Zum 50. Jubiläum der Eingemeindung erinnert Architekt Gerhard Standop an vergessene Pläne für einen Ortskern in Köln-Lövenich.
50 Jahre EingemeindungVergessen im Verwaltungsnirwana – der Ortskern von Lövenich

Die Pläne zur Umgestaltung des Kirchplatzes in Lövenich werden nicht realisiert.
Copyright: Susanne Esch
Der Ortskern von Lövenich, ist nicht mehr als ein riesengroßer Parkplatz. Zu Karneval oder beim Schützenfest steht ein Festzelt auf der Fläche vor der Kirche St. Severin. Dann wird dort gefeiert. Sonst ist der Kirchplatz nur ein Autoabstellort. In diesem Jahr sind seit der Eingemeindung der ehemaligen Vororte, Lövenich, Widdersdorf, Weiden, Junkersdorf und Marsdorf 50 Jahre vergangen.
Für den Lövenicher Architekten Gerhard Standop ist das Jubiläum ein Anlass, darauf hinzuweisen, dass man sein eingemeindetes Heimatviertel wohl über die Jahre vergessen hat – vor allem, dem Ortskern eine Gestalt zu geben, die er und der romanische Kirchenbau an seiner Seite verdienen. In der Innenstadt würden teure Prestigeobjekte wie die Opernsanierung umgesetzt, kritisiert Standop. Die Randbezirke gingen leer aus.

Der aktuelle Entwurf von Gerhard Standop zur Umgestaltung des Lövenicher Kirchplatzes.
Copyright: Gerhard Standop
Pläne für Köln-Lövenich und erster politischer Beschluss bereits 2011
Standop hat schon vor Jahrzehnten Pläne geschmiedet, wie man den Kirchplatz zu einem attraktiven Ortsmittelpunkt umgestalten könnte. Bereits im Jahr 2011 hat er sie bei einer Infoveranstaltung vorgestellt, zu der die CDU-Fraktion der Bezirksvertretung Lindenthal eingeladen hatte. Auch die Bürgervereine und Bezirkspolitik sprachen sich dafür aus. Im selben Jahr fasste die Bezirksvertretung Lindenthal einen entsprechenden Beschluss, wonach der Platz ein Betonpflaster erhalten sollte, einen Brunnen, Leuchten, Bänke und Fahrradständer. An seinem Rand, neben der Zufahrt zu der Tiefgarage der Hausnummer Dr-Johannes-Honnefer-Straße 14a sollten 12 Senkrechtstellplätze die wegfallenden Parkplätze auf dem Kirchplatz ersetzen und vier Bäume gepflanzt werden. Doch seitdem wartet die Bezirkspolitik vergeblich darauf, dass er umgesetzt wird.
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Die überarbeiteten Pläne warten auf Umsetzung
Standop hat zum Jubiläum seine alten Pläne auf den neuesten Stand gebracht: Danach sollen künftig Pflastersteine vor der Kirche St. Severin ihre Ausrichtung längs zum Platz aufnehmen und so von ihrer Front aus über den Platz längs gelegt werden, während die anderen Pflastersteine quer liegen sollen. So wird der Platz optisch unterteilt. In der Ecke gegenüber der Kirche, hat Standop Bänke geplant, als Treffpunkt, nebst einem schattenspendenden Baum. In ihrer Mitte soll der Brunnen plätschern, der in den Boden eingelassen ist, damit auch künftig das Festzelt auf dem Kirchplatz stehen kann. Deswegen sollen auch die Bänke demontierbar sein. Die Senkrechtstellplätze sollen an der im Beschluss anvisierten Stelle entstehen, insgesamt 13.
Der Platz soll zudem über eine Freitreppe an den benachbarten Spielplatz angebunden werden. Von dort sollen Wegeverbindungen zur Brauweiler und Kölner Straße angelegt werden, die auch die öffentliche Kontrolle in der tiefer gelegenen Grünfläche sichern. Das Tor am Spielplatz gegenüber der Kölner Straße soll geöffnet und so dem Fußverkehr Zugang verschaffen.
Knapp 15 Jahre lang geschah nichts
Seine Pläne für die Umgestaltung des Kirchplatzes habe er damals sogar dem Beigeordneten für Stadtentwicklung, Planen und Bauen der Stadt, Bernd Streitberger, vorgestellt, erzählt Standop. Er habe sie sehr positiv bewertet und für umsetzbar gehalten, in den kommenden drei, vier Jahren, erinnert sich der Architekt. Doch daraus wurde nichts. Die Bezirksvertretung erkundigte sich 2012, 2013 und 2015, wie weit die Verwaltung mit der Umsetzung ihres Beschlusses sei. Die verkündete schließlich, dass eine personelle Aufstockung es ihr ermögliche, die genaue Planung für das Vorhaben 2016/2017 aufzunehmen. Daraufhin geschah – nichts. Die Bezirksvertretung fragte in den folgenden Jahren mehrfach nach, zuletzt 2023 – erfolglos.
Und künftig wird wohl auch nichts geschehen: Das Stadtplanungsamt und das Amt für Straßen und Radwegebau hätten im Oktober 2022 festgestellt, dass keine personellen Ressourcen für das Projekt vorhanden seien, schreibt ein Sprecher der Stadt. Daher habe das Amt für Straßen und Radwegebau damals kleinere Verbesserungen vorgenommen, den autofreien Bereich vor der Kirche vergrößert, zusätzliche Bänke aufgestellt und die Stufe vor dem südlichen Seiteneingang der Kirche entfernt. Dabei soll es bleiben. Ein Jubiläumsgeschenk gibt es nicht.