Gastronomie, Parks, HistorischesNeun Entdecker-Tipps für Raderthal und Raderberg

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Das Café Baumhaus an der Brühler Straße.

Das „Café Baumhaus“ an der Brühler Straße bietet unter anderem Smoothies undCrêpes an.

Die beiden Stadtteile zwischen Südstadt und Zollstock sind vielen Kölnerinnen und Kölnern gar nicht bekannt – zu Unrecht, denn sie haben viel zu bieten.

Café Baumhaus

Wirt Said Alagha verwöhnt seine Gäste mit frisch zubereiteten Smoothies, Kuchen, Crêpes, Eis und Cocktails. Auf der Speisekarte finden sich neben Salaten, Flammkuchen und Gerichten wie Königsberger Klopse und Bratkartoffeln mit Spiegelei auch Speisen aus seiner Heimat Palästina wie Falafel und Süßkartoffelauflauf. Adresse: Brühler Straße 26, geöffnet von Dienstag bis Donnerstag von 12 bis 23 Uhr, Freitag bis Sonntag von 9.30 Uhr bis 23 Uhr. Montag ist Ruhetag.

Die Häuser in der englischen Siedlung.

Die „Englisch Siedlung“ im Süden von Raderthal.

Die „englische Siedlung“

Freistehende Häuser, großzügige Gärten, geschwungene Straßen – im Süden von Raderthal liegt die „englische Siedlung“. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen 1949 und 1951 für die britischen Besatzungssoldaten gebaut. Die Briten machten genaue Vorgaben, wie die Häuser und die neue Siedlung aussehen sollten. Renommierte Architekten, die im Faschismus nicht arbeiten durften wie Walter Riphahn und Fritz Schaller, entwarfen die Pläne. Die Bauten wurden im Stil der Moderne errichtet, klare, einfache Linien und Funktionalität zeichnen sie aus. Die Häuser sind versetzt und teils gespiegelt angeordnet, sodass die Siedlung ein einheitliches Gesamtbild abgibt, aber nie einförmig wirkt. Die Siedlung liegt zwischen der Brühler Straße, dem Militärring und der Urfelder Straße.

Der Robinienweg lädt zum Verweilen ein.

Der Robinienweg lädt zum Verweilen ein.

Äußerer Kölner Grüngürtel

Vom Robinienweg aus kann man wunderbar spazieren gehen. Weite Wiesen erstrecken sich rechts und links, Richtung Osten kommt man in den Stadtwald. Nicht nur Hundehalter drehen hier gerne ihre Runde, wegen der Weitläufigkeit wird es aber nie zu voll. Der Robinienweg ist aber vom südlichen Zipfel des Fritz-Encke-Volksparks in wenigen Schritten zu erreichen.

Ein Blick in die Schulze-Delitzsch-Straße.

Ein Blick in die Schulze-Delitzsch-Straße.

Auf Zeitreise in der Schulze-Delitzsch-Straße

In der kurzen Straße zwischen Brühler Straße und Markusstraße kann man ein Gefühl dafür bekommen, wie man in Köln Anfang des vergangenen Jahrhunderts wohnte. Hier stehen nahe der Brühler Straße noch einige der Arbeiterhäuser, die zwischen 1899 und 1903 erbaut wurden. Die Häuser – ursprünglich als Zweifamilienhäuser geplant – bezaubern mit ihren individuell gestalteten Fassaden und dem Wechsel von Putz und Backstein. Die Straße zeichnet sich heute durch eine sehr lebendige und unternehmungslustige Nachbarschaft aus. Ein Großteil der Anwohner gründete einen eigenen Verein und veranstaltet jährlich im September einen Trödel. Sogar ein eigener Karnevalszug – der kleinste in Köln – zog mit eigenem Dreigestirn schon durch die Straße.

Der Brunnentempel im Fritz-Encke-Volkspark.

Der Brunnentempel im Fritz-Encke-Volkspark.

Fritz-Encke-Volkspark

Der Fritz-Encke-Volkspark liegt im Süden von Raderthal, zwischen der Brühler Straße und der Bonner Straße. Angelegt wurde er zwischen 1922 und 1926 vom damaligen Gartenbaudirektor Fritz Encke. Neben einer großen, zentralen Wiese bietet er ganz unterschiedliche Parkräume: Im Staudengarten mit Rankgerüsten, Wildblumen und dem runden Brunnentempel ist der Geist der 1920er Jahre noch spürbar. Zum Militärring hin gelegen finden sich versteckt der Platanenwall, der als Freiluft-Leseraum geschaffen wurde und in der gegenüberliegenden Ecke der Reigenplatz. Der Park ist seit 1980 als Baudenkmal eingetragen und verbindet den inneren Grünzug mit dem äußeren Grüngürtel. Wer mag, kann von hier aus weiter gehen bis in den Stadtwald. Zu erreichen ist der Park über die Kardorfer Straße, die Eckdorfer Straße und die Rösberger Straße.

Ein Blick in den Vorgebirgspark.

Ein Blick in den Vorgebirgspark.

