Das Auto ist für das Verkehrsnetz einer Millionenstadt ein wichtiger Bestandteil. Wer es nicht nutzen will, sollte aber auch andere Möglichkeiten haben.
MilitärringKöln braucht neue Straßen – und echte Alternativen


An dieser Stelle auf dem Militärring in Köln soll eine neue Ausfahrt entstehen.
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Es ist gut und richtig, dass die Stadt Köln das Radwegenetz in der Innenstadt ausgebaut hat. Das Beispiel der Ringe zeigt, wie wichtig eine vernünftige Infrastruktur für den Radverkehr ist – seitdem gibt es dort deutlich weniger Unfälle. Das eine zu tun, darf aber nicht heißen, das andere zu lassen. An Stellen, an denen es notwendig ist, muss in Köln auch das Straßennetz für den Autoverkehr erweitert werden.
Nichts ins Abseits stellen
Insofern ist es zu begrüßen, dass das Mobilitätsdezernat im kommenden Jahr den Militärring ausbauen will. Im Kölner Westen entstehen gerade sehr viele neue Wohn- und Gewerbegebiete, es ist mit einem Aufschwung zu rechnen – und mit einem höheren Verkehrsaufkommen. Natürlich ist es sinnvoll, die Neuentwicklungen an das Radwegenetz und den öffentlichen Nahverkehr anzubinden. Wer nicht mit dem Auto fahren will, sollte Alternativen haben.
Aber das muss nicht bedeuten, das Auto völlig ins Abseits zu stellen, denn es ist für das Verkehrsnetz einer Millionenstadt wie Köln ein wichtiger Bestandteil. Die zunehmende Zahl an Elektroautos verändert zudem die Umweltbilanz des Autoverkehrs zumindest teilweise. Das löst nicht alle Probleme von Stau und Flächenverbrauch, spricht aber dagegen, das Auto pauschal aus der Verkehrspolitik herauszudenken.
KVB muss zuverlässiger werden
Jenseits davon lässt sich feststellen, dass es in der Kölner Innenstadt deutlich einfacher möglich ist, auf das Auto zu verzichten. Dort existiert ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr – wenngleich mit der Einschränkung, dass die Kölner Verkehrs-Betriebe noch deutlich an ihrer Zuverlässigkeit arbeiten müssen. Ein gut ausgebautes Radwegenetz ist inzwischen auch vorhanden.
Der Blick in den Kölner Westen zeigt leider ein anderes Bild: Die Menschen sind dort noch vielfach auf ein Auto angewiesen, weil Busse nur selten fahren und gut ausgebaute Radwege Mangelware sind. Wer ein autoarmes Köln haben möchte, muss zuerst die entsprechenden Alternativen schaffen. Dann steigen Menschen freiwillig vom Auto auf andere Verkehrsmittel um.
Wer Menschen zum Umstieg bewegen will, sollte ihnen zuerst verlässliche Alternativen anbieten – Verbote und Verengungen allein bringen noch keine bessere Mobilität. Es ist nicht zielführend, Autofahrern das Leben unnötig schwer zu machen – das kommt in Köln auffällig oft vor, wie verschiedene Beispiele zeigen.
In Höhenhaus lässt sich eine Siedlung nur noch über eine einzige Straße verlassen, auf der Trankgasse stehen Autofahrer stundenlang im Stau, weil es nur noch eine Ausfahrt gibt, in der Innenstadt nimmt die Stadt vielerorts Parkplätze am Seitenrand weg, ohne für Ersatz zu sorgen.
Es ist eine gute Nachricht, dass das im Kölner Westen nun anders laufen soll. Denn schon jetzt sind die Straßen von dort in Richtung Innenstadt überfüllt, Stau gehört zum Alltag. Eine gute Verkehrspolitik spielt Verkehrsmittel nicht gegeneinander aus – sie sorgt dafür, dass eine Stadt in all ihren Teilen erreichbar bleibt.

