Das Gebäude der Rheinischen Musikschule in Sülz soll saniert werden. Die Notwendigkeit, das Haus deswegen zu räumen, bezweifeln ehemalige Nutzer aber.
Sanierungsfall oder Aktionismus?Schillergymnasium musste raus – Das Musikschul-Gebäude in Sülz steht nun leer

In dem Gebäude an der Lotharstraße 14-18 war ein Standort der Musikschule und das Interim für die Oberstufe des Schillergymnasiums untergebracht.
Copyright: Susanne Esch
In dem lichten Raum stapelten sich Leinwände, standen gemütliche Sessel und mehrere große Tische bereit, sowie etliche Utensilien. Das Reich des Künstler-Paares Holger Schnapp und Anne Wöstmann im Dachgeschoss des großen alten Backsteingebäudes an der Lotharstraße 14-18 war seit Jahrzehnten gewachsen. Über 30 Jahre arbeiteten sie hier. Doch die Produktion von Kunstwerken in der denkmalgeschützten ehemaligen Strohhutfabrik ist nun beendet.
Nachdem die Oberstufe des Schillergymnasiums, die dort ebenfalls untergebracht war, im vergangenen das Gebäude verlassen musste, um in Container auf dem Schulgelände zu ziehen, mussten nun auch die Künstler ihre Ateliers räumen. Die Rheinische Musikschule, die hier einen Standort hatte, ist schon ausgezogen an ihren Interimsstandort im Hildegard-von-Bingen-Gymnasium.

Künstler Holger Schnapp in dem Atelier unter dem Dach der ehemaligen Strohhutfabrik, das er sich mit seiner Frau Anne Wöstmann teilt.
Copyright: Susanne Esch
Die Stadt begründet den Rauswurf der Mieter damit, dass sie die Verantwortung für den Betrieb nicht mehr übernehmen könne. Neben Mängeln in Bezug auf den Brandschutz sei das Gebäude aufgrund von Feuchtschäden sowie einer mangelhaften technischen Ausstattung sanierungsbedürftig. Der genaue Bedarf würde nun ermittelt, und es würde geprüft, ob die Künstler und die Musikschule später zurückkehren könnten. Über einen genaueren Zeitplan, Risiken und Kosten könne aber keine Aussage getroffen werden.
Denkmalgeschützes Gebäude in Köln-Sülz steht jetzt leer
Schnapp kann das nicht nachvollziehen. Er war bei der Begehung des Gebäudes mit der Feuerwehr dabei und hatte einen ganz anderen Eindruck: „Der Feuerwehrmann sagte, dass er keine Bedenken gegen die Weiternutzung des Gebäudes habe, vorausgesetzt, dass die fehlenden Brandtüren eingesetzt und Fluchtwege markiert werden“, erzählt er. Das könne aber doch auch im laufenden Betrieb erledigt werden. Man habe schließlich vor einigen Jahren sogar noch die Fenster und das komplette Dach erneuert, die Heizung und die Brandmelder ebenfalls. Damit seien wichtige Sanierungsarbeiten bereits erledigt. Der Wasserschaden in einer Gebäudeseite beruhe vermutlich auf einer kaputten Leitung, die ebenfalls im laufenden Betrieb repariert werden könne.

Das undichte Glasdach des Lichthofes ist derzeit von einer Plane bedeckt.
Copyright: Susanne Esch
Schnapp kann nicht verstehen, dass die Stadt ein jahrzehntelang gewachsenes Kulturzentrum so einfach aufgibt und keine andere Lösung findet. Kunst und Musik waren dort lange Zeit unter einem Dach vereint. Im Herz des Gebäudes, dem „Lichthof“, einer mit einem Glasdach versehenen Halle im Herzen des Gebäudes im Erdgeschoss, fanden Ausstellungen, Konzerte und Lesungen statt – die viele Besucher anzogen. Er ist allerdings bereits seit 2019 gesperrt. Das Dach ist undicht und droht einzustürzen und wird derzeit durch Holzbalken abgestützt.
In der Nachbarschaft wohnt Ratsmitglied Sabine Pakulat (Grüne), die auch Mitglied im Liegenschaftsausschuss ist und einen Mangel an Transparenz seitens der Stadt beklagt: „Es handelt sich um ein städtisches Gebäude im Sondervermögen der Gebäudewirtschaft, mit 8000 Quadratmetern Nutzfläche“, sagt sie. Seit der Begehung durch die Feuerwehr, versuchen wir das Brandschutzgutachten zu erhalten. Wir haben keinerlei Informationen über die konkreten Brandschutzmängel erhalten. Sie werden uns verweigert. Warum erzählt man uns nicht, welche Mängel es an dem Gebäude gibt? Als Mitglieder des Stadtrates haben wir das Recht, sachgerechte Auskunft von den städtischen Stellen zu bekommen.“

Im Erdgeschoss gibt es einen Wasserschaden.
Copyright: Susanne Esch
Auch der Umgang mit dem städtischen Gebäude ärgert sie. Das Bauaufsichtsamt habe im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass gewisse Mängel behoben werden müssten, wenn es weiter als Schulgebäude genutzt würde, schildert Pakulat. Aber das Schulverwaltungsamt sei der Auffassung gewesen, man bräuchte es nicht mehr. „Und so musste dann die Oberstufe des Schillergymnasiums in alte Mensacontainer ziehen“, sagt die Politikerin. Es könne doch nicht sein, dass sich kein Amt der Stadt für das Denkmal zuständig fühle. „Wenn das Gebäude nun geschlossen wird, steht es erst einmal lange leer“, sagt Pakulat. „Das ist für keine Immobilie gut. Die Stadt muss Verantwortung für ihre Gebäude übernehmen.“
Die Strohhutfabrik Silberberg & Mayer an der Lotharstraße 14-18 wurde 1912/13 als einer der frühen Stahlbetonskelettbauten errichtet. Etwa bis Ende der 1920er Jahre wurden hier Strohhüte produziert. 1928 zog in die rückwärtigen Gebäudeteile eine Zweigschule des Lyzeums Drammer, das 1935 in Hildegardisschule umbenannt wurde. 1938 übernahm die Stadt Köln die gesamte Anlage. Nach der Abfindung zum „Einheitswert“ gingen die jüdischen Besitzer ins Ausland. Die Spuren der Familie Ernst Silberberg verlieren sich um 1940 in Bogota/Kolumbien. Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte sich das neu gegründete Apostelngymnasium mit der Hildegardisschule die Räume. 1961 konnten beide Schulen neue Gebäude beziehen. Das Werklehrerseminar der Stadt und die Fachhochschule Abteilung Wirtschaft zogen ein. 1974 übernahm die Volkshochschule die Ateliers und Werkstätten auf der rechten Seite. Auf der linken Seite zog eine Abteilung der Rheinischen Musikschule ein.