Vorgebirgspark – Kölns erster Volkspark

Weite Wiesen zum Chillen oder Grillen, Hundewiesen, kleine Waldinseln, ein Baumplatz gesäumt von Linden und Ulmen, Spielplätze, Tischtennisplatten, zwei Basketballflächen – im Vorgebirgspark kann man gut freie Stunden verbringen. Er wurde zwischen 1910 und 1914 vom Gartenarchitekten Fritz Encke als erster Volkspark zur Erholung für die Bürger angelegt. Die große Grünanlage erstreckt sich von der Vorgebirgstraße bis zum Militärring über die Stadtteile Zollstock, Raderberg und Raderthal. Der Rosengarten mit seiner langen Pergola, einem rechteckigen Teichbecken und lauschigen, von Hecken abgeschirmten Sitznischen liegt im Raderberger Teil. Hier kann man wunderbar die Hektik der Großstadt hinter sich lassen. Zugang von Raderberg aus über die Kreuznacher Straße.

Frischen Fisch gibt es im Mare Atlantico: Der Fisch wird in Boxen gekühlt.

Frischen Fisch gibt es im „Mare Atlantico“.

„Mare Atlantico“ – ein Paradies für Fischesser

Feinschmecker sollten unbedingt im „Mare Atlantico“ vorbeischauen. Der Fachhandel für Feinkost und Delikatessen am Kölner Großmarkt bietet Käse, Weine, Spirituosen, Fleisch, Öle, Pasta, Obst, Gemüse und vieles mehr aus Frankreich, Italien, Spanien, Holland, Deutschland, Griechenland und der Schweiz. Vor allem begeisterten Fischessern wird hier das Herz höherschlagen: In der großen Fischabteilung werden bis zu hundert verschiedene Fischsorten und Meeresfrüchte angeboten – täglich frisch angeliefert. Von Wolfbarsch über Steinbutt, Seezunge, Dorade bis hin zu Hummer, Taschenkrebs, Scampi, Jakobsmuscheln und Austern ist hier alles im Angebot. Beim Einkauf kann man an der Kaffeebar ein Päuschen einlegen und sich mit belegtem Ciabatta stärken. Adresse: Marktstraße 10-12, Öffnungszeiten von Montag bis Mittwoch von 6 bis 18 Uhr, Donnerstag und Freitag von 6 bis 19 Uhr und Samstag von 6 bis 16 Uhr.

Das Schild des Brauhauses an der Fassade.

Im „Brauhaus am Kloster“ gibt es kölsche Klassiker.

Das „Brauhaus am Kloster“

Im „Brauhaus am Kloster“ geht es – trotz der 120 Innen- und 100 Außenplätze – persönlich zu. Wirtin Pina Gliozzo duzt die Gäste, auch ihr Mann Antonio dos Santos hat einen guten Draht zu den Kunden. Essen kann man typische Brauhaus-Klassiker wie Halver Hahn, Reibekuchen mit Apfelmus, Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffelpüree und verschiedene Schnitzelvariationen, aber genauso finden sich traditionelle portugiesische Gerichte wie Bacalhau (eingesalzener Kabeljau), Frango Piri Piri (scharf zubereitetes Hähnchen) und Pastéis de nata (Blätterteigtörtchen mit Pudding) und italienische Pasta sowie frischer Fisch auf der Karte.

Früh-Kölsch gibt es direkt vom Fass, auf der Weinkarte stehen auch nicht so bekannte Weine aus Portugal und Sizilien. Fußballfans müssen auf kein Spiel verzichten, wenn sie auf ein Kölsch oder zum Essen ins Brauhaus gehen, alle Bundesliga-Spiele werden hier live übertragen. Adresse: Brühler Straße 108, geöffnet Montag bis Freitag von 16 bis 23 Uhr, Samstag von 14 bis 0 Uhr, Sonntag von 14 bis 22 Uhr. 

1.02.2023, Es werden Tipps vorgestellt, was in Raderberg und Raderthal sehenswert ist.

Gelbe und rote Backsteine zieren die Arbeiterkolonie Wilhelmsruh.

Arbeiterkolonie Wilhelmsruh

Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl der Kölner Bürger stark. Wohnraum war knapp. Das brachte Unternehmer dazu, Wohnungen für ihre Arbeiter zu schaffen, in den Vororten entstanden die klassischen Arbeitersiedlungen. Ein Beispiel dafür ist die Arbeiterkolonie Wilhelmsruh in Raderberg. Die kleine Siedlung wurde mit Geld der Familie Rath gebaut, Gerhard Rath war Mitinhaber mehrerer Zuckerfabriken. Die Kolonie war ein positives Beispiel für sozialen Wohnungsbau, anders als die bisher üblichen engen und dunklen Mietskasernen.

Die Siedlung wurde in mehreren zweigeschossigen Häuserzeilen errichtet, in den schmucken Gebäuderiegeln aus rötlichem und gelbem Backstein fanden sich Vierzimmerwohnungen zu günstigen Mieten, außen gab es Nutzgärten und Stallungen zur Selbstversorgung. Als 1912 die letzte Zuckerfabrik geschlossen wurde, übernahm die Stadt Köln die Häuser. Heute stehen noch vier Zeilen der ehemaligen Arbeiterkolonie, die Stadt ließ sie in den 1980er komplett sanieren. Ihr Name erinnert an Kaiser Wilhelm I, der im Jahr des Baubeginns 1888 starb. Die „Kolonie“ liegt zwischen Rheinstraße und Bonner Straße, die postalische Adresse lautet Bonner Straße.

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