Ariane und Holger Martini wollen ihren Solarstrom für ein E-Auto nutzen. Die Stadt verweigert die nötige Verlegung der Leitung. Die Rhein-Netz kann vielleicht helfen.
Private LadestationWeidener hat ein Stromkabelproblem mit der Stadt

Holger Martini vor seiner Garage, zu der er gerne ein Stromkabel verlegen möchte.
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In Zeiten der Energiekrise und der Anschläge auf öffentliche Stromnetze hat Freiheit noch eine energetische Dimension: die Unabhängigkeit vom städtischen Netz und von fossilen Energien. Deswegen machten die Weidener Holger und Ariane Martini vor einiger Zeit von der städtischen Förderung für hauseigene Photovoltaikanlagen Gebrauch. Sie investierten zusätzlich eine beträchtliche Summe und installierten eine Solaranlage auf dem Dach ihres Hauses an der Charlottenburger Straße – auch, weil Solarenergie die Umwelt nicht mit Kohlendioxid belastet.
Und so produzieren die Martinis nun ihren eigenen Strom. Da die Eigenproduktion aber mehr hergibt, als ihr Haushalt verbraucht, hatte das Paar die Idee, eine Leitung zur eigenen Garage zu verlegen, dort eine Ladestation zu installieren und sich ein E-Auto zu kaufen.
Das Problem: Das Haus ist durch einen etwa 50 Meter langen Fußweg von der Garage getrennt. Daher fragte Holger Martini bei der Stadt nach, ob sie ihm ein Wegerecht einräumen würde, wenn er die Leitung auf eigene Kosten verlegen ließe. Doch das verneinte die Stadt. Er solle einmal bei der Tochterfirma Rhein-Netz der Rhein-Energie nachhören.

Durch den Weg rechts müsste das Stromkabel vom Haus der Martinis zur Garage verlegt werden.
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Holger Martini kritisiert Absage der Stadt
Martini kann die Absage der Stadt nicht nachvollziehen. „Man schreibt sich große Klimaprojekte auf die Fahnen, aber kleine Privatinitiativen unterstützt man nicht“, kritisiert er. Dabei würde die Leitung auch seinem Nachbarn zugutekommen und so gleich zwei E-Autos versorgen.
Der Hinweis, sich an die Rhein-Netz zu wenden, wundert ihn aus einem Grund: „Wenn die Rhein-Netz eine Ladestation in meiner Garage an das Stromnetz anschließt, muss sie doch auch ein Kabel durch den öffentlichen Raum verlegen“, sagt Martini. Selbst wenn sie einen Anschluss an ihr eigenes Netz in der Straße wähle, müsse sie den Gehweg daneben aufreißen. Das ist für den Weidener aber auch nur die zweitbeste Lösung: Bei einem Anschluss seiner Ladestation an das öffentliche Netz müsste er den Strom bezahlen, obwohl er mit seiner Solaranlage einen Überschuss produziert.
Solarstrom fürs öffentliche Netz
Die Ladestation an die eigene Anlage anzuschließen, habe aber noch einen Vorteil, erläutert Martini. Sein Stromüberschuss könnte über die Batterie auch dem öffentlichen Stromnetz zur Verfügung stehen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass eine sogenannte „Vehicle-to-Grid“-Technologie zum Einsatz kommt. Dabei werden die Batterien von E-Fahrzeugen für die allgemeine Energieversorgung genutzt. Das macht Sinn, weil sie die meiste Zeit nicht benötigt werden, wenn die Autos parken.
Die Batterien werden dann durch die privaten Solaranlagen nicht nur be-, sondern bei Bedarf durch die Stromversorger auch entladen. Überschüssige privat produzierte Energie kann auf diese Weise verwertet werden.
Wenn in der Stadt viele solcher E-Auto-Batterien als Stromspeicher zur Verfügung stehen, bilden sie einen großen Schwarmspeicher, der zu einer sicheren Stromversorgung beiträgt.
Stadt erteilt Sondernutzungserlaubnis nicht
Die Stadtverwaltung sieht trotzdem keine Möglichkeit, Martini das gewünschte Wegerecht für die Kabelverlegung zu gewähren: Eine Genehmigung könne dafür nach derzeitigem Rechts- und Verwaltungshandeln nicht ausgesprochen werden, schreibt ein Sprecher der Stadt. Der öffentliche Straßen- und Wegeraum diene dem Gemeingebrauch. Wenn dort private Leitungen verlegt werden sollen, sei eine Sondernutzungserlaubnis erforderlich. Diese dürfe jedoch nicht erteilt werden, wenn dadurch der öffentliche Verkehr beeinträchtigt oder gefährdet wird. Zudem könnten private Leitungen im öffentlichen Grund zu unzulässigen Sonderrechten und haftungsrechtlichen Problemen bei eventuellen Schäden an der Infrastruktur führen.
Rhein-Energie kann helfen
Die Rhein-Energie sieht eine Möglichkeit, Martini zu helfen: „Wir haben eine Konzession seitens der Stadt, die es uns ermöglicht, Stromleitungen durch öffentlichen Grund und Boden zu verlegen“, sagt Pressesprecher Eugen Ott. Wo genau die Leitung verlaufen kann, müssten Fachleute prüfen. „Die Idee, dass E-Auto-Fahrer und -Fahrerinnen uns ihre Batterie und überschüssig produzierten Strom zur Verfügung stellen, ist natürlich charmant“, so Ott. Das Vehicle-to-Grid-System sei allerdings noch nicht ausgereift. Die Rhein-Netz arbeitet mit dem Start-up „The Mobility House“ aber bereits daran.
