Fehlender KulturraumKunstschaffende Kölner suchen neue Ateliers

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Agnes Mrowiec, Roman Jungblut, Suse Itzel und Tobias Becker von der Künstlergruppe Opekta in einer GAG Wohnung in Immendorf.

An der Bonner Straße ist die Künstlergruppe Opekta in einem ehemaligen Bürohaus mit seinen Ateliers untergekommen.

Die Gemeinschaft Opekta ist auf der Suche nach Ateliers. Eine neue Vermittlungsstelle der Stadt soll helfen. Andreas Schmitz ist Gründer des Fördervereins Kultursalon und möchte zwischen Künstlern und Stadt vermitteln.

„Kunst- & Kultur-Metropole Köln“ nennt sich unsere Stadt gerne und rühmt sich ihrer Museen, Schauspiel, Oper und Philharmonie. Viele Künstler fühlen sich dennoch von Stadt und Verwaltung eher im Stich gelassen – oder zumindest nicht genug wahrgenommen.

Etwa die Künstlergemeinschaft Opekta e.V.. 2009 gründeten acht Künstler den Verein zur Förderung von Kunst und Kultur. In Nippes kamen sie mit insgesamt 25 Kreativen an der Xantener Straße in den ehemaligen Räumlichkeiten der Geliermittelfabrik Opekta in 18 Ateliers unter – daher stammt auch noch der Name der Kreativgemeinschaft.

Künstlergemeinschaft aus Köln erhofft sich mehr Unterstützung

Das Kulturamt hatte die Umbauten in Ateliers bezuschusst. Nach zwei Fünf-Jahresverträgen wurden die Mieten zum Jahresende 2019 schlagartig mehr als verdoppelt. „Das konnten wir uns einfach nicht mehr leisten“, sagt Tobias Becker.

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Das Bürohaus an der Bonner Straße von außen.

Die Künstler fühlen sich wie Nomaden, denn die Räume an der Bonner Straße sind nur auf Zeit angemietet.

Mit Künstlerkollegen wie Agnes Mrowiec, Roman Jungblut und Suse Itzel sowie 15 anderen sind sie seit März 2020 an der Bonner Straße untergekommen. Das Gebäude in der Nähe des Bonner Verteilers ist von außen ausgesprochen schäbig. Die jetzigen Ateliers sind eigentlich ehemalige Büros, auch Flüchtlinge waren hier schon untergebracht. „Wir haben in der ganzen Stadt gesucht, das Kulturamt war auch auf unserer Seite“, sagt Roman Jungblut, der sich dennoch mehr Unterstützung seitens der Stadt, etwa bei der Suche nach solchen Leerstandsimmobilien wünscht.

Vermittlung zwischen Künstlern und Eigentümern in Marienburg

Einer, der sich da einschaltet und hilft, ist Andreas Schmitz. Der Gründer des Fördervereins Kultursalon und Geschäftsführer des Künstlerhauses Quartier am Hafen am Poller Kirchweg,  setzt sich für Kunstschaffende ein und beschäftigt sich mit Räumen für Künstler. „Davon gibt es definitiv zu wenig“, sagt Schmitz.

Jeden Tag landen bei ihm Anfragen auf dem Schreibtisch von Kreativen, die eine Bleibe suchen. „Wenn man in der Stadt über Kulturräume spricht, landet man irgendwann bei mir“, sagt er. „Ich versuche mich hier als Klammer, zwischen Künstlern und Eigentümern zu vermitteln, weil ich das besser kann. Wenn Eigentümer mit Künstlern sprechen, geht das meistens schief“, sagt Schmitz. Das Problem: Viele Eigentümer hätten Angst, ihre Immobilien zur Zwischenmiete nutzen zu lassen.

Unsicherheit für Kölner Künstler

Sein Ziel ist es, zwischen Stadt und Kulturamt ein flexibel agierender Ansprechpartner zu werden, der diese Räume bespielen kann – ohne öffentliche Mittel. Für die Künstler ist die ständige Unwissenheit mitunter schwierig. „Mit dem Nomadischen haben wir uns abgefunden“, meint Suse Itzel achselzuckend. Die Installationskünstlerin ist nicht die Einzige, die nicht nur ein Atelier nutzt.

Auch Roman Jungblut, der mit Medienkunst den Öffentlichen Raum zum Beispiel am Ebertplatz bespielt, pendelt zwischen verschiedenen Wirkungsstätten – und auch Jobs. „Die Kunst muss einen Schutzraum haben“, sagt er. „Wir kommen hier einfach an unsere Grenzen“, meint Becker, der mittlerweile eher von seinem Lehrauftrag an der Universität Siegen als von der Bildhauerei lebt.

Neue Ateliers am Hafen in Planung

Der Schulterschluss mit anderen Künstlern sei da. „Aber irgendwann verpufft auch die Energie“, ergänzt Agnes Mrowiec, die Malerin. Schmitz will im Künstlerhaus im Quartier am Hafen weitere 60 Ateliers errichten. „Es könnten aber auch locker 300 sein“, sagt er. Derzeit heißt es warten auf die Baugenehmigung. Den Opekta-Künstlern würde er Ateliers anbieten.

Farbe, Pinsel und Utensilien der Künstler und Künstlerinnen.

Lagermöglichkeiten gibt es in den als Ateliers umfunktionierten Büroräumen für die Künstler nicht.

Denn das Kollektive schätzt Schmitz. „Das ist bunt und kreativ. Einzelne Künstler kommen bei mir nicht durch die Tür“. Wenn es nach ihm geht, müsse man sich weit mehr mit dem auseinandersetzen, was Künstler brauchen. Im nächsten Schritt ginge es dann um das Wie. „Wie bringe ich meine Kunst an den Mann - inhaltlich wie monetär.“

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