„Mäuerchen“-Sperrung gestopptStadt Köln plant andere Maßnahmen an Zülpicher Straße

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Mäuerchen Zülpicher

Die Metallkonstruktion verhindert gemütliches Verweilen.

Köln – An einem Teil des sogenannten Mäuerchens an der Zülpicher Straße wurde eine Metallkonstruktion angebracht, die das Sitzen dort verhindern soll. Diese Maßnahme der Kölner Universität wurde kontrovers diskutiert. Nach erneuter Bewertung hat die Uni Köln am Freitag bekanntgegeben, dass die Sperrung wieder entfernt werden soll. Doch es sind bereits weitere Maßnahmen für die Zülpicher Straße geplant.

Seit drei Jahren spürt Andreas Gebauer eine Veränderung in seinem Veedel. Er ist Anwohner der Zülpicher Straße, ganz in der Nähe des sogenannten Mäuerchens.

An dem beliebten Treffpunkt gebe es immer mehr „ausufernden Vandalismus, eine Gewalt-Problematik und auch Klagen wegen sexueller Belästigung und offenem Drogenhandel“, so Gebauer. Die Universität, auf deren Grundstück das Mäuerchen steht, reagierte jetzt auf diese Beschwerden und brachte eine Metallkonstruktion an. Diese verhindert das Sitzen an dem Abschnitt, der am nächsten an den bewohnten Gebäuden liegt.

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Uni Köln: „Wir wollen die Leute nicht vom Mäuerchen vertreiben“

„Wir wollen die Leute nicht vom Mäuerchen vertreiben“, sagt Uni-Sprecher Jan Voelkel. „Aber es bleibt ja nicht beim Feierabendbier, Hauseingänge werden zum Beispiel als Toiletten benutzt und deshalb haben wir jetzt diese niedrigschwellige Maßnahme installiert.“ Man könne immer noch im Stehen das Bier zum Feierabend trinken oder in die Grünanlagen ausweichen.

Unter anderem wurde über diese Maßnahme im „Kriminalitätspräventionsrat“ des Bezirks am 21. September gesprochen. In diesem Gremium kamen Anwohner, Gastronomen sowie Vertreter von Stadt, Polizei und Universität zusammen, um über die Situation rund um das Mäuerchen und die Zülpicher Straße zu diskutieren. Der Tod eines Minderjährigen durch einen Messerangriff war dafür ein konkreter Anlass. Die Universität beschloss danach jedoch im Alleingang die Anbringung der Metallkonstruktion. 

Weniger Kunden in traditionellen Kneipen

Markus Vogt, Vertreter der Gastronomen im Kwartier Latäng, beschreibt das Treffen als „Stoffsammlung“. Probleme wurden gesammelt, erste Lösungsansätze besprochen. Dazu gehörte auch die kurzfristige Maßnahme, „das Mäuerchen als Sitzplatz unattraktiver zu machen.“

Vogt macht vor allem zwei Probleme für die Gastronomie aus: „Erstens ist während der Lockdowns die ,Umsonst-und-draußen‘-Feierszene explodiert. Und zweitens gibt es neue Angebote, die eher das Klientel der Kölner Ringe anzieht.“ Das habe zur Folge, dass weniger Kunden in traditionellere Kneipen und Restaurants kommen. „Draußen sieht es aus wie an Karneval, aber bei uns drinnen sitzen nur noch zehn Leute.“

Kölner Anwohner: „Habe mich noch nie so unsicher abends gefühlt“

Ihm tue es leid, dass jetzt auch Studierende von der Maßnahme betroffen sind. „Aber ich wohne seit 46 Jahren im Veedel und habe mich noch nie so unsicher abends gefühlt. Dabei bin ich ein relativ großer Mann – wie muss es dann Jugendlichen oder Frauen gehen?“

Die Stadtdirektorin Andrea Blome gab am Donnerstag einen Ausblick auf die Zukunft des Mäuerchens: „Wir haben auch ein anderes Vorgehen von Polizei und Ordnungsamt eingeführt, die gemeinsam auf Streife sind. Außerdem werden wir am Licht etwas verändern, es soll heller und vielleicht auch etwas ungemütlicher werden.“

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Bei der Müllbeseitigung sollen zukünftig auch Kioskbesitzer in die Pflicht genommen werden. Weitere Maßnahmen, wie beispielsweise ein nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol an den Kiosks scheitern an der Gesetzgebung des Landes.

„Natürlich wollen wir, dass das Mäuerchen wieder wie vor Corona genutzt werden kann und wir haben auch nichts gegen Feiernde aus dem Umland“, so Blome. „Die Freiheit des Einzelnen ist wichtig, nur müssen wir auch wieder anfangen, die Freiheit der Anderen zu respektieren.“ Um weitere Lösungsansätze zu besprechen, tagt der Kriminalitätspräventionsrat das nächste Mal im Dezember.

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