Tarifvertrag gefordertKölner studentische Beschäftigte klagen über schlechte Arbeitsbedingungen

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Menschen, die sich mit pinken Warnwesten und Protestschildern vor einem Gebäude mit einer Glasfassade versammelt haben

Vor dem Seminargebäude der Universität zu Köln demonstrieren Studierende für die Einführung eines Tarifvertrags für studentische Hilfskräfte.

Studentische Beschäftigte klagen seit Jahren über prekäre Arbeitsbedingungen, mit einer Kundgebung wollen sie Druck auf das Land NRW ausüben.

Zu wenig Lohn und schlechte Arbeitsbedingungen – darüber klagen studentische Beschäftigte und fordern deshalb einen Tarifvertrag. Rund 50 Anhänger sowie Vertreterinnen und Vertreter der Initiative „TV Stud“ haben am Mittwoch in magentafarbenen Westen auf dem Campus der Universität zu Köln demonstriert. Denn am Mittwoch tagte der Senat, bei der Sitzung reichte die Initiative einen Antrag auf bessere Arbeitsbedingungen ein. Sie erreichten einen Teilerfolg.

Von der Senatssitzung erhofften sie sich ein „klares Signal in die politischen Machtzentralen nach Düsseldorf und Berlin“, sagte Jasmin Zoll. Die 29-Jährige ist eine der drei studentischen Kölner Senatorinnen, die ihre Stimmen „im Interesse der rund 50.000 Studierenden an Deutschlands größter Campus-Uni einsetzen“ wollen.

Zwei Frauenund ein Mann mit einer pinken Warnweste

Vor der Senatssitzung der Universität zu Köln betonen die studentischen Senatorinnen Jasmin Zoll (links), Kathrin Tekath und Stellvertreter Jonas Schäfer die Dringlichkeit der Einführung eines Tarifvertrags für studentische Hilfskräfte.

Unter dem Motto „Blockade bundesweiter Verhandlungen beenden, Regierungsvereinbarung einhalten!“ kämpfen studentische Beschäftigte an zahlreichen Unis in NRW und in ganz Deutschland seit Jahren für die Eingliederung ihrer Arbeitsverhältnisse in den Tarifvertrag der Länder – am Mittwoch unternehmen die studentischen Senatorinnen der Universität zu Köln erneut einen Anlauf, indem sie im Senat den Antrag für bessere Arbeitsbedingungen stellen.

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Kundgebung an der Uni Köln: Zahlreiche Verbände solidarisieren sich mit studierenden Beschäftigten

Auf der Kundgebung am Albertus-Magnus-Platz anlässlich der Senatssitzung waren zahlreiche Solidaritätsbekundungen zu hören, darunter vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Kölner Uni sowie seitens der Gewerkschaften Verdi und GEW. Der Protest richte sich gegen die Blockadehaltung im nordrhein-westfälischen Finanzministerium, erläuterte Verdi-Sekretär Friedrich Paun. Obwohl sich die schwarz-grüne Regierungskoalition in ihrem Koalitionsvertrag dazu verpflichtet habe, sich für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte einzusetzen, wolle sie nun in der Vorbereitung auf die Tarifrunde der Länder im Herbst davon nichts mehr wissen.

Die TV-Stud-Initiative Köln hat gemeinsam mit den studentischen Senatorinnen an der Uni klare Vorstellungen: „Wir erwarten, dass sich die größte Präsenzhochschule Deutschlands zu einer Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen bekennt und unsere Forderung nach einem Tarifvertrag auch im Arbeitgeberverband des Landes NRW unterstützt“, rief Kathrin Tekath, ebenfalls studentische Kölner Senatorin, vom Mikrofon aus den Menschen zu.

„Ich erstelle Stundenpläne und organisiere Abläufe wie eine Verwaltungsfachkraft, davon, dass ich gute Arbeit mache sind neun Semester meines Studiengangs abhängig“, führte Jasmin Zoll aus, die im Studiengang Neurowissenschaften eingeschrieben ist. Mindestlohn als Bezahlung, ständige Erreichbarkeit für Nachfragen und ein Arbeitsvertrag, der alle paar Monate erneuert werden müsse, seien dafür ein „völlig inakzeptabler Rahmen“.

Studie deckt strukturelle Missstände auf

Die studentische Mitarbeit stelle ein Tor zu späteren Jobs in der Wissenschaft dar und vermittle hilfreiches Fachwissen. Aber man dürfe die Hilfskräfte nicht in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse drängen, hob die 29 Jahre alte Studentin hervor.

„Die mehr als 300.000 studentischen Beschäftigten an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind bislang als einzige Beschäftigtengruppe an den Hochschulen vom Tarifvertrag der Länder (TV-L) ausgenommen“, ordnete Friedrich Paun die Lage an den Unis ein. In mittlerweile über 50 Basisinitiativen bundesweit organisierten sich studentische Beschäftigte, so der Gewerkschaftssekretär.

Zuletzt waren Paun zufolge im Rahmen der Studie „Jung, akademisch, prekär“ massive strukturelle Missstände aufgedeckt worden. So klagten viele studentische Beschäftigte über unbezahlte Überstunden, schlechte Möglichkeiten, gesetzlichen Mindesturlaub in Anspruch zu nehmen oder die gesetzwidrige Vorgabe, Krankheitszeiten nachzuarbeiten. Dass sich daran etwa ändern muss, sind sich am Mittwoch alle Anwesenden einig.

Antrag der Studierenden wird nicht angenommen

Auch die anderen Mitglieder des Senats drückten während der Sitzung ihre Sympathie und das Verständnis für das Anliegen aus, berichteten Zoll und Tekath im Anschluss. Dennoch sei der Antrag nicht angenommen worden, sondern an eine zu gründende Arbeitsgruppe verwiesen worden.

 „Es ist zwar keine Ablehnung, aber Enttäuschung ist schon da“, sagte die 26-jährige Tekath. Bis zur nächsten Sitzung des Senats im September wollen sie, ihre Kolleginnen und alle Unterstützer der TV-Stud-Initiative darum weiter mit Aktionen an der Kölner Uni weiter auf das Thema aufmerksam machen und den Druck auf Politik und Unileitung erhöhen.

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