Neue Strafzettel für Autos auf dem Grünstreifen am Stadtwald sorgen für Kritik. Das Ordnungsamt hatte das Parken dort jahrelang geduldet.
Knöllchen trotz fehlender SchilderKölner Stadtwald-Besucher beschweren sich über neue Parkverbote

An einigen Stellen ist Schotter aufgetragen und stehen bereits zahlreiche Autos, so dass der Streifen wie eine Parkfläche wirkt.
Copyright: Susanne Esch
An der Friedrich-Schmidt-Straße verläuft zwischen dem Radweg und der Fahrbahn ein Schotterstreifen. Eingefasst durch Randsteine und aufgrund seiner Breite wirkt er wie eine Parkfläche für Autos, besonders, wenn dort bereits einige stehen. Parkverbotsschilder fehlen und so stellen Stadtwaldbesucher gerne auf dem Streifen ihre Pkw ab – und erleben eine böse Überraschung: Das Ordnungsamt bestückt die Autos auf dem Schotterstreifen in letzter Zeit mit Knöllchen.
Auch der Pkw der Anwohnerin Ursula Guski wurde beknollt, den sie, wie in der Vergangenheit, dort regelmäßig platzierte, aus einem einfachen Grund: „damit kein Monster-Wohnmobil an der Seite parkt, dessen Hässlichkeit bei jedem Blick aus dem Fenster ins Auge springt“, erklärt sie. Außerdem sei so immer noch Platz für ein zweites Auto, den die Campingwagen nicht lassen würden.

Ursula Guski inspiziert den Schotterstreifen neben der Friedrich-Schmidt-Straße, wo wieder viele Menschen ihr Auto geparkt haben, die nicht wissen, dass es dort verboten ist.
Copyright: Susanne Esch
Halteverbot ergibt sich aus der Straßenverkehrsordnung
Auch Nachbarn hätten sich an der Wohnmobilabwehrstrategie beteiligt. Sie sei lange aufgegangen. Die Anwohner und Anwohnerinnen glaubten, ihre Autos dort auf dem Schotterstreifen zu parken – bis das Ordnungsamt die erste Verwarnung an die Windschutzscheibe heftete und die Rechnung schickte: 55 Euro kostete der Verstoß gegen eine Regel, die Guski noch gar nicht kannte.
Auf ihre Beschwerde hin klärte das Ordnungsamt sie auf: Es sei nicht erlaubt, dort sein Auto abzustellen. Zwar stünden vor Ort keine Verbotsschilder. Das Parkverbot ergäbe sich aber aus der Straßenverkehrsordnung, wonach Parken auf Grünflächen untersagt sei. Denn bei dem Schotterstreifen handele es sich eigentlich um einen Grünstreifen. Bislang sei das Parken dort nur geduldet worden. Es habe aber zahlreiche Beschwerden gegeben.
Grünstreifen sollen wiederhergestellt werden
So würde das Ordnungsamt das Parken dort nunmehr unterbinden. Die Grünstreifen sollten wiederhergestellt und erhalten werden. Sie würden zur Verbesserung des Stadtklimas, zur Versickerung von Niederschlagswasser und zur Abkühlung dicht bebauter Bereiche beitragen. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Grünflächen für das Stadtklima sei es nicht mehr vertretbar, diese Fläche dauerhaft durch ordnungswidrig parkende Fahrzeuge zu beeinträchtigen.
Kritik an mangelndem Hinweis und fehlenden Parkplätzen
Zur Information und Sensibilisierung seien zunächst Hinweiszettel an den betreffenden Fahrzeugen angebracht worden. Wachsendes Grün, das die Autoreifen beschädigen könnte, ist allerdings nur an wenigen Stellen vorhanden. An anderen wurde sichtbar irgendwann Schotter aufgetragen.
Autofahrer, die nicht durch einen Hinweiszettel gewarnt wurden, halten die Flächen somit weiterhin für Parkplätze, stellen ihre Gefährte darauf ab und werden dafür vom Ordnungsamt zur Kasse gebeten. Guski fährt ihren Pkw nun stets in die hauseigene Garage. Die Knöllchen an den Scheiben der Autos ärgern sie trotzdem: „Es gibt keinen Stadtwald-Parkplatz“, sagt sie. Erholungssuchende Menschen aus weniger grünen Teilen der Stadt würden ihre Pkw also an der Friedrich-Schmidt-Straße abstellen, Familien, die mit ihren Kindern im Park frische Luft schnappen oder den Hund ausführen möchten. Die Beschwerden der Anwohner hätten sich ausschließlich gegen die abgestellten Wohnmobile gerichtet.
Dass ausgerechnet direkt neben dem Stadtwald ein weiterer Grünstreifen angelegt werden müsse, könne sie nicht nachvollziehen, vor allem, weil das Wasser auch zwischen den Schottersteinen versickern könne. Eines ärgert sie besonders: „Es müsste doch zumindest ein Verbotsschild aufgestellt werden“, betont Guski. Die Hinweiszettel hätten nur ein Bruchteil der dort parkenden Autofahrer erhalten. So würden die meisten Stadtwaldbesucher, nichts ahnend, in die Knöllchenfalle tappen.
Irritierende Auskunft zur Verteilung der Strafzettel
Guski hat einen Ordnungsbeamten darauf angesprochen. Seine Antwort hat sie zusätzlich irritiert. Das Parken auf dem Schotterstreifen an der Friedrich-Schmidt-Straße würde nur bis zur Hausnummer 64 geahndet, habe ihr der Mann gesagt, erzählt sie. Auf dem Straßenstück vor den Türen der Häuser mit den höheren Nummern bis zum Militärring könne man weiterhin unbehelligt sein Auto parken. Auf die Nachfrage zu dieser Auskunft hat die Stadtverwaltung keine Antwort.
