppen vollständig gegen neue Anlagen ausgetauscht sein. Die modernen Rolltreppen sollen deutlich weniger störungsanfällig sein und sich schneller reparieren lassen. Ein weiteres Modernisierungsprogramm ist noch nicht geplant.
Wie weit ist die Umstellung der Busflotte auf Elektroantrieb fortgeschritten?
Sobald das spanische Unternehmen Irizar die jüngste Elektrobus-Bestellung der KVB ausgeliefert hat, werden zwei Drittel der Flotte über einen elektrischen Antrieb verfügen, das letzte Drittel über einen Dieselantrieb. In dieser Hinsicht seien die KVB innerhalb der Nahverkehrsbranche „vorbildlich“, sagte Haaks.

